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Ist Golf zu teuer?

14. Jan 2014
Eine Greenfee-Runde macht Spaß, wenn alle Faktoren stimmen. (Foto: Flickr/Chapel Hill-Carrboro)
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Im Golfbetrieb muss spitz gerechnet werden, und die Preisgestaltung hat zumeist nichts mit Kostendeckung zu tun. Ein Kommentar.

Ist Golf spielen in Deutschland zu teuer? Es gäbe etliche Rechenspielchen, hochkomplex und in Betriebswirtschafts-Chinesisch, um der Sache auf den Grund zu gehen. Wäre aber ermüdend. Ein Verweis auf die Kosten anderer Freizeitbetätigungen wie Skifahren oder den Hobby-Motorsport? Zu simpel! Ebenso der Vergleich mit anderen Ländern. Und so einfach will man sich‘s bei der Antwort ja auch nicht machen.

Nein, Golf ist in Deutschland nicht zu teuer. Jedenfalls nicht für diejenigen, die Golf spielen. Es ist nun mal keine Sportart, die sich mit einem zum Ball gepressten Butterbrotpapier auf dem Schulhof anfangen lässt. Mindestens braucht Golf ein paar Hektar Fläche, eine gewisse landschaftliche Gestaltung und Pflege, etwas Infrastruktur und einen Grundstock an Ausrüstung. Alles nichts Neues.


Ein teures Vergnügen

Was aber vielleicht neu ist, oder zumindest oft verdrängt wird: Golf ist ein teures Vergnügen für den, der es anbietet. Eine Investition will gestemmt sein, Auflagen sind kostenintensiv zu erfüllen, Anlaufverluste müssen verkraftet und ausgeglichen werden, in einer Freizeitkultur mit fast unüberschaubaren und ständig neuen Angeboten gilt es, seinen Platz zu finden und Wirkkraft zu entwickeln. Und das dicke Ende der jährlichen Betriebskosten kommt erst noch.

Das gilt auch für die – sicherlich nicht unberechtigten, weil der Golfentwicklung dienlichen – Rufe nach stadtnahen und eher einfachen Golfwiesen, auf denen einer mal schnell ein paar Löcher „klickern“ gehen kann. Ohne großes Brimborium und Ritual, bevorzugt gegen ganz kleines Geld vor allem. Stadtnah heißt in der Regel: hohe Pachtkosten, Infrastrukturaufwand, Auflagen, da kann der Platz selbst noch so simpel daher kommen. Gemäht werden muss er trotzdem. Und Einsteiger-Anleitung soll ja auch noch sein. Diese Rechnung hat schon Schieflage, bevor der Business-Plan in „schön“ ausgedruckt ist.

Nun soll hier nicht um Mitleid für die Clubs und Anlagenbetreiber geworben werden. Wenn aus Branchenkreisen verlautet, dass es einem Drittel der deutschen Golfanlagen richtig schlecht geht, wenn ein weiteres Drittel gerade mal so über die Runden kommt, wenn im abgelaufenen Jahr eine Handvoll Insolvenzen ans Tageslicht gekommen sind, dann liegt das auch an verkrusteten Strukturen, an selbstgewählter Abgrenzung, an mangelnder Markt-Anpassung, an ungenügend ausgeprägter Management-Professonalität und hie und da sicher auch am Standort.

Hütchenspiele im Preis-Wettbewerb

Der Hinweis auf die zwei Seiten der Medaille ist dennoch legitim. Ein Preis, den der Konsument liebend gern immer noch als unangemessen empfindet, ist am anderen Ende sehr spitz gerechnet, damit wenigstens eine rote Null rauskommt. Was heißt gerechnet! Die Preisgestaltung, das ist halt so, orientiert sich am Markt und am Wettbewerb, selten an dem – in mancherlei Hinsicht kaum beeinflussbaren – Kostendeckungsbedarf, eine ungute betriebswirtschaftliche Ausgangsposition.

Will heißen: Wenn der Nachbar für Mitgliedschaft oder Greenfee X nimmt, kann der Mitbewerber schwerlich Y verlangen, egal, wie hoch zum Beispiel seine Pachtkosten vergleichsweise ausfallen, sofern sich das nicht mit herausragenden Alleinstellungsmerkmalen auf seiner Golfanlage begründet. Da macht mancher lieber Verlust, als Golfer zu verlieren und rechnet sich mit dem Hütchenspiel zwischen fixen und variablen Kosten schön.

Ein weiterer Aspekt wird gern vergessen: Moderne Golfanlagen lassen sich, je nach Marktsituation, Potentialanalyse und Produktgestaltung, durchaus pflegeleicht und damit kostenbewusst bauen. Siehe Maschinenbefahrbarkeit der Spielelemente, Wasser- und Düngemittelmanagement, Grassorten. Ältere Anlagen aus der Hochzeit des deutschen Golfwachstums in den 80er- und 90er-Jahren haben sich darum, sofern es überhaupt schon bekannt war,  nicht geschert. Es war ja Boom … Von der Renovieranfälligkeit überreifer Plätze gar nicht zu reden.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Abschließend doch noch eine Zahl: Der Deutsche Golf Verband hat in seinem aktuellen Betriebsvergleich ermittelt, dass im Verhältnis von Betriebshaushalt und Aufwendungen/Ausgaben pro gespielter Golfrunde gerade mal 2,26 Euro übrig bleiben. Vor Abschreibungen, Steuern und Kapitaldienst. 124 von 719 Anlagen haben sich an der Erhebung beteiligt, und gewiss vor allem solche, die sich ihrer Zahlen nicht „schämen“, die aus dem oberen Drittel, die mit professionellem Management. Ansonsten offenbart der Betriebsvergleich vor allem eins: Das Dilemma zwischen einem höchst individuellen und unvergleichbaren Kostenaufkommen und dem Zwang wettbewerbskonformer Preise. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Nein, Golf spielen ist in Deutschland wahrlich nicht zu teuer!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Genau in den Aussagen dieses Artikels erkennt man doch den wahren Grund der rückgängigen Zahlen. Die Frage ob Golf „zu Teuer“ ist alleine ist schon falsch gestellt. Sicherlich ist es in Anbetracht der Betreiberkosten einer Anlage nicht „zu teuer“. Die Frage müsste aber meiner Ansicht nach lauten…ist Golf teuer? …und diese Frage kann man sicherlich ganz klar mit “ Ja “ beantworten. Wenn Golf ein Breitensport werden soll, dann müssen sich die Preise an dem Verdienst und den finanziellen Möglichkeiten des Durchschnittverdieners anpassen.
    Nimmt man davon den durchschnittlichen Beitrag weg, dann sieht man wie weit weg der Golfsport davon ist ein Breitensport zu werden. Das immer weitere Wegbrechen einer gesunden Mittelschicht trägt also auch zu geringeren Mitgliederzahlen bei.

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