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Caroline Larsson: „Seitdem ich die Prothese habe, ist mein Schwung besser“

Caroline Larsson war Profigolferin, dann verlor sie ein Bein - und blieb Profigolferin. Heute gibt sie ihre positive Energie auf Vorträgen weiter.

Caroline Larsson wurde nach einer schweren Krankheit das rechte Bein teilamputiert. (Foto: Bernd Ducke/Allianz)
Caroline Larsson wurde nach einer schweren Krankheit das rechte Bein teilamputiert. (Foto: Bernd Ducke/Allianz)

Caroline Larsson war 22 als sie innerhalb weniger Wochen erst ein Erdbeben überlebte und anschließend eine lebensverändernde Diagnose erhielt. Aufgrund mehrerer Tumore musste 2011 ihr rechtes Bein amputiert werden - sie blieb trotzdem noch fünf Jahre lang Profigolferin. Heute arbeitet Larsson als Speaker und Motivationscoach und erklärt im Interview mit Golf Post, warum eine Prothese beim Golf hilfreich sein kann, wie mentale Vorbereitung im Golf und im Leben hilft und wie man mit Dingen umgeht, die man nicht beeinflussen kann.

Golf Post: 2011 hätte ein gutes Jahr für dich werden können.

Caroline Larsson: Genau, mein nächstes Ziel war die Ladies European Tour (LET) und ich war in Neuseeland, um zu lernen. Meine Schwester hatte es geschafft, in das LET-Turnier zu kommen und wir haben unsere Stars gesehen, wie Laura Davies zum Beispiel. Das war so toll, ich habe so viel gelernt und wir beide hatten so viel Energie.

Golf Post: Doch dann kam alles anders. Noch in Neuseeland traf euch das schlimme Erdbeben bei dem 185 Menschen starben, danach kam es für dich persönlich noch schlimmer.



Caroline Larsson: Ungefähr drei Wochen vor der Krebsdiagnose hatte ich das Erdbeben in Neuseeland überlebt. Die Diagnose und das Beben, das waren zwei große Schocks für mich, aber auch Weckrufe: Was mache ich mit meiner Lebenszeit? Was ist wirklich wichtig? Was will ich machen? Darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht. Als ich Krebs bekam, war ich sehr erfolgreich im Golfsport, ich hatte die Profilizenz geschafft, aber dann war die Zukunft plötzlich unsicher. Ich wusste nicht, ob es noch wert war, zu leben - das war so ein schwerer Moment. Zuerst wollte ich gar nicht wissen, wie mein Bein später aussehen und sich anfühlen würde. Dann haben meine Ärzte gesagt: "Du hast drei Wochen bis zu der OP", da habe ich mir die Frage gestellt, was ich beeinflussen kann.

Zwei Tage ging es mir nach der Diagnose wirklich schlecht, aber dann dachte ich: "Ich habe nur drei Wochen. Nur drei Wochen - was will ich in den drei Wochen tun, wenn ich nur noch so lange zwei Beine habe?" Und dann wollte ich alles machen. Ich wollte reisen, ich wollte Golf spielen, ich wollte laufen. Genau das habe ich gemacht und mich auch für diese große Veränderung vorbereitet.

Ich hatte so viel Angst vor dem Bild von mir selbst als Einbeinige und die größte Frage war natürlich: Würde ich mich noch wohlfühlen, würde ich mich wieder schön fühlen? Und dann habe ich mit diesem Bild gearbeitet. Vor einem Golfturnier habe ich mich immer damit vorbereitet, dass ich den Golfplatz in meinem Kopf gespielt habe und so habe ich es mit dieser Veränderung auch gemacht: Ich habe mich jeden Tag vor den Spiegel gestellt, ein Bein hochgenommen wie beim Stretching und mich dann angeschaut habe.



Caroline Larsson: "Ich habe mich mit mir vertraut gemacht"

Golf Post: Sieht es denn jetzt so aus, wie du es dir damals vorgestellt hattest? 

Caroline Larsson: Weil ich das jeden Tag gesehen habe, habe ich gelernt, mich mit diesem Bild von mir selbst vertraut zu machen. So habe ich an dem Tag, als ich nach der Operation aufgewacht bin, keinen Schock bekommen und Phantomschmerzen hatte ich auch nie. Mein Arzt hat gesagt, vielleicht hat mein Gehirn durch meine Vorbereitung verstanden, dass da kein Bein mehr ist, denn Phantomschmerzen kommen dadurch zustande, dass das Gehirn denkt, es wäre noch da.

Deshalb glaube ich, dass die mentale Vorbereitung bei allem was wir tun, so viel mehr Gewicht hat als wir ihr manchmal beimessen. Ich wollte nach der OP aufwachen und mich wohlfühlen. Ich wollte glücklich sein. Es war wirklich enorm wichtig für mich, dass ich mich in diesem Prozess kennengelernt habe.





Golf Post: War dir denn die Vorbereitung auf Dinge auch schon vor der Diagnose wichtig? 

Caroline Larsson: Nach der Diagnose war es intensiver und wichtiger, mich mental vorzubereiten. Ich habe zwar vorher schon über die mentale Stärke und Kraft nachgedacht, die ich und andere Menschen haben, aber ich habe nie daran geglaubt, dass das so viel beeinflussen kann.

Caroline Larsson war auch mit Prothese eine Golferin auf Tour-Niveau. (Foto: Bernd Ducke/Allianz)

Caroline Larsson war auch mit Prothese eine Golferin auf Tour-Niveau. (Foto: Bernd Ducke/Allianz)

Golf Post: Du hast dann noch eine Weile als Profi weitergespielt. Warum hast du 2016 aufgehört?

Caroline Larsson: Ich habe gemerkt, dass ich mehr mit meinen Vorträgen arbeiten wollte. Ich habe gesehen, dass ich mit meinen Vorträgen so vielen anderen Menschen helfe. Golf macht mir Spaß, ich liebe Golf, aber die Vorträge zu halten fühlt sich bedeutender an. Ich habe seit 2011 beides parallel gemacht, aber dann kam eine Zeit, wo ich mich entscheiden musste: Will ich auf den Golfplatz oder will ich mich mit Kunden treffen? Und dann habe ich entschieden, dass meine Golfkarriere zu Ende ist, weil Golf auch nicht Teil der Paralympics ist. Das wäre für mich sonst vielleicht ein Ziel gewesen. Aber ich wollte nicht mehr auf die LET oder Ähnliches. Mir ist ein Comeback gelungen, ich bin im Golfen wieder so gut geworden, wie ich auf zwei Beinen war und das hat mir gereicht.

Golf Post: Du spielst also wieder so gut wie vor der OP?

Caroline Larsson: Ja, mein Schwung ist sogar besser als vorher. Seit ich die Prothese habe, kann ich mein Gewicht nicht mehr falsch verlagern, so wie ich es früher mit zwei Beinen getan habe. Ich schlage nur nicht mehr so weit wie damals auf zwei Beinen. Als ich aufgehört habe zu spielen, waren meine Drives 200 Meter lang, vorher waren es 230 Meter. Ich muss einfach immer einen Schläger mehr nehmen als alle anderen.

Golf Post: Du sagst, die Olympischen Spiele wären ein Ziel. Nun stehen die Chancen nicht schlecht, dass Golf 2024 Teil der Paralympics wird.

Caroline Larsson: (lacht) Ja, sechs Jahre noch!

Golf Post: Würdest du dafür wieder anfangen?

Caroline Larsson: Es wäre ein riesiger Spaß, aber ich weiß, dass ich dafür meine Vorträge auf Eis legen müsste. Das wäre also auch eine Frage, ob ich mein Leben so ändern wollen würde und zu meinem Verlobten sage: "Tschüss, wir sehen uns ins sechs Jahren, ich bin beim Training!" Das ist natürlich eine Frage, die man sich stellen muss, aber es wäre echt cool, das zu machen.

Golf Post: Deine Vorträge sind dir sehr wichtig. Hättest du früher gedacht, dass mal etwas anderes als Golf deine Zukunft sein könnte?

Caroline Larsson: Nein, aber nun habe ich das Speaking ins Herz geschlossen. Verrückt!

Vorträge waren nie das Ziel, doch sind nun die Leidenschaft

Golf Post: Worum geht es denn in deinen Vorträgen?

Caroline Larsson: Basierend auf meiner eigenen Geschichte spreche ich meistens über "Change Management" - was wir machen können, wenn wir eine große Veränderung planen. In Firmen ist es ja meistens so: Da wird eine Entscheidung getroffen und die muss man akzeptieren. Aber was kann man tun, das dir im Angesicht dieser Veränderung Kraft gibt, sodass man sich bedeutungsvoll fühlt, sich selbst und auch dem Unternehmen gegenüber? Außerdem spreche ich viel über mentale Stärke, auch Meditation. Das ist besonders für Sportler wichtig, weil diese mit Zielen und Visualisierung arbeiten.

Meine Geschichte beruht darauf, an sich selbst zu arbeiten und ein bestimmtes Bild auf die Welt zu projizieren. Viele Leute haben mir gesagt, ich würde Schmerzen haben und es sei unmöglich, ein Comeback zu schaffen. Ich habe es trotzdem geschafft. Wir alle haben diese Geschichten, die wir uns ständig selbst erzählen - wer wir sind, was wir erreichen wollen. Und abhängig davon, was man sich selbst erzählt, kann man es geschehen lassen. Aber es fängt genau damit an. Das ist die Basis.

Golf Post: Du sagst, du hast in dieser schwierigen Zeit viel Kraft aus dir selbst gezogen. Wer hat dir sonst noch geholfen, sie zu überstehen?

Caroline Larsson: Ich habe damals gemerkt, wer wirklich für mich da sein kann und für wen das zu schwierig war. Meine Freunde und meine Familie haben gesagt: Wir sitzen alle im selben Boot und wir stehen das zusammen durch. Wir waren zusammen traurig, wir hatten zusammen Angst und wir waren zusammen glücklich. Wir sind offen miteinander umgegangen und damit haben wir einander geholfen.

Golf Post: Mittlerweile hast du auch geschäftlich gute Partner gefunden. Wie kam es dazu?

Caroline Larsson: Ich habe mit meinem Verlobten eine Zeit lang in Heidelberg gelebt und war dort im Golf Club St. Leon-Rot, mit dem ich eine gute Beziehung aufgebaut habe. Sie wollten mich dann gerne beim Solheim Cup dabeihaben. Dort ist dann die Allianz auf mich zugekommen und wir haben beschlossen, gemeinsam etwas zu starten. Ich stehe dafür ein, die eigenen Träume zu verfolgen und die Allianz versucht anderen zu vermitteln, an sich selbst zu glauben und innovativ zu sein, also passt das wirklich gut. Im Golf-Segment wollte die Allianz verschiedene Events veranstalten, bei denen sie meine Geschichte als Metapher für ihre Botschaft vorstellen wollten. So hat es angefangen und auf diese Weise profitieren wir voneinander.

Golf Post: Welchen großen Traum hast du zuletzt verfolgt?

Caroline Larsson: Vor ein paar Jahren hatte ich den Traum, Partnerin einer Schule in Südafrika zu werden, die in einer Gegend liegt, in der HIV weit verbreitet ist. Ich habe auf einem Event meine Geschichte erzählt und von all den schönen Dingen und Möglichkeiten, die wir im Leben haben und dass ich gern unterstützen würde, Kindern genau das zu vermitteln. Mit "Star for Life" habe ich dafür eine Organisation gefunden. Inzwischen unterstütze ich seit drei Jahren die Bildung von 400 Kindern. Das Geld dafür habe ich innerhalb eines Abends gesammelt.

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Caroline Larsson mit Golf Post Redakteur Tobias Hennig

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