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Mond, Mars, Trappist-1: Auf der Suche nach extraterrestrischen Grüns

Die zweite Weltraum-Mission von Astronaut Alexander Gerst soll Horizonte eröffnen, aber wie steht es eigentlich um Golf im All?

Alexander Gerst auf dem Weg zu seiner zweiten Weltraummission. (Foto: Getty)
Alexander Gerst auf dem Weg zu seiner zweiten Weltraummission. (Foto: Getty)

Pünktlich um 13.12 Uhr MESZ wurden im kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur die Triebwerke der Rakete gezündet, Sojus MS-09 hat abgehoben, Alexander Gerst sowie seine Kollegen Serena Auñón-Chancellor (USA) und Sergej Prokopjew (Russland) sind auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS. Unzählige Pressekonferenzen hat „Astro-Alex“ zuvor absolviert, noch mehr Fragen beantwortet. Ob er Golf spielt, ist indes nicht bekannt. Trotzdem wirft die „Horizons“-Mission des 42-jährigen deutschen Geophysikers diesbezüglich Fragen auf. Nicht die nach möglichen Schwarzen Löchern in den Bags, das wurde an anderer Stelle schon beleuchtet. Nein, Gersts zweites All-Abenteuer, gibt Anlass, sich mal Gedanken zu machen, was für uns Golfer möglicherweise hinterm Horizont liegt.

Shepards Shank auf dem Mond

Vom Mond wissen wir‘s. Am 6. Februar 1972 legte sich Alan B. Shepard als Kommandant von Apollo 14 auf der Oberfläche des Erdtrabanten zwei Bälle zurecht. Trotz des ausdrücklichen Verbots aus Houston. Die Murmeln hatte er ebenso an Bord geschmuggelt wie den Schläger: Das Blatt des Eisens 6 steckte in einer Socke, den Schaft improvisierte der damals 47-Jährige aus dem Stiel eines Geräts für Gesteinssammlungen. Am ersten Ball produzierte Shepard einen veritablen Shank („Ich hab‘ jede Menge Dreck getroffen“), die zweite Kugel beförderte er – wegen des schwerfälligen Raumanzugs mit einarmigem Schwung – tatsächlich in die dünne Mond-Atmosphäre. „Meilen um Meilen um Meilen“ sei der Ball geflogen, funkte der Astronaut zur Erde, tatsächlich waren es "nur" rund 400 Meter. Shepard, der bislang einzige lunare Golfer, starb 1998, sein Eisen 6 ist seit 1974 im Museum des amerikanischen Golfverbands USGA zu besichtigen, die beiden Bälle liegen nach wie vor auf dem Mond.

Tjurins Abschlag von der ISS

35 Jahre später war extraterrestrisches Golf gar ein willkommener Werbegag. Nach allerhand komplizierten Berechnungen und großen Bedenken schlug der russische Kosmonaut Michail Tjurin auf der Außenhaut der Raumstation ISS einen Ball in den Orbit, in 400 Kilometern Höhe, ebenfalls einhändig und von US-Kommandant Michael Lopez-Alegria dabei an den Füßen stabilisiert. Der Golfausstatter Element 21 aus dem kanadischen Toronto hatte sich die Aktion einiges kosten lassen und Tjurin zudem ein vergoldetes Eisen 6 mitgegeben; für die notorisch klamme russische Raumfahrt war es ein willkommener Geldsegen. „Wir eröffnen einen Golfplatz im All“, jubelte damals E21-Mitbegründer David Sindall. „Es ist definitiv das kleinste Clubhaus, aber auf einem unendlichen Gelände und mit dem längsten Fairway, das man sich vorstellen kann.“ Freilich, es haperte an Fahne und Loch. 48 Mal umkreiste Tjurins Ball auf einer abwärts führenden Flugbahn die Erde und legte eine Strecke von rund 2,6 Millionen Kilometern zurück, bevor er in der Atmosphäre verglühte.

Festuca auf dem roten Planeten?

Als erdähnlicher Planet wäre der Mars ebenfalls durchaus für Golf geeignet. Sand ist genug da, vor allem auf der Nordhalbkugel, Wasser angeblich ebenso, Festuca-Gras wurzelt eh bevorzugt in sehr kargen Böden. Noch eine gute Nachricht vorweg: Auf dem roten Planeten wären wir alle Longhitter, so wie Shepard. Manchen ist das ja wichtig, wenngleich Bälle nicht selten auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Beim Mars-Drive definitiv, da könnte auch „Curiosity“, der aktuelle Erforschungs-Rover, lange zwischen dem Geröll suchen. Obwohl die Gravitation stärker ist als auf dem Mond, herrscht dort nur ein Drittel der hiesigen Erdanziehungskraft. Jetzt die schlechte Nachricht: Die Longhitter-Fähigkeiten wären von begrenzter Dauer, durch die geringe Anziehung bildet sich die Muskulatur sukzessive zurück. Und golfen im Raumanzug ist eh ein sperriges, ungelenkes Vergnügen.

Merkur: Die Sonne scheint immer

Auf dem Merkur übrigens scheint die Sonne während des ganzen Jahres rund um die Uhr: Tee Times gäb‘s folglich für alle genug. Angesichts der sengenden Strahlen des Gestirns sei allerdings leichter Zweifel angemeldet, ob Vizors, Lichtschutzfaktor 50 und selbst großzügigst ausgestattete Beverage-Carts reichen würden – der sonnennächste Planet unseres Systems hat Tagestemperaturen von bis zu 430 Grad.

Kapitän Kirk sprach im Logbuch der Enterprise stets von den „unendlichen Weiten des Weltalls“. Seit der Entdeckung des Zwergsterns Trappist-1 und seiner sieben potenziell lebensfreundlichen bzw. drei habitablen, also wohl bewohnbaren Planeten tun sich weitere konkrete Alternativen auf. Kepler-186f und Kepler-452b, 490 bzw. 1.400 Lichtjahre entfernt, gelten ebenfalls als erdähnliche Himmelskörper. Nichts genaues freilich weiß man nicht, und dahinter tut sich ohnehin die Grenzenlosigkeit des Universums auf.



„Es gibt keinen Planeten B“

Derweil sterben auf diesem Globus die Bienen, Meerwasser wird vor lauter Plastikmüll zur gesättigten Lösung, Großkonzerne machen Trinkwasser zum Luxusartikel: Wer weiß, vielleicht stehen wir bald wirklich vor der Aufgabe, nicht nur uns und unsere Golfbags, sondern die gesamte Menschheit auf neue Grüns zu bringen. Oder wir hören endlich auf Leute wie Alexander Gerst, der am Freitag nach 34 Erdumläufen bei der ISS andocken wird: „Es geht darum, dass wir lernen, wie wir unseren Planeten erhalten“, hat der ESA-Astronaut mal über seine wissenschaftliche Arbeit gesagt: „Es gibt keinen Planeten B.“

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