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„Der neue Boss“ – Medienecho zu Martin Kaymers Sieg

17. Jun 2014
Martin Kaymer kann sich der Aufmerksamkeit der US-Medien nun sicher sein. (Foto: Getty)
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Überrascht und voller Respekt reagieren die US-Medien auf den deutschen Sieg in Pinehurst. Über die TV-Quoten ist man dort hingegen nicht begeistert.

Die US Open 2014 – das Martin-Kaymer-Spektakel: „He Kaymer, he saw, he kicked ass“, schreibt das US-amerikanische Online-Medium Back9Network in Anlehnung an einen der größten Feldherren der europäischen Geschichte, Gaius Julius Cäsar. Kaymer, der Mann aus Düsseldorf, hat die Konkurrenz am Wochenende auf einem der schwersten Plätze in den USA dermaßen auf Abstand gebracht, dass die US-Amerikaner, inklusive der gesamten Weltspitze, nur fassungslos den Kopf schütteln konnten. Aus deutscher Sicht ein Wochenende der Superlative mit einer atemberaubenden, begeisternden Vorstellung, die bei einigen Hoffnung auf neue Zeiten keimen lässt, bei NBC ein Wochenende zum Vergessen.

Martin Kaymer – „Kein One-Hit-Wonder“

Sogar die sonst eher wenig mit Golf befassten Leitmedien und Tageszeitungen SPIEGEL Online, Süddeutsche, FAZ, BILD, Focus nahmen den deutschen Sieg in den USA auf. „Der Verkannte“, betitelt der Kölner Stadtanzeiger seinen lesenswerten Kommentar zu Kaymers Sieg, in dem Frank Nägele Kaymer für seine Zielstrebigkeit feiert: Kaymer habe überall, vor allem aber in der deutschen Golfgemeinde „als Langeweiler, als Zweifler, als Tüftler“ gegolten, der sein Spiel „mutwillig zerstört, weil er permanent an seinem Schwung herumdoktert.“ Mit seinem zweiten Majorsieg, dem Triumph bei der US Open 2014, habe „Martin Kaymer endgültig bewiesen, dass er kein One-Hit-Wonder ist. Vielmehr ist er ein freundlicher Golf-Profi mit einem Spiel aus Granit mit Nerven aus Stahl, an dem sich der Rest der Welt jetzt messen muss.“ Nägele nennt ihn sogar einen „Held des Golfs“.


„Das nächste Mal lässt du die anderen Kinder wieder mitspielen!“

Sky-Kommentator Gregor Biernath setzte weniger auf Pathos denn auf Humor. Er postete bei Facebook ein Bild mit Kaymer, der den Pokal emporstreckt, mit der Beischrift: „So Martin, und das nächste Mal lässte die anderen Kinder auch wieder mitspielen! Die hatten ja geschlossen Tränen in‘ Augen!“

Und auch der 1. FC Köln, dessen Social-Media-Abteilung Martin Kaymer schon während des Turniers eifrig Glückwünsche zuzwitscherte, ließ einen Glückwunsch-Gruß nach seinem Sieg nicht fehlen:

Rekordtief bei TV-Quoten

GolfMemeFür den Rest der Welt war die Vorstellung Kaymers vor allem: langweilig.

Der übertragende TV-Sender in den USA (NBC) meldete die „niedrigsten Quoten für einen US-Open-Sonntag seit Beginn der Aufzeichnung“. Sowohl im Vergleich zu Justin Rose‘ Sieg gegen Phil Mickelson 2013 als auch im Vergleich zu McIlroys Sieg 2011 mit ebenfalls acht Schlägen Vorsprung war die US Open 2014 mit Kaymers Sieg ein Flop für NBC, obwohl deren Berichterstattung sehr positive Resonanzen sowohl auf Twitter als auch in den Medien fand. Bereits vor dem Turnier hatten Meldungen die Runde gemacht, Tiger Woods‘ Abwesenheit sei sowohl für die Ticketpreise als auch für die TV-Quoten ein Desaster – was sich zum Schluss nun wohl leider bewahrheitet hat. Der geschäftsführende Redakteur von Sports Business Daily, Austin Karp, twitterte gleich am nächsten Morgen die Zahlen:

Billy Horschel betont deutsche Dominanz

Als am Montag nach Kaymers Sieg auch noch der 4:0-Sieg Deutschlands über Portugal durch alle Medien ging, setzte der US-Amerikaner Billy Horschel (bei US Open 15 Schläge hinter Kaymer geblieben und auf dem geteilten 23. Rang gelandet) einen Tweet ab, der eine Mischung aus Frust und Anerkennung zumindest vermuten lässt:

„Der derzeit beeindruckendste Golfspieler in 2014“

Trotz aller Dominanz zollen die US-amerikanischen Medien Kaymer einhellig Respekt. Golf Digest bezeichnet ihn als den „derzeitig beeindruckendsten Golfspieler 2014“.

Alan Shipnuck von Sports Illustrated entgegnet auf die Frage, ob Martin Kaymer jetzt der „neue Boss“ im Golfsport sei: „Kaymer puttet viel besser und hat bessere Nerven als Scott. Er traut sich mehr und agiert auf dem Platz klüger als Bubba. Sein Leben ist millionenmal ruhiger als das von Rory McIlroy. Er ist der Boss, bis uns ein anderer vom Gegenteil überzeugt.“

Joe Passov vom amerikanischen Golf Magazine hingegen findet, dass „Adam und Bubba bisher viel konstantere Leistungen gebracht haben und deshalb einen Status über Kaymer verdienen.“ Das zumindest denkt er über die Gegenwart, für die Zukunft fügt er eine gewagte These an: „In drei Monaten könnte Kaymer jedoch sein Nummer-eins-Ranking zurück haben.“

Auch dessen Kollege Josh Sens positioniert sich klar: „Darf ich vorstellen – der neue Boss, Martin Kaymer. Anders als letzten Monat und anders als es nächsten Monat sein wird – so ist das zurzeit nunmal auf der Tour. Ich vermisse Tiger Woods.“

Der Golf Post Talk nach Martin Kaymers Sieg

Welche Auswirkungen haben der Sieg von Martin Kaymer und Marcel Siems zwölfter Platz bei der US Open auf Golf in Deutschland? Der Golf Post Talk diskutiert die Welle der Euphorie nach Pinehurst.


Martin Kaymers Rekord-Major - Was die Konkurrenz sagt

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Juliane Bender

Juliane Bender - Leitende Redakteurin bei Golf Post von Juli 2012 bis Februar 2016

Juliane ist Diplom-Sportwissenschaftlerin. Für sie ist das Faszinierende an Golf: Der Sport ist ein guter Lehrmeister, nicht nur, wenn man gerade den Schläger schwingt. Sie finden Juliane Bender auch unter Google+
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2 LESER-KOMMENTARE

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  1. Torsten Melchers

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Ihre permanente und selbstgerechte Schelte gegenüber den deutschen Zeitungen wegen angeblich zu geringer Golfberichterstattung geht mir allmählich auf die Nerven. Die von Ihnen kritisierten Zeitungen FAZ und Süddeutsche etwa berichten regelmäßig und kompetent über alle bedeutenden Turniere. Was soll das also? Oder erwarten Sie tägliche Artikel? Dafür gibt es Portale wie das Ihrige.
    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten

  2. Die amerikanischen Medien jammern nur, weil das Zugpferd Tiger Woods verletzt ist. Das wusste man aber lange genug im Vorfeld. Man hatte genug Zeit, sich Strategien auszudenken, um das Zuschauerinteresse zu steigern. Also nicht jammern sondern handeln.

    P.S.: Es ist doch für den Golfsport wesentlich interessanter und spannender, wenn sich mehrere Spieler die Siege auf den Touren teilen, als wenn 1 Spieler alle dominiert.

    Antworten

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