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Merion Golf Club – Körbe statt Fahnen

11. Jun 2013
Auf der Anlage des Merion Golf Club befinden sich keine Fahnen auf den Stangen, sondern Weidenkörbe. Foto: getty
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Die Anlage des Merion Golf Club ist bekannt dafür, dass hier die Löcher nicht von Flaggen, sondern von Weidenkörben markiert werden.

Die diesjährige US Open wird zum fünften Mal auf dem East Course des Merion Golf Club ausgetragen. Beim Betrachten des Platzes fällt dem aufmerksamen Betrachter zunächst eine Sache auf, die die Anlage ausnahmslos von allen anderen unterscheidet: Dort, wo die Fahnen im Wind wehen sollten, sind die Löcher stattdessen mit signalfarbenen Weidenkörben an der Stockspitze markiert.


Die Körbe als Symbol

Rot an der Front Nine und orange an der Back Nine – die Körbe sind zum Wahrzeichen Merions geworden, sind sogar Teil des Logos. Überall auf der Anlage haben sie ihren angestammten Platz. Sogar auf den Übungsgrüns des Clubs sind sie zu finden, dort allerdings kleiner, und noch kleinere Versionen fungieren als Deko im Clubhaus. Doch woher die Körbe kommen und warum sie bereits in den Anfängen des Clubs statt den Fahnen verwendet wurden, ist bis heute nicht geklärt. Allerdings gibt es diverse Vermutungen, wie und warum es zum Einsatz der Körbe gekommen sein könnte.

Das Korb-Mysterium

Weder ist klar, wer die Körbe auf den Platz in Pennsylvania brachte, noch ist geklärt, wann und wie dies geschah. Spekuliert allerdings wird reichlich. Eine Theorie besagt, dass Merion-Platzdesigner Hugh Wilson bei seiner Recherche-Reise nach Europa im Jahr 1910 – zwei Jahre vor Eröffnung des von ihm entworfenen East Courses – einige faszinierende Plätze besuchte, um sich vom Design der Löcher und Bahnen inspirieren zu lassen.

Hugh Wilson in Britannien

Damals war es auf einigen der britischen Anlagen üblich, Körbe statt Fahnen zu verwenden, weil sie von überall sichtbar waren, aber die Windrichtung nicht preisgaben. Es ist gut möglich, dass Wilson befand, dass Körbe auf den Fahnenstöcken einen gewissen Charme ausübten, und sie deshalb auch für „seinen“ Golfplatz einführen wollte. Auf welchen Plätzen ihm allerdings die Körbe begegnet sein könnten, ist nicht bekannt.

Eine andere Geschichte erzählt, dass Wilson auf die Idee kam, als er schottische Hirten sah, deren Wanderstöcke mit Körben für ihre Mahlzeiten versehen waren, diese bei Rast in den Boden steckten, um das Essen vor Tieren und Ungeziefer zu schützen.

Der Merion Golf Club selbst natürlich erklärt, dass die Herkunft der Körbe „bis heute ein Mysterium ist“. Der Club betont, dass in den ersten Jahren nach der Eröffnung von Merion East keine Zeitung die Körbe überhaupt erwähnt, sodass ebenso angenommen werden könnte, sie seien überhaupt nicht da gewesen.

William Flynn mit Patent auf das Weidenkorbdesign

Falls sie tatsächlich nicht von Anfang an da waren, läge es nahe, dass nicht etwa Hugh Wilson die Körbe auf den Platz brachte, sondern William Flynn, Verwalter der Anlage, Assistent von Wilson während des Baus von East und West Course, und später ein bekannter Golfplatzarchitekt. Er erhielt nämlich laut der Clubhistorie 1915 ein Patent für ein Weidenkorbdesign und erst ab diesem Zeitpunkt standen die Körbe im Fokus der allgemeinen Berichterstattung über den Merion Golf Club. Es entstand ein kleiner Trend, auch einige andere berühmte Golfclubs Amerikas verwendeten Flynns Körbe Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Historiker des Merion Golf Clubs geht deshalb davon aus, dass die Körbe erst 1915 aufkamen und nicht bereits bei der Eröffnung des East Course 1912.

Wem es nun tatsächlich zu verdanken ist, dass auf dem Gelände des Clubs heute Körbe statt Fahnen die Löcher markieren, bleibt ungeklärt. Genauso gut könnte es sich um eine Kooperation der beiden Erbauer gehandelt haben.

Die Frage nach dem Warum

Selbst wenn wir wüssten, wessen Kopf die Körbe entsprangen, so bliebe trotzdem noch immer die Frage nach dem Warum. Möglich ist, dass Wilson (und Flynn) einen Platz entwerfen wollten, der viel analytisches Denken erfordert. Das legt auch das anspruchsvolle Design des Platzes nahe.

Um den Spieler zu zwingen, alle seine Sinne und analytischen Fähigkeiten zu gebrauchen, bietet es sich an, die Fahnen von den Stöcken zu nehmen – und, im Fall Merion, durch Körbe zu ersetzen. Dadurch werden dem Spieler nützliche Informationen darüber vorenthalten, wie stark und aus welcher Richtung der Wind weht. Ebenso gibt es keine Längenmarkierungen auf dem East Course und der Club verbietet die Benutzung von Entfernungsmessern. Also steuern die Weidenkörbe, neben ihrem einzigartigen Charme, ebenso dazu bei, die Anlage in eine größere Herausforderung zu verwandeln.

Vielleicht mochte aber derjenige, der die Körbe in den Merion Golf Club brachte, auch einfach ihr besonderes Flair, der auf die Wurzeln des Golfs in Schottland verweist, und wollte etwas finden, was die Anlage von allen anderen Plätzen unterscheidet. Wenn das das Ziel war: Gelungen ist es auf jeden Fall.

Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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