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Hickory: Die Romantik im Golf wiederentdecken

Perry Somers teilt seine Leidenschaft für alte Golfschläger mit großen Namen wie Sandy Lyle. Im Golf Post Interview erzählt er von der Rückkehr zu den Wurzeln und wie Hickory dem Schwung hilft.

In der Zeit zurückversetzt: Perry Somers in Knickerbockern und Schiebermütze, eben mit allem, was zum Hickory dazu gehört. (Foto: Perry Somers)
In der Zeit zurückversetzt: Perry Somers in Knickerbockern und Schiebermütze, eben mit allem, was zum Hickory dazu gehört. (Foto: Perry Somers)

Vermeintlich alle drei Monate gibt es eine Revolution im Golf-Equipment, so wollen es die Hersteller verkaufen. Dass es nicht immer das Neuste vom Neusten sein muss, zeigt eine Gegenbewegung im Golfsport: Hickorygolf. High-Tech-Equipment wird durch 80 Jahre alte Holzschläger ersetzt und zusammen mit Kleidung im Stil der 20er Jahre wird eine einzigartige Atmosphäre geschaffen.

Doch die Faszination am Spiel mit den alten Schlägern ist nicht nur rein sentimental. Die Schläger bieten routinierten Spielern neue Herausforderungen und können sogar helfen, die Schwungtechnik zu verbessern.

Perry Somers: Hickorygolfer aus Leidenschaft

Perry Somers eifert seinen Helden nach. (Foto: Perry Somers)

Perry Somers eifert seinen Helden nach. (Foto: Perry Somers)

Der australische Profi und mehrfache Hickorychampion Perry Somers zieht die Hickoryschläger eindeutig den modernen Schlägern vor. „Es gibt lauter kleine Dinge, die einfach schön am Hickorygolf sind. Das Geräusch des Schlägers zum Beispiel. Dieses „Whoosh“, das der Holzschaft macht, wenn man ihn durch die Luft schwingt, das macht ein Stahlschaft nicht. Der Klang des Balls auf dem Holzkopf ist völlig anders als auf dem Metallkopf. Und es spielt sich viel schneller und angenehmer mit dieser kleinen Ledertasche über der Schulter.“

Somers ist besonders von der Verbindung zur Geschichte fasziniert. "Ich interessiere mich sehr für ehemalige Champions wie Bobby Jones. Diese großen Namen, die ich als Helden betrachte, haben unwahrscheinlich gut Golf gespielt mit diesen Schlägern und den Bällen von damals, auf Plätzen, die nicht annähernd so gepflegt waren wie heute.“



Früher war alles einfacher

Es ist die Einfachheit, die Perry Somers im Vergleich zu vergangenen Zeiten vermisst. Golf sei zum Geschäft geworden und das verderbe den Spaß. „Die Romantik des Golfs ist verloren gegangen. Es war schöner zu den Zeiten von Bobby Jones und Harry Vardon. Die sind zum Golfplatz gefahren, ohne sich lange warmzuschlagen und haben nur ein paar Schwünge am ersten Abschlag gemacht. Sie spielten die Runde in drei Stunden oder weniger. Es hing nicht so viel von diesem Spiel ab, die Preisgelder waren nicht so hoch, aber darum spielte man auch nicht. Man spielte um des Sportes Willen und das hat sich enorm geändert, nicht nur im Golf. Mit Hickorygolf kann man zurück zu diesen ursprünglichen Zeiten, zumindest für einen Tag. Das tut gut.“

Das richtige Outfit gehört für Somers natürlich ebenso dazu. „Die Damen in langen Röcken und die Herren in Knickerbocker und Krawatte, teilweise Sakko, das sieht unwahrscheinlich schön aus. Vor allem, wenn man über den Platz guckt und wir als einzige spielen. “

Die außergewöhnliche Atmosphäre beeindrucke sogar Nicht-Golfer. „Wir spielen ein Turnier in Holland auf einem privaten Platz", erzählt Somers. "Der Besitzer hat kein Interesse am Golf, sein Großvater baute den Platz 1925. Wir durften den Platz spielen und er hat uns gesehen, unsere Leidenschaft für Geschichte und wie wir angezogen waren und er war so begeistert davon, dass dort jetzt jedes Jahr die Dutch International Hickory Open ausgetragen wird.“



Die Schläger im Test - Alt gegen Neu

Die Schläger, mit denen Somers, wie viele Hickoryspieler, spielt, stammen von vor 1935. Es braucht kein hochmodernes Material um gute Spielgeräte zu bauen. Die Schäfte aus Holz sind zwar zerbrechlicher als die modernen Schläger, aber das bedeutet nicht, dass sie schlechter sind.

Perry Somers (l.) erklärt mit Christoph Meister die Geschichte des Golfballs. (Foto: Perry Somers)

Perry Somers (l.) erklärt mit Christoph Meister die Geschichte des Golfballs. (Foto: Perry Somers)

Christoph Meister, Captain der German Hickory Society, hat den Test gemacht. „Wir waren bei TaylorMade im Center of Excellence und haben einen Vergleichstest gemacht: Hickoryschläger gegen moderne Schläger. Bei Pros wie Perry Somers, da sind die Unterschiede relativ gering. Mit höherem Handicap werden die Weitenunterschiede dann größer.“ Ungefähr zehn Prozent weniger Weite erreichen die Hickoryschläger, vorausgesetzt, man trifft den Ball richtig.

Die Schwierigkeit, aber auch das Interessante an den Schlägern ist der kleinere „Sweet Spot“, der eine exakte Technik erfordert. „Die modernen Schläger verzeihen erheblich mehr, als die alten Schläger“, erklärt Perry Somers. „Die sind so gebaut worden, um dem mittelmäßigen bis schlechten Golfer mehr Spaß zu vermitteln. Ein Hickoryschläger gibt viel mehr Feedback und man lernt schnell, besser zu schwingen." Hin und wieder gäbe er seinen Schülern einen Hickoryschläger, damit sie den Unterschied erkennen, Feedback bekämen und ihre Technik verbesserten. "Hickoryschläger sind zwar schwerer, aber letztendlich schöner zu spielen.“





Die Qual der Wahl entfällt

Zur Auswahl hat ein Hickoryspieler nur sieben Schläger. Aber die geringere Schlägerzahl sei tatsächlich ein Vorteil des Hickorys, findet Somers. „Die Entscheidungen sind einfacher zu treffen. Man steht nicht mit Messgeräten da und überlegt eine halbe Stunde, nur um den Ball dann doch 20 Meter über das Fairway zu toppen. Man probiert es einfach."

"Mit 14 Schlägern hat man die Qual der Wahl. Viele Leute würden gerne 20 oder 25 Schläger mitnehmen, wenn sie dürften. Aber mit sieben ist es klar: es ist entweder der eine oder der andere." Wenn man sich für einen Schläger entschieden hat, komme es besonders auf die Technik an. Das sei eine schöne Herausforderung und zeige das jeweilige Können. "Für mich ist es ein besonderer Reiz, den Ball mit einem Schläger an die Fahne zu bringen, der eigentlich nicht ideal gewesen wäre.“

Hickory: Eine neue Herausforderung

Die vielen Herausforderungen, die Hickory bietet, können zudem neue Anreize im Spiel schaffen. „Hickory ist besonders interessant für Golfer, die schon 20 Jahre oder länger Golf spielen, und ein wenig gelangweilt sind und einfach mal was anderes ausprobieren wollen“, meint Christoph Meister.

Trotz der größer werdenden Anerkennung, die der Sport bekommt, glauben Meister und Somers nicht, dass Hickory je die Massen ansprechen wird. Schlimm findet Somers das nicht. „Es ist eine intime Gruppe von Leuten, die Spaß an der Geschichte des Golfsports haben und sie pflegen wollen.“ Es sei der gleiche Kern, der sich immer wieder bei Turnieren und Hickorytagen träfe, man kenne sich. Nachwuchs gäbe es trotzdem. Solche Events ziehen jedes Mal ein paar Zuschauer an, manchmal werden auch alte Schlägersätze verliehen. „Es gibt immer ein paar, die es packt“, weiß Perry Somers.

Dazu gehört auch Sandy Lyle. Der zweifache Majorsieger gewann 2016 die World Hickory Open in Carnoustie zum zweiten Mal, ein Turnier, bei dem auch Somers schon siegreich war. "Ich habe mein viertes Major gewonnen", sagte Lyle über den Sieg und drückt so seine Wertschätzung über diese Tradition aus. "Ich habe mich da draußen wie einer der alten Golfer gefühlt."

Wen das Interesse ebenfalls gepackt hat, der findet weitere Informationen sowie die Termine für die nächsten Hickory Turniere bei der German Hickory Society.

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