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Lofoten Links: Golf rund um die Uhr unter Polarlichtern

23. Okt 2015
Polarlichter (Aurora Borealis) über dem Lofoten Golf Links in Norwegen. (Foto: Jacob Sjöman)
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Im äußersten Nordwesten Norwegens liegt ein spektakulärer Linksplatz, der nicht nur durch Mitternachtssonne und Polarlicht glänzt.

Schon die Gebührenliste ist vielsagend: „24 Stunden“ steht da, ausgepreist mit 1.050 norwegischen Kronen, und es ist kein Synonym für „Tages-Greenfee“, für Golf von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Denn auf Lofoten Links geht die Sonne nicht unter, jedenfalls zwischen Mai und Juli nicht. Im äußersten Nordwesten Norwegens scheint nämlich um diese Zeit die Mitternachtssonne, das Rund-um-die-Uhr-Angebot ist Programm, Kondition und Müdigkeitsresistenz vorausgesetzt.

Ab Ende August setzt sich das himmlische Schauspiel fort. Dann irrlichtert Aurora Borealis übers Firmament, das Polarlicht, in Grün, Violett, Blau und Rot, ein Naturphänomen von surrealem, fast halluzinogenem Zauber. Oh ja, Lofoten Links, das ist im Wortsinn Golf in anderem Licht!


„Die Natur kann bessere Plätze schaffen als der Mensch jemals zustande bringen wird“

Lofoten Links, Loch 14. (Foto: © Kevin Murray)
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Lofoten Links, Loch 14. (Foto: © Kevin Murray)

Aber auch ohne taghelle Nächte und himmlische Lichtorgel findet sich in Hov auf der Insel Gimsøy ein Parcours, wie es nicht viele auf der Golflandkarte gibt, erst recht nicht am 68. Breitengrad, 160 Kilometer nördlich des Polarkreises. „Unsere Vision ist es, den spektakulärsten und ,coolsten‘ Platz der Welt zu haben“, sagt Geschäftsführer und Miteigentümer Frode Hov. Wir würden sagen: Mission erfüllt! Im Lauf einer mehrjährigen Renovation und Erweiterung verwandelte Architekt Jeremy Turner den originären Sechs-Loch-Platz von 1998 in einen fabelhaften 18-Loch-Linkskurs.

Der Schwede integrierte die schrundige norwegische Küste in sein Layout, der Atlantik liefert mannigfache Wasserhindernisse, Strandflecken und Geröllflächen avancieren zu Bunkern und Waste Areas. Lofoten Links‘ schroffe Schönheit lässt vermutlich bloß Hardcore-Fans von Palmen und Puderzucker-Sand nicht die Knie weich werden. „Es ist ein perfektes Beispiel dafür, dass die Natur bessere Plätze schaffen kann, als der Mensch jemals mit bergbewegenden Maschinen zustande bringen wird“, sagt Turner über den „Canvas“ für sein Design-Werk.


Norwegens Lofoten Links: Golfen in einem anderen Licht

Lofoten Links: Wird er „Weltbester neuer Golfplatz 2015“?

Das Ergebnis überzeugte auch die Juroren der „World Travel Awards“. Sie nominierten Lofoten Links in der Kategorie „Weltbester neuen Golfplatz 2015“, gemeinsam mit drei übermanikürten Kursen in Asien und auf den Bahamas, jetzt hoffen die Norweger auf einen „Oscar“ der Reise-Industrie.

Suzann Pettersen auf dem Lofoten Golf Links. (Foto: Kevin Murray)

Suzann Pettersen auf dem Lofoten Golf Links. (Foto: Kevin Murray)

Wobei, das mit dem „coolsten“ Platz ist relativ. Im Juni und Juli klettern auch auf den rund 80 Inseln des Lofoten-Archipels die Temperaturen an die 30-Grad-Marke, die Tiefstwerte freilich fallen selbst sommers ab und an in den Eiskeller. „Hier ist alles, was Du als Golfer brauchst!“, schwärmte Norwegens Star-Proette und Lofoten-Links-Botschafterin Suzann Pettersen unlängst in einer „CNN“-Reportage: „Die Landschaft ist unberührt und friedlich. Es ist einfach herrlich. Man möchte den Platz einerseits als Refugium verschweigen, ihn andererseits wegen seiner Einzigartigkeit aller Welt vorführen.“

Die Macher der Lofoten Links tendieren verständlicherweise zu Letzterem. Sie kurbeln ihre Werbetrommel zusätzlich mit lokaler Historie und der reichen Fauna des Nordmeers an, bieten einen legendären Wikinger-Häuptling namens Tore Hjort auf, der aus der Gegend stammen soll, und erzählen von der Wikinger-Grabstätte unter dem Gelände. Über allem kreisen Seeadler, Austernfischer, Basstölpel, flattern Gänse und Enten, draußen in der Bucht plantschen Orcas und Buckelwale.

Golfplatz-Hotel ist in Planung

Hauptdarsteller bleibt gleichwohl das Par-71-Geläuf mit seinen Abschlägen für vier unterschiedliche Spiellängen und den charaktervollen Linkslöchern vor der grimmigen Kulisse der Lofoten-Berge. Die Bahnen schlängeln sich durch furiose Gesteinskaskaden und umkurven monströse Felsbrocken. „Golf Digest“ fühlte sich an Schottlands uralte Plätze wie Ballyliffin, Royal Dornoch oder Prestwick erinnert, wahrscheinlich haben Göttervater Odin und seine Walhalla-Trinkkumpane hier in grauer Vorzeit mit Felsen gekegelt.

LOFOTEN  NORGE / FOTO CHRISTER HÖGLUND
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Der Atlantik ist immer ganz nah, wenn nicht mittendrin: Lofoten Golf Links in Norwegen. (Foto: Kevin Murray)

Einer der Monolithe dient übrigens demnächst als Mittelpunkt im Atrium des neuen Hotels. 80 Zimmer sollen im Bereich der Schlussbahn entstehen, aus ganz Europa haben sich Architekten mit naturnahen Konzepten beworben.

Aktuell müssen sich Golf-Touristen indes mit einer kleinen „Bed&Breakfast“-Unterkunft begnügen. Verpflegung gibt‘s im Café „Hov Spiseri“ des Clubhauses, auf der Karte steht natürlich auch Stockfisch, luftgetrockneter Kabeljau, der Ausblick auf den Atlantik kommt gratis dazu. Die Anreise ist etwas umständlich: Per Linien- und Inlandsflug sowie zwei, drei Stunden im Auto, es lohnt sich freilich allemal.

Für dieses Jahr allerdings wird‘s wohl eng mit einem Trip, ab 26. Oktober macht Lofoten Links Winterpause. Doch wie wär‘s nächstes Jahr zur Mitternachtssonne? Für das „24-Stunden“-Greenfee von 1.050 norwegischen Kronen (114 Euro) kriegt man acht Runden auf die Scorekarte, 144 Löcher. Schlafen können Sie später immer noch…

Lofoten-14th_Kevin-Murray

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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