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Warum so unzufrieden? So ordnen Sie Ihre Saisonleistung ein

01. Nov 2016
Manch einer ärgert sich über seine Saison. Dabei hätte er vielleicht sogar Grund zur Freude. (Foto: Getty)
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Sie ist Mentalcoach und spielt selbst Golf: Andrea Bandorfer im Interview über richtige Ziele, Druck und die Frage, was eigentlich Erfolg ist.

Der eine freut sich, endlich das erste Turnier spielen zu können, der andere würde gerne eines gewinnen. Mancher nimmt die Sache mit dem Handicap so richtig ernst, anderen sind die Zahlenspiele völlig egal. Die Zielsetzungen vor einer Golfsaison sind oft grundverschieden. Und damit auch der Grad der Enttäuschung am Ende einer Spielzeit. So richtig enttäuscht zieht unser Autor Stephan Schöttl nicht Bilanz. Es überwiegt mehr die Unzufriedenheit. Und darum hat er sich auf die imaginäre Couch von Andrea Bandorfer begeben. Die Münchnerin ist Mental-Coach und bietet unter anderem Hypnose für Sportler an. Sie sagt: „Der erfolgreiche Weg zu gutem Golf beginnt im Kopf.“ Andrea Bandorfer kennt auch die andere Seite, denn sie spielt selbst begeistert Golf, ist ausgebildete Trainerin mit C-Lizenz und befindet sich aktuell in einer Ausbildung zum Fully Qualified Professional der PGA of Germany. Das Protokoll eines klärenden Gesprächs.

Golf-Mentalcoach Andrea Bandorfer im Interview

Golf Post: Ich bin also mit Handicap 26,2 in diese Saison gestartet – und wollte insgeheim die 20 knacken. Jetzt bin ich bei knapp 23 hängengeblieben. Was habe ich denn falsch gemacht?


Andrea Bandorfer: Die Frage ist vielleicht zunächst: Wie viel und was haben Sie trainiert? Wo wollten Sie die Schläge einsparen? War Ihr Handicap-Ziel vielleicht gar nicht realistisch? Gab es Zwischenziele oder eine Planung, die aus der Zielsetzung resultierte? Sagen wir es mal so, wenn Sie das Handicap um sechs Punkte verbessern möchten, dabei aber nur einmal die Woche spielen gehen, nur drei Turniere gespielt haben und keinen Trainer hatten, der Sie technisch und taktisch berät, dann wird auch ein Mentaltraining wenig helfen. Anders ist das, wenn Sie aber in allen Privatrunden super gespielt und in vielen Turnieren versagt haben. Grundsätzlich muss man aber sagen: Das Ziel „Ich verbessere mein HCP von da nach da…“ ist eigentlich viel zu ungenau.

Golf Post: Was sollte ich denn stattdessen tun?

Andrea Bandorfer: Zum Beispiel Handlungsziele setzen. Denn Ergebnisziele wie Handicap oder Score machen meistens unzufrieden, weil sie sich oft unseres Einflusses entziehen. Handlungsziele haben wir selbst in der Hand. Und damit dann auch den Erfolg!

Golf Post: So viel habe ich diese Saison also gar nicht falsch gemacht. Ich wollte jeden Monat mindestens ein Turnier spielen und so oft wie möglich raus auf den Platz. Das hat geklappt. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und eine Menge Spaß gehabt…

Wenn Andrea Bandorfer selbst Golf spielt, versucht sie stets die Ruhe zu bewahren. (Foto: privat)

Wenn Andrea Bandorfer selbst Golf spielt, versucht sie stets die Ruhe zu bewahren. (Foto: privat)

Andrea Bandorfer: Ja, aber wenn Sie sich dazu noch vornehmen: Nächste Saison erarbeite ich mit meinem Trainer ein Konzept, wo ich die meisten Schläge sparen könnte, trainiere das dreimal die Woche und an meiner Turniernervosität arbeite ich mit einem Coach, dann sollte sich am Ende als Nebeneffekt das Handicap auf jeden Fall verbessert haben.

Golf Post: Gewettet wird beim Golfsport ja auch. Wahrscheinlich in jedem Klub auf irgendeine Art und Weise. Da geht es um Wochenend-Kurztrips, um Essenseinladungen und Literweise Bier. Welchen mentalen Trick muss ich anwenden, um eine solche Wette zu gewinnen?

Andrea Bandorfer: Dafür gibt es leider keinen Trick. Ein Mittel zum Zweck könnte aber sein, zu arbeiten und zu trainieren, mental und technisch. Golfer, die unter Wettkampfbedingungen zur Höchstform auflaufen, den Druck richtig brauchen, werden
sich mit Wetten helfen, weil sie das antreibt. Die anderen, die unter Druck einknicken, tun sich keinen großen Gefallen.

Golf Post: Wie ist das eigentlich, wenn ein Mental-Coach selbst auf die Runde geht: Was ist, mal abgesehen von guter Technik und entsprechendem Training, Ihre wichtigste Eigenschaft auf dem Golfplatz?

Andrea Bandorfer: Ich versuche immer, die Ruhe zu bewahren, geduldig zu bleiben und eine Aufgabe nach der anderen zu lösen. Letztlich bedeutet es: Achtsam sein, den Augenblick zu erleben und zu genießen. Es ist wichtig, die Balance zwischen Konzentration und Entspannung zu halten. Und Spaß sollte man haben. Der Score darf eigentlich nur Nebensache sein.

Golf Post: Kennen Sie den kürzesten Golfwitz: „Ich kann’s“? Was ist denn das große Geheimnis, um erfolgreich Golf zu spielen? Oder gibt es am Ende gar kein Erfolgsgeheimnis?

Andrea Bandorfer: Die erste Frage, die sich mir stellt: Was meinen Sie mit erfolgreich? Je weniger Schläge ich auf einem Kurs brauche, desto erfolgreicher habe ich den Platz bezwungen. Das ist die sachliche Ebene. Je entspannter und lustiger es auf der Runde zugegangen ist, desto mehr Spaß hatte ich. Das meinen andere mit erfolgreich. Je näher ich an mein Ziel, an meine Motivation gekommen bin, desto erfolgreicher war ich. Womit wir wieder beim Thema Ziele sind. Damit steht und fällt alles!

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Stephan Schoettl

Stephan Schoettl - Freier Autor für Golf Post

Den Sport- und Touristikmanager hat es nach einer Zwischenstation beim Radio als Redakteur zu den Printmedien verschlagen. Er ist im Allgäu daheim und dreht dort auch am liebsten seine Runden. Er schlägt die Golfbälle aber nicht nur gerne, sondern freut sich auch über besondere Exemplare für seine Sammlung. Sie finden Stephan Schöttl auch unter Google+
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