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Modifiziert den Ball: Längen-Inflation gehört eingedämmt!

24. Mai 2015
Der US-Amerikaner Martin Flores hat bei der Zurich Open mal eben einen 365-Meter-Drive rausgehauen. (Foto: Getty)
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Die modernen Drive-Distanzen überfordern selbst gestandene Plätze. Erweiterungen sind buchstäblich zu kurz gedacht. Ein Plädoyer.

Ab 1. Januar 2016 sind die am Körper verankerten Putt-Methoden und mithin die entsprechende Verwendung von Belly-Puttern und Broomsticks verboten. Wer erinnert sich nicht an das Buhei im Vorfeld dieser Entscheidung der Golfregelverwalter R&A und USGA? Leider haben die Granden in St. Andrews und ihre US-Kollegen das Pferd buchstäblich am Ende aufgezäumt, sie hätten sich mal besser an anderer Stelle ultimative Gedanken gemacht: Ein wirklich ernstes Problem für den Golfsport lauert nämlich nicht am Ende der Spielbahn, sondern am Anfang, auf dem Tee.

Was die Jungs auf den Touren mittlerweile an Abschlägen raushauen, ist schlichtweg monströs, Material-Entwicklung und Spieler-Athletik führen zu einer wuchernden Längen-Inflation, selbst gestandene Plätze sind mit den neuerdings machbaren Drive-Distanzen überfordert. Wo soll das noch hinführen?


„Unheilige“ Allianz

Quail Hollow vergangenes Wochenende ist lediglich das jüngste Beispiel. Und nicht Rory McIlroy allein hat den Schauplatz der PGA Championship 2017 mit seinem Abschlags-Durchschnitt von 293,5 Metern förmlich zerlegt. Tatsächlich gewann Daniel Berger den „Longest Drive“ der Wells Fargo Championship. Mit 341 Metern! Schon bei der Zurich Classic donnerte Martin Flores einen 400-Yards-Hammer (365 Meter) raus, im TPC Sawgrass brachte es Dustin Johnson anlässlich der PLAYERS auf 337 Meter. Die Weitenjagd gehört eingedämmt!

Es ist eine „unheilige“ Allianz zwischen den ballistischen Tugenden des Hightech-Equipments und den körperlichen Voraussetzungen der heutigen Golfprofis. Der nur 1,75 große, indes ideal austrainierte McIlroy bringt es mit seinem perfekten Schwung auf eine Schlägerkopfgeschwindigkeit von über 200 km/h und generiert einen Ball-Speed von fast 290 km/h. Im Durchschnitt auf der PGA Tour führt beim Kopftempo ein gewisser Tony Finau mit 199,6 km/h.

„Golf wird beschädigt“

Neu ist das Phänomen freilich nicht. Schon 2012 endeten auf der PGA Tour über 1.000 Drives jenseits der 320-Meter-Marke, 2013 waren es 817. Die Konsequenz besteht bislang aus hektischen Überreaktionen. Allerorten verschiebt man Abschläge nach hinten oder erweitert und erschwert sonst wie die Plätze. Aber das ist im Wortsinn auf Dauer viel zu kurz gedacht und kann nicht die Lösung sein. Allenfalls werden damit großartige Designs verschlimmbessert.

Ohnehin erweist sich die „Möglichst-Lang-Hybris“ der vergangenen Jahre mit 7.000-Meter-Plätzen als Bumerang. „Sieht denn niemand, dass Golf damit beschädigt wird?“, fragt beispielsweise Gary Player. Höherer Platzbedarf, mehr Pflegeaufwand, all das koste Geld, „also steigen Mitgliedsbeiträge und Greenfees und in der Folge kehren die Leute dem Spiel den Rücken“. Jack Nicklaus legt noch einen drauf: „Lange Plätze kosten Zeit.“ Beim Spieltempo und auch im Gesamtaufwand für das Hobby Golf.

Etwas mehr Gewicht?

Als Kern allen Übels haben die beiden Altmeister – und nicht nur sie – den modernen Ball ausgemacht. „Statt weltweit Hunderte von Millionen Dollar für Umbauten auszugeben, müsste man bloß den Ball modifizieren“, fordert Player. „Warum agieren die ,Golf-Hoheiten‘ nicht mit mehr Vision und drehen den Ball einfach um 50 Yards zurück?“

Aus Rücksicht auf die Industrie? Die darf den technologischen Fortschritt ja gerne weiter voran treiben. Allerdings mit leicht geänderten Vorgaben vielleicht. Zur Erinnerung: Ein Golfball muss mindestens 42,67 Millimeter Durchmesser haben und darf maximal 45,93 Gramm wiegen. Ohne den Ingenieuren vorgreifen zu wollen: Wie wär‘s einfach mit etwas mehr Gewicht? Wenigstens für die Profis.

Möglicherweise haben R&A und USGA ja was im Bag und sie reden nur (noch) nicht drüber. Jedenfalls gab‘s bereits 2012 in Schweden Praxis-Versuche mit einem „kürzeren“ Ball. Dick Rugge, damals Technik-Direktor bei der USGA: „Das Golfball-Projekt soll eine Regeländerung vorbereiten, falls die mal nötig ist.“ Es wird Zeit, dass die „Lordsiegelbewahrer“ aktiv werden!

Rory McIlroy in der Analyse

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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3 LESER-KOMMENTARE

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Länge wird oftmals überbewertet… 😀

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  2. Jörg-Peter Alfes

    Falsch: „Das passende Gerät“ zum putten ist ab dem 1.1.2016 natürlich nicht „verboten“.

    Alt: Spätestens seit John Daly („Long John“), der von 1999 bis 2008 eine durchschnittliche Länge von über 300 Yards hatte, wissen wir, daß Länge zwar die Zuschauer begeistert, aber nicht unbedingt den Sieger ausmacht. Da 99% der Plätze weder PGA-Tuniere ausrichten, bzw. ausrichten können, handelt es sich nach meiner Auffassung lediglich um eine überflüssige Scheindiskussion.

    Jörg-Peter Alfes, Bonn

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Sehr geehrter Herr Alfes,

      danke für Ihren „Verbots“-Hinweis: Der Satz ist mittlerweile präzisiert. Was Ihre zweite Anmerkung betrifft: Es geht nicht um Längenvorteile, aber sehr wohl um die Tour-Plätze. Und um den Unsinn, der veranstaltet wird, um die Längen-Inflation auszugleichen.

      Mit freundlichen Grüßen

      Antworten

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