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Inner Game Golf: Von der Fähigkeit, sich selbst zu helfen

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22. Okt 2015
Das Golftraining mal anders betrachten - darum geht es im Buch "Inner Game Golf" von Tim Gellway. (Foto: Getty)
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Im Golftrainingsratgeber „Inner Game Golf“ geht es um Golftechnik einerseits, aber vor allem darum, wie man sich davon frei macht.

Sie gehören sicherlich auch zu dem Gross an Golfern, das sich viele Gedanken darum macht, wie es seine Technik verbessern kann. „Handgelenk gerade!“ ist eine beliebte Anweisung an sich selbst, „Kopf still!“ wird auch gerne genommen, „Augen auf den Ball!“, „Lass den Arm gerade!“, „Locker Schwingen!“ – damit könnte man Seiten füllen. Jeder kennt es, jeder tut es. Was sich aber die Wenigsten fragen: „Zu wem spreche ich?“ Und: „Wer spricht da eigentlich?“ Gestatten … ihr Selbst 1.

IGG 6 3dDas Konzept und Buch „Inner Game Golf“ wagt einen Blick in ihre Psyche und stellt Ihnen Ihre zwei golferischen Persönlichkeiten vor: Das Selbst 1, das alles über Golf weiß, und das Selbst 2, das Golf spielt. Dieser Dualismus ist das Fundament, auf dem das Konzept des Selbst-Coachings von Inner Game Golf basiert. Es geht darum, das Selbst 1 – das Analyseinstrument, den scharfen Kritiker und selbsternannten Problembewahrer („Bloß nicht ins Wasser schlagen!“) – zu überlisten, damit Selbst 2 seinen Job machen kann. Oder wie es in dem Buch heißt: Natürliches Lernen wird nur dann möglich, wenn man die inneren Hindernisse überwindet, den Zweifel, die Angst, die mangelnde Konzentration.


Keyfacts zu Inner Game Golf

  • 12 Kapitel mit einfachen, praktischen Übungen und Denkansätzen zur direkten Umsetzung auf der Driving Range und auf dem Platz
  • Antworten auf die Fragen: Wie wichtig ist die mentale Verfassung beim Golfspiel? Wie schaffe ich es, mir meiner Gedanken bewusst zu werden? Warum bringt mich das weiter? Was kann ich tun, um Frustrationen vorzubeugen und dadurch mein Spiel zu verbessern?
  • Nützliche Übungen, die gesammelt am Ende aufgelistet sind, viele praxisnahe und anschauliche Beispiele aus der langjährigen Erfahrung des Autors

Inner Game Golf krempelt das Innere nach außen

Der Einstieg macht den passionierten Golfer zunächst skeptisch – das Konzept des Inner Game überträgt der Autor Tim Gallwey aus seiner großen Erfahrung beim Tennis und Skifahren. Zugegeben, es gibt einige Parallelen zwischen diesen Sportarten, aber lässt sich eine Coaching-Idee so einfach transferieren? Der Clou ist, dass es bei diesem Ansatz nicht in erster Linie um die Sportart geht, sondern um Sie, und wie Sie mit Ihrem Spiel umgehen. Daher bietet es auch Möglichkeiten, spezielle Aspekte in das tägliche Leben zu integrieren, wenn man denn möchte.

Durch viele praxisnahe Erfahrungen vermittelt der Autor authentisch, wie er seine Idee entwickelt, umgesetzt und an sich selbst ausprobiert hat. Der oftmals dialogische Erzählstil lässt die an sich recht trockenen, psychologischen Überlegungen sehr anschaulich wirken und vermittelt die Grundgedanken anhand vieler Beispiele.

Technik wird überbewertet und hemmt

Im Grunde folgt das Buch einem zweigliedrigen Aufbau: In der ersten Hälfte stehen die psychologischen Grundgedanken im Vordergrund. Der Leser erfährt, worum es beim Inner Game geht, wie groß der Einfluss der mentalen Komponente auf das Spiel ist und welchen Prinzipien der Autor mit seinem Ansatz folgt, drapiert mit ersten Praxisempfehlungen wie „Hinten, Unten, Oben“ oder „Da, da, da, da“.

Im zweiten Teil geht es dann konkret um die unterschiedlichen Bereiche des Spiels durch die „Inner-Game“-Brille: Etwa das kurze Spiel von innen heraus, der volle Schwung von innen heraus oder die entspannte Konzentration. Die Stoßrichtung des Buches ist, sich vom dominanten Technik-Denken zu lösen und Wege zu lernen, die destruktiven Züge seine Verhaltens zu bezwingen und sich selbst zu vertrauen. Es braucht eine gewisse Offenheit, um sich auf die Gedanken und Techniken, die der Autor gebraucht, einzulassen. Manches wirkt zunächst sehr befremdlich. Wer aber den mentalen Wegen folgt, die Inner Game Golf einschlägt, wird überrascht sein, wie einfach es manchmal sein kann, Spaß mit der kleinen weißen Kugel zu haben.

Die Kapitel in Kurzfassung:

  1. „Die innere und äußere Herausforderung“ – Golf ist das einzige Spiel, über das ich keine Gewalt habe
  2. „Unter 90 mit Hinten, Unten, Oben“ – Über die zwei Persönlichkeiten beim Golf: Es gilt das Selbst 2 machen zu lassen, ohne dass das Selbst 1 es (negativ) beeinflusst. Erste Tipps: Hinten, Unten, Oben und Da, Da, Da, Da
  3. „Verkrampfung: Der häufigste Grund für Fehler“ Was zum Beispiel Summen über ihren Schwung sagt und warum der Zweifel der Anfang vom Ende ist
  4. „Selbstzweifel bezwingen“ – Den Zweifel mit seinen eigenen Waffen schlagen
  5. „So wird man aufmerksam“ – Was bei unseren Lernmethoden bisher immer schief gelaufen ist und was wir daraus lernen können, Unterricht ohne „Tu dies, tu jenes“
  6. „Die Entdeckung der Technik“ – Technische Anweisungen so übersetzen, dass man sie auch umsetzen kann: Fünf Methoden des natürlichen Lernens
  7. „Das kurze Spiel: Putten und Chippen von innen heraus“ – Ab diesem Kapitel geht es um die Umsetzung der bisher erlangten Erkenntnisse, konkret: So geht Selbst-Coaching
  8. „Der Schwung von innen heraus“ – Von der Selbstentwicklung der Technik für den vollen Schwung
  9. „Von Hochs und Tiefs und falschen Erwartungen: unter 80 spielen“ – Die Geschichte von einem Mann, der nicht wusste was Par bedeutet, und es einfach gespielt hat: Erwartungen, Ungewissheiten und die Fähigkeit, einfach zu aktzeptieren
  10. „Entspannte Konzentration: das Merkmal der Meister“ – Erklärt anhand des Aktionsdreiecks aus Verlangen, Vertrauen und Aufmerksamkeit
  11. „Spielen Sie Ihr Spiel!“ – Golf und Stress, wer hat das eigentlich zusammengebracht? Die Zerstörung der Golfillusion, dass der Score das Wichtigste am Golf ist
  12. „Jenseits aller Formeln“ – Ein guter Grund, bis ans Ende seiner Tage Golf zu spielen


Was bleibt, wenn Golf der Beruf ist? Die Hobbys der Golfstars

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Karsten Gosse

    Hab’s bereits vor Jahren gelesen. Es ist wie mit allen Büchern: Es gibt sehr gute Ansätze, die zum Umdenken führen und tatsächlich helfen, das eine oder andere besser zu machen. Aber dann kommt’s: Man muss es auf der Runde bei jedem Schlag immer wieder selbst abrufen. Das ist das alte Problem beim Golf – finde ich. Und da beißt sich auch dieses Buch zumindest an mir die Zähne aus. – Oder das tolle Buch von Lynn Marriot und Pia Nilsson“Every shot must have a purpose“ (auch toll und sehr lesenswert und noch nicht auf Deutsch). Oliver Heulers Klassiker (Jenseits des Scores) bleibt aber vorerst mein Favorit, weil es ihm gelungen ist mein (und unser aller Problem – glaube ich) für mein Golfhirn am besten verständlich zu vermitteln. Nach dem Lesen spielte ich mich damals in einem Turnier von Stvg 15,7 auf 13,0 (kein Schoner mit über 25 Turnieren bis dahin) und danach nochmals 0,5 runter. (Mein Sohn – auch kein Schoner – und ich haben das gemeinsam gelesen und umgesetzt: Er spielte sich von -16 auf drei aufeinanderfolgenden Turniertagen Ende August 2014 auf -11,0). Heulers bottom line konnte ich mir wenigstens behalten, was zu gutem Golf führt: „Erwartungsloses Bemühen!“ Aber auch das muss man wieder und wieder abrufen. Da gibt es dann Runden, in denen es ab und zu gelingt und dann passt auch der Score (für meine Verhältnisse). – Fazit: Alles lesen und aus allem lernen, Heulers Buch ganz oben auf den Stapel. „Prüfet alles, das Gute behaltet!“ – füge ich als Sportpastor noch an 😉

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