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Klage gegen PGA Tour: Richter lässt die Caddies abblitzen

11. Feb 2016
John Huh und sein Caddie bei der Waste Management Phoenix Open. (Foto: Getty)
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Sie werden wohl auch in Zukunft nicht an Werbeeinnahmen beteiligt: Die Klage der Caddies wurde in der ersten Etappe zurückgewiesen.

Die professionellen Caddies beim AT&T Pebble Beach Pro-Am tragen seit zwei Tagen ein zusätzliches Päckchen: Ihre Hoffnungen, künftig an den Einnahmen aus der Werbung auf den Leibchen beteiligt zu werden, haben mindestens einen schweren Dämpfer bekommen. Das US-Bezirksgericht für Nord-Kalifornien hat die Klage gegen die PGA Tour zurückgewiesen, Richter Vince Chhabria ließ die Caddies in allen sieben Punkten der Klageschrift abblitzen.

„Nicht sonderlich überrascht, „allerdings sehr enttäuscht“, zeigte sich Anwalt Eugen Egdorf, der mit seiner Kanzlei „The Lanier“ die Caddies vertritt: „Ich werde meine Klienten dahingehend beraten, das zuständige Berufungsgericht anzurufen.“ Am Mittwoch (Ortszeit) saßen die Caddies in Pebble Beach zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Pikanterweise liegt der Turnierschauplatz geographisch im Zuständigkeitsbereich von „Judge“ Chhabrias Bezirksgericht.


Hinweis auf Caddie-Vereinbarung

Vor fast genau einem Jahr, am 3. Februar 2015, hatte Egdorf dort die Klage im Namen von 82 Caddies vor den Kadi gebracht, in der Folge schlossen sich weitere „Bag Men“ an, am Ende gab‘s 168 Kläger. Es ging darum, dass sich die Taschenträger von der PGA Tour als „lebende Litfaßsäulen“ missbraucht fühlen, kostenlos Reklame laufen müssen. 50 Millionen Dollar, so die Schätzung, nimmt die Tour mit der Vermarktung der Leibchen jährlich ein, zumeist prangen die Logos der Haupt- oder Titelsponsoren auf den „Bibs“. Die Caddies indes sehen davon nicht nur keinen Cent, als freie Unternehmer können sie sich überdies kaum selbst vermarkten, weil der Überwurf die meisten potenziellen Werbeflächen auf dem Hemd verdeckt.

Für Chhabria, einen von 14 Richtern am Bezirksgericht, sind sie das quasi selbst schuld. Bei jedem PGA-Tour-Event gebe es eine von den Caddies zu unterschreibende Vereinbarung, die Hinweise auf eine Art Uniform inklusive Identifikationsabzeichen enthalte: „Die Caddies werden seit Jahrzehnten angehalten, diese ,Bibs‘ zu tragen“, schrieb der Jurist in seiner 15-seitigen Stellungnahme, die das Datum 9. Februar trägt. „Das Tragen eines ,Bibs‘ gehört also zum Job, und das weiß jeder, der diesen Beruf ergreift.“ Weitergehende Ansprüche auf Kompensationszahlungen könnten daraus nicht abgeleitet werden.

Automatische Anerkennung des „Bib“

Will also heißen, und das ist jetzt ein persönlicher Meinungseinschub: Wem das nicht passt, der soll halt nicht Caddie werden? Was vor Jahrzehnten galt – als noch keine Abermillionen an Werbegeldern flossen, nebenbei bemerkt –, ist für alle Zeiten in Stein gemeißelt? Wenn Gewohnheitsrechte unumstößlich wären, „Euer Ehren“, hätten sich in der Vergangenheit eine Menge Dinge nicht verändert und zum Besseren gewendet!

Zwar attestiert Chhabria, der Dress-Code der Tour sei in puncto Leibchen eher vage. Dennoch lasse eine vernünftige Interpretation nur einen zwingenden Schluss zu: „Das ,Bib‘ ist der wichtigste Teil der Uniform, die seitens der Tour von den Caddies erwartet wird.“ Mit den Caddie-Bestimmungen erkennen die „Looper“ nach Ansicht von Chhabria daher automatisch an, erst recht vor dem Hintergrund des geübten Brauchs, „dass die Tour das Tragen von Leibchen verlangen kann“. Den Caddies bleibt freilich kaum eine Wahl, um nicht arbeitslos zu werden, was rechtlich möglicherweise der Sittenwidrigkeit nahe kommt, aber darauf geht er nicht ein.

Schlechte Behandlung bestätigt

Für die PGA Tour ist der Fall damit erledigt, klar. Kommunikations-Direktor Ty Votaw erklärte per schriftlicher Stellungnahme: „Wir sind erfreut über die Entscheidung, lassen das Thema jetzt hinter uns und schauen gemeinsam mit den Caddies positiv nach vorne.“

Wenigstens hat Richter Chhabria den Klägern zugestanden, dass ihre pauschale Beschwerde über schlechte Behandlung durch die PGA Tour wohl nicht unbegründet sei. Erstmal nur ein schwacher Trost, doch der eine oder andere Optimist hofft jetzt, dass die „Causa Werbekohle“ vielleicht in moralischer Hinsicht wirkt und die Tour dazu bringt, die Arbeitsbedingungen der Zunft zu verbessern. Ansonsten haben die Caddies ja immer noch ihre neuen Socken

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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