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Negativtrend zwar gestoppt, aber „Mitten ins Glück“ ist anders

20. Jan 2016
"Mitten ins Glück" ist die Werbekampagne des DGV, mit der über drei Jahre neue Golfer gewonnen werden sollen. (Foto: Youtube)
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Im deutschen Clubgolf steht die „schwarze Null“, doch Rückschlüsse auf die Wirkung der Werbekampagne wären voreilig und verfrüht.

Immerhin, die „schwarze Null“ steht im deutschen Clubgolf. Eingedenk der Negativtendenz der vergangenen Jahre mit 2,4% Zuwachs in 2011, 1,7% in 2012, 1,4 vor zwei Jahren und der Beinahe-Nullnummer von 2014 hätte es im Haushalt des organisierten Golfsports schlimmer kommen können. Wenigstens ist der Trend gestoppt. Durch die 0,2 Prozent Zuwachs auch für 2015 darf sich der Deutsche Golf-Verband, namentlich sein Präsident Claus Kobold, weiterhin über „ein – wenn auch geringes – Golfspieler-Wachstum auf deutschen Golfanlagen“ freuen.

Was soll er auch sonst sagen, Golf ist weiterhin nicht im Trend, da kann, nein, muss man froh sein, wenn nach Ab- und Zugängen ein Plus von 1.044 neuen Clubgolfern herauskommt, die den Bestand auf nunmehr 640.181 DGV-„Ausweisler“ schrauben.

Kein Grund für Zufriedenheit

Grund zum Zurücklehnen gibt‘s in Wiesbaden freilich nicht, Zufriedenheit soll dem Verband hier auch gar nicht unterstellt werden. Immerhin haben mit über 49.000 Aktiven deutlich mehr Menschen dem organisierten Golfsport den Rücken gekehrt, als noch 2014 (rund 40.500). Das muss zu denken geben, wenngleich 50.571 Neugolfer in die Clubs eintraten und damit das Jahr retteten.

Zumal es einmal mehr die „Best Ager“ der Ü50-Kategorie sind, welche die Kastanien aus dem Bestandsfeuer holten. Und genau auf diese Klientel, saturiert, mobil, mit Tagesfreizeit, setzt der DGV ja auch im Kampf gegen den Schwund. In den Altersklassen darunter freilich sieht‘s erneut mau aus, und auch weniger Damen wurden 2015 gezählt.

Golf ist nun mal kein Selbstläufer

Allen Einwänden und Modernisierungsforderungen zum Trotz: Golf ist in unserer modernen Freizeitkultur kein Selbstläufer. Es kommt der sagenhaften Sisyphusarbeit gleich, einer nach Kick, Thrill, Entertainment und schnellen Erfolgserlebnissen lechzenden Spaßgesellschaft dieses in seiner Struktur komplexe und in seinen Rahmenbedingungen komplizierte Spiel zu vermitteln. Das kann nur an der Basis passieren.

Golf, so wie es ist, mit seinem Problemkanon zwischen finanziellem, logistischen und zeitlichem Aufwand, mangelnder „Action“ und fehlender „Coolness“, bleibt ein reliktisches Spiel. Ob es mit wesentlichen Änderungen und Anpassungen überhaupt noch Golf wäre, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden.

Unrealistische Erwartungen?

Nun wird der eine oder andere angesichts dieser nach wie vor mageren Zahlen geneigt sein, umgehend und endgültig den Stab über die crossmediale DGV-Werbe- und Imagekampagne zu brechen, die seit vergangenem Jahr allerhand Neugolfer und damit Deutschlands Golfszene ebenso wie ihren Verband „Mitten ins Glück“ führen soll. 4,9 Millionen Euro schon jetzt für die Tonne?

Man kann über die Sinnhaftigkeit und die Effizienz der Maßnahmen und Aktionen trefflich und berechtigt kritisch streiten. Keine Frage! Ein wenig Realitätsnähe und Fairness indes ist schon angebracht. Am 22. April 2015 lief der erste Spot im Fernsehen, direkt vor der ARD-„Tagesschau“, parallel wurde bundesweit plakatiert, hinsichtlich der Position der Werbeträger nicht immer mit glücklichem Händchen, zugegeben. Es ging um die für Mai angesetzte Erlebniswoche, weitere Hinweise auf Sonderaktionen wie das Schnupper-Erlebnis für 19 Euro oder die „Golfglück“-Internetpräsenz folgten.

Heute in einem Jahr wird sich‘s erweisen

Aber niemand lässt alles stehen und liegen und stürzt sich auf Golf. Schon gar nicht binnen sieben Monaten, sei er noch so vom aufwallenden Glücksgefühl verlockt. Man schnuppert, informiert sich, schnuppert vielleicht noch mal, fährt zwischendurch mit der Familie in den Sommerurlaub, ringt sich vielleicht sogar zum Platzreifekurs durch. Clubmitglieder allerdings sind diejenigen dann längst nicht. Ergo: Die DGV-Kampagne KANN sich noch nicht wirklich in den Zahlen des organisierten Golfsports niederschlagen, und Zeitgenossen, die wenigstens mal einen Schläger in der Hand gehalten haben, werden halt in der DGV-Statistik nicht erfasst.

Also geben wir „Mitten ins Glück“ noch ein Jahr. 2017 um diese Zeit darf geurteilt werden!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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