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Marcel Siem: „Golfen macht mir immer noch tierisch Spaß!“

Trotz sportlicher Schwierigkeiten hat Marcel Siem große Ziele vor Augen. Im Golf Post Interview fallen jedoch auch überraschend kritische Äußerungen.

Marcel Siem hat für das nächste Jahr große Ziele vor Augen. (Foto: Getty)
Marcel Siem hat für das nächste Jahr große Ziele vor Augen. (Foto: Getty)

Marcel Siem hat sich den bisherigen Saisonverlauf definitiv anders vorgestellt. Seine beste Platzierung erreichte der 36-Jährige mit einem geteilten 29. Platz bei der Hero Indian Open im März. Zudem hatte der Mettmanner mit Nacken- und Schulterproblemen zu kämpfen. Nichtsdestotrotz hat Siem noch große Ziele vor Augen, wie er Golf Post im exklusiven Interview verrät. Zudem spricht der vierfache European-Tour-Sieger über sein gutes Verhältnis zu den anderen deutschen Spielern auf der Tour. Deutliche Kritik übt Siem an der hiesigen Nachwuchsförderung, der es laut seiner Aussage an Zwischenmenschlichkeit fehle.

Golf Post: Marcel, es ist mittlerweile Mai. Wie beurteilst Du die Saison bislang?

Marcel Siem: Ich bin natürlich sehr unzufrieden, denn dies war der schlechteste Saisonstart den ich je hatte. Nach den Verletzungen musste ich alles wieder auf null setzen. Inzwischen kann ich wieder ohne Schwunggedanken den Ball schlagen. Mir fehlt noch ein wenig Selbstvertrauen beim Putten. Wenn ich daran arbeite bin ich für Wentworth gewappnet.

Golf Post: Was sind Deine Pläne und Ziele für die restliche Saison?



Siem: Bis zum Ende des Jahres will ich in die Top 100 und ein Turnier gewinnen. Mir fehlt noch ein wenig die Konstanz. Manchmal bin ich zu ungeduldig. Ich versuche jetzt ein bisschen Tempo rauszunehmen und mich auf das nächste Turnier vorzubereiten. Dafür ist es wichtig, das gute Gefühl aus China mitzunehmen.

Golf Post: Du bist in einem Alter, in dem Profis aus anderen Sportarten ihre Karriere beenden. Ein gutes Beispiel ist Fußball-Weltmeister Philipp Lahm, der zum Ende dieser Saison aufhören wird. Kommen Dir auch mal Gedanken andere Ziele zu verfolgen, außerhalb des Profigolfs?

Siem: Nein, daran denke ich momentan nicht. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass es möglich ist, auch in höherem Alter noch große Turniere zu gewinnen. Außerdem macht es immer noch tierischen Spaß, gerade wenn es dann wieder gut läuft. Ich habe bestimmt noch zehn gute Jahre vor mir und werde auch immer hart arbeiten.



Golf Post: Viele junge Spieler aus der Nachwuchsgeneration sind auf der Tour. Wie ist das für Dich, mit den Jungs unterwegs zu sein?

Siem: Die Jungs sind schon lustig. Das sind komplett verschiedene Charaktere. Der Max [Kieffer, Anm. d. Red.] ist ein sehr ruhiger Mensch auf dem Golfplatz, Alexander Knappe auch. Bernd Ritthammer ist ein cooler Typ. Der ist auf dem Platz so wie er auch abends ist.

Golf Post: Unternehmt ihr auch etwas zusammen oder ist der Altersunterschied zu groß?





Siem: Wenn es klappt und wir im gleichen Hotel sind, dann gehen wir natürlich auch essen und versuchen Proberunden zusammen zu spielen. In China haben wir eine coole Runde gespielt. Alexander Knappe und ich gegen Bernd Ritthammer und Maximilian Kieffer. Dann hat Max auf Loch 18 ein Mega-Eagle gemacht, um das Match auszugleichen. Aber so etwas klappt auch nicht immer, weil jeder sein eigenes Ding macht und die Zeit knapp ist.

Golf Post: Martin Kaymer und Du, ihr habt in der "höchsten Liga" bereits zahlreiche Siege eingefahren. Die jüngeren Spieler haben zwar schon Challenge-Tour-Events gewonnen, aber für einen Sieg auf höchstem Niveau hat es noch nicht ganz gereicht. Hast Du dafür eine Erklärung?

Siem: Alex, Bernd und Max arbeiten definitiv hart. Es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu den ersten Sieg einzufahren. Und dann hat man das Gefühl, wie man so eine Sache strategisch angeht, wenn man vorne ist. Ich glaube Max hat schon oft genug daran geschnuppert und wird in der Zukunft ein Turnier gewinnen.

Golf Post: Aus Frankreich kommen viele Nachwuchsgolfer, die bereits Turniere gewonnen haben. Gibt es dort Unterschiede in der Nachwuchsarbeit?

Siem: Dort wird auf jeden Fall anders gearbeitet. Die Trainer haben ein sehr gutes Ansehen bei den Spielern. Die gehen zusammen Essen und haben eine sehr gute und freundschaftliche Beziehung. Meiner Meinung nach fehlt in Deutschland das Zwischenmenschliche. Hier muss der Verband definitiv innovativer arbeiten. Martin und ich haben mit Günther Kessler nicht nur einen Trainer, sondern auch einen Freund. Und das ist der kleine Unterschied, durch den die Gewinnermentalität entsteht.

Golf Post: Du hast vor einiger Zeit gesagt, das Ziel im nächsten Jahr ist der Ryder Cup. Ist das nach wie vor aktuell?

Siem: Das ist definitiv das Ziel, auf das ich hinarbeiten will.

Golf Post: Und wenn Du Dich zwischen dem Masters 2018 und dem Ryder Cup 2018 entscheiden müsstest?

Siem: Das ist gemein (lacht). Naja, das Masters kann ich danach noch schaffen, also entscheide ich mich für den Ryder Cup 2018.

Das Interview führte Matthias Gräf.

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