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Kimura – Schläger- und Fittingexperten

11. Dez 2014
Kimura Driver. (Foto: Golf Post)
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Johannes Herbig und Michael Welwarsky sind die Macher von Kimura und stehen Golf Post im Interview Rede und Antwort.

Golf Post: Ihr habt gerade ein Fitting hinter euch – war es anstrengend?

Michael: Mit Spielern wie der Anna relativ einfach. Du bist in der Luxussituation: Reproduzierbar im Schwung her, sie reagiert auf Änderungen und kann auch mal schnell eine Technik- oder Setup-Korrektur machen.


Johannes: Aber das ist der Unterschied: Wir versuchen nicht den Spieler in seinem Schwung zu korrigieren, sondern das passende Material für diesen Schwung zu finden. Wir maßen uns nicht an, irgendwelche Golflehrertätigkeiten zu übernehmen. Bei krassen Schwungproblemen empfehlen wir dann natürlich den Gang zum Teaching Pro – andererseits würde auch kein Mensch mit unpassenden Schuhen durch die Gegend laufen. Es ist einfach Quatsch zu sagen: „Ich spiel erst so kurz oder so schlecht – einen gefitteten Golfschlägersatz brauche ich nicht“. Das ist für uns der falsche Ansatz.

Wann fängt Fitting für Euch an – ab welchem Handicap macht es Sinn?

Johannes: Es fängt einfach schon mal bei der passenden Länge an, das ist Grundvoraussetzung – klar bei einem Anfänger ist ein dynamisches Fitting schwierig, ein statisches dagegen auf jeden Fall sinnvoll. Es geht in erster Linie um die körperlichen Voraussetzungen – in Deutschland bist Du ja erst ein Mann, wenn Du einen 9-Grad-Driver mit einem Stiff-Schaft spielst. Das ist so in den Köpfen drin. Und genau da setzen wir an: Erst einmal muss es passen – das kann erst einmal jeder, der sich ein bisschen mit der Materie beschäftigt hat. Beim dynamischen Fitting wird es deutlich komplexer, da gehört massig Know-How dazu. Und genau dafür haben wir Michael.

Wie ist Clubmate Golf entstanden?

Johannes: Clubmate Golf wurde 1994 gegründet und ich habe die Firma 2009 übernommen. Zunächst hat sich die Firma nur mit der Beschaffung und Lieferung von Golfkomponenten als reiner Großhandel beziehungsweise den Verkauf an Endkunden beschäftigt. Durch den Zugang zu besten Materialien wollte ich die Sache eher kopflastiger Richtung Fitting ausbauen. Bisher sind es zwei Standorte und wir wollen stetig wachsen. Es gibt viel zu wenige, die über ein entsprechendes Fitting- als auch Material-Know-How verfügen. Gerade im Schaft-Bereich gab es eine rasante Entwicklung in den letzten fünf Jahren.

Woher bezieht ihr eure Komponenten für das passende Fitting?

Johannes: Teilweise von ziemlich kleinen, aber interessanten Firmen mit individuellen Sachen. Aber auch große Firmen wie zum Beispiel Aldila haben gemerkt, dass sie mit ihrem Einheitsbrei nicht mehr mithalten können, und fangen auch an für spezielle Spielertypen zu entwickeln. Das ist die Bauart, die den Schaft unterscheidet, bis hin zur Gewichtung mit 26 unterschiedlichen Messpunkten auf dem Schaft. Bei einem Schlägerkopf hingegen können schon Schweißnähte stören. In unserem Markt ist das eben das Besondere: weg von der breiten Masse hin zur Qualität, die natürlich auch was kostet.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Jordan Golf entstanden?

Johannes: Kimura haben wir erst durch die Zusammenarbeit mit Jordan Golf ermöglichen können. Uli Jordan hat sich 2011 mit 50 Prozent an Clubmate beteiligt. Der Uli hat all dies dann erst wirklich möglich gemacht.

Was ist euer Ziel für die Verbreitung?

Johannes: Aus patentrechtlichen Gründen sind wir bisher auf den europäischen Raum beschränkt. Wir versuchen eine vernünftige Entwicklung zu haben, aber wir wollen schon, dass unser Produkt bundesweit von guten Leuten und Fitting-Partnern vertreten wird, die auch unsere Philosophie repräsentieren.

Michael: Fitting-Partner in dem Sinne, da sie das transportieren können, was wir auch mit dem Produkt transportieren wollen. Du kannst es definitiv nicht an jede Verkaufsstelle geben, da es nicht viele Leute gibt, die sich mit dieser Art von Fitting auseinandersetzen und sich mit dieser Art von Produkt befassen können beziehungsweise wollen. In Deutschland wären wir mit mittelfristig 15 Verkaufsstellen schon ganz gut aufgestellt. Europaweit wären insgesamt 25 Partner das Ziel.

Was unterscheidet euch von anderen Fitting-Centern? Was sind Eure Hauptaugenmerke, auf die Ihr Wert legt?

Michael: Ich denke in letzter Konsequenz die Fertigungsqualität. Ein Fitting durchführen und die Daten interpretieren können einigermaßen viele Leute ganz gut. Unser Pluspunkt ist, dass wenn wir einen Driver rausgeben wir ganz genau wissen, was für eine Schafthärte und welchen Loft der Schläger hat. Wir können nach dem Fitting den Schläger eins-zu-eins in der Einzelfertigung umsetzen und produzieren.

Durchschnittlich werden alle fünf bis sieben Jahre die Schläger im Bag ausgetauscht. Was ist Eure Empfehlung?

Johannes: Teilweise bleiben manche Eisensets sogar noch länger. Theoretisch haben Schläger eine unendliche Lebensdauer bei vernünftigem Umgang, das heißt bei einer normalen Spielfrequenz und guter Trefferquote am Ball. Der Schnitt spielt seine Schläger fast zehn Jahre.

Michael: Aber wenn man einen konstanten Abriebpunkt hat und regelmäßig spielt, dann kann man schon mal die Schläger nach drei bis vier Jahren austauschen. Solange der Schwung aber einigermaßen konstant ist und die Schläger auch das machen, was ich möchte, dann gibt es keinen Grund, die Schläger öfter zu wechseln. Sind aber zum Beispiel zwei Schläger in der Länge identisch, so sollte man mal nachschauen lassen, ob noch alles bei dem Schaft oder dem Loft stimmt.

Was kostet bei euch ein Fitting?

Johannes: 50 Euro. Wir machen erst mal einen Materialcheck, erst dann lassen wir mit dem bestehenden Material die Leute Bälle schlagen und dann empfehlen wir dem Kunden Etwas. Manchmal kommt es natürlich auch vor, dass wir sagen „Spiel damit weiter, dein Material passt“. Ein durchschnittlicher Schafttausch kostet bei uns 23 Euro plus Materialkosten für einen neuen Schaft. Aber auch ein bestehender Schlägerkopf kann so von uns optimiert werden, dass er für den Spieler weiterhin passt.

Was spielen denn die Tour-Spieler für Schläger auf ihrer Runde?

Michael: Die spielen vor allem Material, das Du und Ich nicht einmal zu Gesicht bekommen. Viele Sachen auf der Tour sind Prototypen, Sachen die speziell für einen oder zwei Tour Spieler angefertigt werden. Schönes Beispiel aktuell ist Tiger Woods, der gerade diesen roten Driver ins Bag reingenommen hat. Das ist ein extra Driver, der nur für ihn gebaut wird – der ist unbezahlbar für einen normalen Spieler. Teilweise erhalten aber die Schläger von der Stange die gleiche Farbgebung am Schaft, damit der Kunde denkt, er spiele den gleichen Schaft und Schläger wie der Profi Tiger Woods. Auch die Driver-Köpfe sind teilweise nur für die Profis produziert worden.

Was wünscht ihr euch von dem Golfsport in Deutschland? In welche Richtung soll es da am besten gehen

Johannes: Ich würde es mir sehr wünschen, dass es alles ein bisschen Jugendlicher wird, als es bisher stattfindet. Es wird noch relativ wenig für den Nachwuchs getan, da haben wir noch viel Nachholbedarf.

Setzen sich die Golfer genügend mit der Frage nach dem passenden Material auseinander?

Johannes: Ja doch, es fängt langsam an. Das liegt aber auch daran, dass die Produktzyklen bei den großen Herstellern immer kleiner und kürzer werden. Andauernd kommt etwas Neues auf dem Markt, was noch besser als der Vorgänger sein soll.

Michael: Taylormade zum Beispiel in dieser Saison. Die bringen andauernd einen neuen Driver raus, der immer noch mehr Länge versprechen soll. Du merkst einfach, dass die Golfindustrie technisch nicht mehr ganz hinterher kommt, der Kunde beißt einfach bei diesem ganzen Angebot nicht mehr an. Als Kunde denkst du einfach schnell, dass dein Driver schon veraltet ist, bevor er überhaupt im Bag steckt.

Wie sind eure Produktzyklen?

Michael: Ich denke, dass wir das aktuelle Produkt mindestens drei Jahre pflegen werden. Vom Reglement her ist einfach einiges begrenzt und limitiert. Warum soll ich einen Schlägerkopf, der für seine Zielgruppe ein perfektes Resultat ergibt, erneuern? Dafür gibt es keinen Grund. Außer ich habe als Lieferant das Gefühl, dass ich etwas Neues produzieren muss, damit der Kunde etwas kauft. Die Philosophie teilen wir aber nicht.

Was sind bei euch die drei wichtigsten Faktoren beim Fitting?

Michael: Der erste Blick geht bei mir immer auf die Schlägerkopfgeschwindigkeit und Schwungrhythmus. Wenn ich dann da eine Entscheidung getroffen habe, welche Schäfte ich gerne sehen möchte, dann achte ich genau darauf, wie gut der Spieler das Center trifft. Dann guckst du natürlich auch auf Spin, Ballstartwinkel, ist der Ball kontrollierbar oder nicht, ist das Spiel gleichmäßig und und und. Auf der einen Seite willst du natürlich die Länge optimieren, aber auch mit einer hohen Konstanz den Schlag verbessern. Lieber drei Meter kürzer und öfter das Grün treffen, als andersrum.

Vielen Dank für das Interview!


Kimura

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Matthias Kiesinger

Matthias Kiesinger - Freier Autor für Golf Post

Matthias ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er hat Schwächen bei Annäherungen, dafür kommt das Eisen 3 (teilweise) überraschend gut. Mit Bogey-Handicap ist noch viel Luft nach oben. Ziel: Single Handicap und einmal im Leben eine Par-Runde. Sein Golfvorbild ist Ivan Lendl.
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