Max Rottluff: "Ich habe mich in allen Facetten weiterentwickelt"
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Max Rottluff: „Ich habe mich in allen Facetten weiterentwickelt“

Im Interview verrät Max Rottluff, warum man auch als Profi Standard-Chips trainiert und wie man sich als junger Tour-Pro optimal organisiert.

Max Rottluff geht nach einer guten Vorbereitung selbstbewusst in die neue Saison. (Foto: Getty)
Max Rottluff geht nach einer guten Vorbereitung selbstbewusst in die neue Saison. (Foto: Getty)

Max Rottluff geht in sein zweites volles Jahr auf der Web.com Tour. Dort haben sich vor ihm bereits Alex Cejka und Stephan Jäger auf die PGA Tour gespielt, nun will es ihnen der 26-jährige Düsseldorfer gleichtun. Dass es dabei nicht nur auf das eigene Golfspiel ankommt, hat Rottluff mittlerweile verinnerlicht. In welchen Bereichen er sich neu aufgestellt hat, in welchen Spielsituationen er sich verbessert hat und welche Ziele er sich für das Jahr gesetzt hat, hat er Golf Post im Interview berichtet.

Web.com-Tour-Profi Max Rottluff im Interview

Golf Post: Schauen wir zuerst auf dein vergangenes Jahr. Du bist jetzt zum ersten Mal volles Mitglied auf der Web.com Tour. Also kann man es ein erfolgreiches Jahr nennen, oder?



Max Rottluff: Auf jeden Fall. Das mit dem vollen Mitglied ist nicht ganz richtig, weil ich auch im letzten Jahr schon volles Mitglied war, aber in einer Kategorie mit einem Reshuffle nach jedem vierten Turnier. Dennoch war ich volles Mitglied. Als volles Mitglied zahlt die Tour dann zum Beispiel auch die Krankenversicherung. 2017 war ich nur Conditional Member, da war ich zwar in derselben Kategorie wie im vergangenen Jahr, hatte aber nicht diese Vorteile einer vollen Mitgliedschaft. 2018 war ich dann vollwertiges Mitglied. Und dieses Jahr ist eigentlich alles so wie im letzten Jahr, nur dass ich jetzt in einer Kategorie ohne Reshuffle bin. Es war definitiv eine gute und auch wieder sehr lehrreiche Saison. Für mich war es am wichtigsten, zu sehen, dass ich mich konstant weiterentwickelt habe und nicht das Gefühl hatte, dass ich an einem Punkt stehengeblieben bin. Ich habe das Gefühl, dass ich mich in allen Facetten meines Golfspiels und auch in der Organisation drum herum weiterentwickelt habe.

Golf Post: Was meinst du mit den Bereichen ums Golfspiel herum?



Max Rottluff: Für mich war ein großer Teil, sich mit dem Caddie zurecht zu finden. Das ist auf den kleineren Touren etwas einfacherer, weil du eigentlich nur jemanden dabei hast, der dir die Tasche trägt und kein richtiger Caddie ist. Aber auf der Web.com Tour müssen wir Caddies haben. Dahingehend ist es schon eine Umstellung. Was brauche ich als Spieler? Was sind die Attribute eines Caddies, die mir persönlich wichtig sind? Das sind Erfahrungswerte, die ich letztes Jahr sammeln konnte. Ein riesiger Teil war noch, die ganzen Golfplätze kennenzulernen. Letztes Jahr habe ich jede Woche einen neuen Golfplatz gespielt. Es geht auch darum zu wissen, zu welchem Flughafen man fliegt. Was sind die besten Reiserouten? In welchen Restaurants kann ich mich am besten ernähren? Das sind alles Erfahrungen, die man auf den ersten Blick unterschätzt, weil das Augenmerk nur auf dem Golfspielen liegt. Aber wenn man 30 Wochen im Jahr unterwegs ist, muss man sowas wie Ernährung und das Reisen für sich persönlich optimieren.

Golf Post: Hast du in deinem ersten vollen Jahr auf der Web.com Tour Bereiche gesehen, wo spielerisch noch etwas fehlt im Vergleich zu den anderen Spielern?



Max Rottluff: Das Schöne am Golf ist ja, dass es nie etwas gibt, wo man sagt, "Das ist jetzt perfekt, daran muss ich nicht mehr arbeiten". Ich habe meinen Schwerpunkt auf das kurze Spiel gelegt, obwohl ich in dem Bereich im letzten Jahr schon unter den Top 15 der Tour war. Da könnte man jetzt sagen, dass man nicht unbedingt etwas verbessern muss. Aber ich habe für mich festgestellt, dass es mir schon hilft, wenn ich mich nur einen halben Schlag pro Runde verbessern kann. Das sind zwei Schläge pro Turnier. Und die kann ich dadurch einsparen, dass ich einen Standard-Chip auf einen Meter an die Fahne bringe, anstatt auf drei Meter, nur weil ich in dem Moment nicht hundertprozentig da bin. Das wollte ich verfeinern, weil ich dort die einfachste Möglichkeit sah, Schläge einzusparen. Deshalb lag mein Fokus auf dem kurzen Spiel und dem Putten. Es war schön, da auch ein bisschen Input von Günter (Kessler, Anm. d. Red.) zu bekommen, weil immer ein paar Details flöten gehen, wenn man das ganze Jahr über nur spielt. Da muss man dann nachschleifen.

"Nach Weihnachten ging die Vorbereitung los"

Golf Post: Wie lief deine Off-Season?



Max Rottluff: Die war klasse. Das war das erste Mal, seitdem ich mit der Uni fertig bin, dass ich mal ein paar Monate frei hatte, um Sachen zu machen für die ich vorher keine Zeit hatte. Sowohl im Golf, weil ich mir ein paar Wochen Zeit zum Trainieren gegeben und an der Technik gefeilt habe, als auch abseits des Golfplatzes. Als ich in Düsseldorf war, bin ich bei der Baristaschule von Dritan Alsela Coffee vorbeigegangen. Da habe ich ein bisschen an meinen Barista-Fähigkeiten gearbeitet. Das ist ein Hobby von mir. Dabei geht es um verschiedene Kaffeearten und Brüharten und die Zubereitung von verschiedenen Kaffeesorten. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Dann habe ich noch intensiv mit Günter Kessler trainiert. Das war alles im ersten Monat, wo ich Zuhause war. Danach bin ich für zwei Monate zurück in die USA, um wieder in mein Spiel zu finden. Über Weihnachten war ich nochmal kurz Zuhause und hatte ein paar Tage keinen Golfschläger in der Hand, aber danach ging es dann los mit der Vorbereitung für die Bahamas. Ich hatte zwar nur zwölf Tage für die Vorbereitung und es kamen noch Rückenprobleme dazu, ich fühle mich aber ziemlich gut zum Saisonstart.

Golf Post: Du hast gerade von "Zuhause" gesprochen. Dein Zuhause ist also weiterhin Düsseldorf?



Max Rottluff: Ja klar. Meine ganzen Freunde aus der Schulzeit und meiner Clubmannschaftszeiten sind dort und das sind immer noch sehr enge Freundschaften. Deswegen wird Düsseldorf immer "Zuhause" bleiben. Nichtsdestotrotz fühle ich mich aber auch in Scottsdale sehr, sehr wohl. Auch das nenne ich für mich "Zuhause". Eigentlich habe ich zwei "Zuhause", wo ich mich sehr wohl fühle.

Golf Post: Die Saison ging für dich ja dann auf den Bahamas unter schwierigen Bedingungen los. Das erste Turnier stand noch unter dem Eindruck deiner Rückenprobleme. Beim zweiten Turnier spielte das Wetter verrückt. War der Saisonauftakt für dich trotzdem zufriedenstellend?



Max Rottluff: Auf jeden Fall. Beim zweiten Turnier haben, glaube ich, nur sieben Leute aus meiner Tee-Time-Gruppe den Cut geschafft. Zu dem Zeitpunkt war ich Dritter und habe die Gruppe mit drei oder vier Schlägen angeführt. Das gibt mir schon Vertrauen in mein Spiel. Jetzt muss ich weitermachen. Es ist eine lange Saison. Ich glaube wir haben 24 oder 25 Turniere. Ich bin zufrieden mit dem, was ich bisher in den zwei Turnieren gesehen habe und habe das Gefühl, dass ich dieses Jahr einen sehr guten Caddie habe. Ich fühle mich teamtechnisch wunderbar aufgestellt.

"2018 war das erste Jahr, in dem ich kein Turnier gewonnen habe"

Golf Post: Was sind die ergebnisorientierten Ziele für das Jahr 2019?





Max Rottluff: Ganz klar die PGA-Tourkarte. Ich würde dieses Jahr auch gerne wieder ein Turnier gewinnen. 2018 war das erste Jahr, seitdem ich 13 Jahre alt bin, in dem ich kein Turnier gewonnen habe. Ich bin auch absolut der Überzeugung, dass ich das Spiel dazu habe. Ich bin überzeugt, dass ich an den richtigen Dingen gearbeitet habe und auf die richtigen Dinge Wert lege.

Golf Post: Was sind deine Turnierhighlights dieses Jahr?

Max Rottluff: Ich habe jetzt eigentlich keine richtigen Highlights, weil es bei uns ja keine Majors in dem Sinne gibt. Ich freue mich natürlich auf das BMW Charity Pro-Am in South Carolina. Da bin ich letztes Jahr, glaube ich, Sechster geworden und habe gut gespielt. BMW macht einfach immer super Turniere und die Verbundenheit gegenüber einer deutschen Marke ist auch irgendwie da. Das fühlt sich immer etwas heimischer an. Das ist auf jeden Fall ein Highlight und als Pro-Am macht es sowieso immer Spaß. Ich spiele solche Formate ganz gerne.

Golf Post: BMW ist natürlich ein Stichwort. Wir haben hier in Deutschland die BMW International Open. Wie siehts denn damit aus?

Max Rottluff: Wenn ich mir das "Big Picture" anschaue, dann macht es für mich wenig Sinn, ein bis zwei Web.com-Tour-Turniere abzusagen, um ein European-Tour-Turnier zu spielen. Ich würde dienstags ankommen, habe einen Jetlag und nicht die Vorbereitung, die ich eigentlich gerne hätte. Und wenn ich dann in der Woche drauf auf der Web.com Tour spiele, habe ich das gleiche Problem wieder. Das ist alles mit sehr viel Reisen verbunden. Wenn ich natürlich ein paar sehr gute nächste Wochen habe und die PGA-Tourkarte "sicher" habe, dann gäbe es Eventualitäten, bei denen ich mir das schon vorstellen könnte. Dafür kann ich aber erstmal nicht planen. Ich würde das Turnier natürlich liebend gerne spielen, aber man muss schauen, was am meisten Sinn macht. Und wenn ich hier eine gute Saison spiele, dann glaube ich, dass ich in meiner Karriere noch genügend BMW International Open spielen werde.

Golf Post: Hast du den Ryder Cup verfolgt?

Max Rottluff: Ich war mit meinem Vater vor Ort. Wir haben uns den Samstag gemeinsam angeschaut. Das war natürlich stark. Auf der einen Seite war das eine tolle Erfahrung. Auf der anderen Seite war es aber auch extrem motivierend. Das hat schon Spaß gemacht.

Golf Post: Wie sieht es denn mit einer European-Tour-Karte aus? Du kannst noch so viele Turniere in den USA gewinnen, solange du nicht in Europa spielst, kommt eine Ryder-Cup-Teilnahme nicht in Frage.

Max Rottluff: Das Ziel ist, unter die Top 50 der Welt zu kommen. Dann spielt man die WGCs und die Majors. Dann ist es deutlich einfacher, beide Touren parallel zu spielen. Wenn man schon die Turniere spielt, die für beide Touren zählen, kann man noch ein bis zwei Turniere auf der European Tour spielen und den Rest der Saison in den USA verbringen. Dann hast du letztendlich die Mitgliedschaft auf beiden Touren. Und wenn du nicht unter den Top 50 der Welt bist, aber auf der European Tour spielst, bist du trotzdem nicht im Ryder-Cup-Team. Von daher tut sich da dann nicht so viel. Der Ryder Cup ist definitiv ein Traum. Wenn ich irgendwann die Chance dazu habe, werde ich natürlich auch alle Entscheidungen so treffen, dass ich beim Ryder Cup mitspielen kann.

Das Interview führte Tobias Hennig.

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