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Im Portrait: Das Auf und Ab des Henrik Stenson

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25. Nov 2014
Henrik Stenson hat auch 2014 seine Erfolgsserie fortgesetzt. Doch ein Blick auf seine Geschichte mahnt zur Vorsicht. (Foto: Getty)
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Henrik Stenson hat aktuell seinen Titel in Dubai verteidigt. Doch der Schwede weiß nur zu gut, dass jede Medaille zwei Seiten hat.

Auch 2014 war Henrik Stenson wieder sehr erfolgreich, wenngleich er bis zum wirklich allerletzten Turnier auf einen Sieg warten musste. Bei der World Tour Championship klappte es dann endlich und er verteidigte seinen Titel aus dem Vorjahr. Im September hatte er bei seiner dritten Ryder-Cup-Teilnahme zum zweiten Mal mit dem europäischen Team gewonnen und drei von vier Duellen für sich entschieden. Kurz darauf bekam seine Frau Anne das dritte gemeinsame Kind. Stenson ist also wieder einmal oben angekommen. Doch der Skandinavier weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt, ganz unten zu sein.

Vom Aufstieg und Abstieg eines Tourneulings

Nach dem ersten Sieg auf der European Tour im Mai 2001 folgten zum ersten Mal harte Zeiten. Er traf keinen Abschlag mehr, verzog Drives teilweise um 70 Meter und hatte ernsthaft Angst, er könne Menschen mit seinen unkontrollierten Schlägen verletzen. Darunter litten nicht nur er selbst und sein Spiel, auch sein Equipment zerlegte Henrik in dieser schweren Phase regelmäßig. Aus diesem Loch herauszukommen, bezeichnet er bis heute als einen seiner größten Erfolge.


Henrik Stenson mit seinem Landsmann Robert Karlsson nach dem Ryder Cup 2006. (Foto: Getty)

Henrik Stenson mit seinem Landsmann Robert Karlsson nach dem Ryder Cup 2006. (Foto: Getty)

Die Jahre 2002 und 2003 waren mager für den Schweden, der mittlerweile in den späten Zwanzigern angekommmen war. Doch spätestens mit seinem Sieg bei The Heritage 2004 meldete er sich zurück. Im Jahr darauf gelang ihm zwar kein Sieg, doch insgesamt sieben Podiumsplätze machten die Saison 2005 erfolgreich. Die Turniersiege drei und vier gelangen in seiner siebenten Profisaison. Gekrönt wurden sie mit dem Gewinn des 36. Ryder Cups, bei dem Henrik Stenson gleich bei seiner ersten Teilnahme den Putt zum Sieg beisteuerte.

Auch privat stellte sich nach der Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Emma im Dezember 2006 und der Geburt der ersten Tochter, Lisa, im Juli 2007 das Glück ein. Im Februar des selben Jahres hatte er bereits sein erstes WGC-Event gewonnen und zum ersten Mal mehr als eine Million US-Dollar auf einen Schlag verdient. Der Sieg bei der Dubai Dessert Classic schien dagegen vergleichsweise „normal“.

Henrik Stenson nach dem Gewinn der Players Championship 2009. (Foto: Getty)

Henrik Stenson nach dem Gewinn der Players Championship 2009. (Foto: Getty)

Henrik Stenson verliert Millionen

Was 2009 folgte, war hingegen alles andere als normal. Als sich der Anlagebetrüger Allen Stanford im Juni der Polizei stellte, kam heraus, dass auch Henrik ihm auf den Leim gegangen war. Er hatte 2008 einen Werbevertrag mit der Firma Stanfords unterschrieben und ihm einen siebenstelligen Geldbetrag zur Anlage anvertraut. Das Ereignis machte Schlagzeilen weit über die Golfwelt hinaus. Der Betrüger wurde zu 110 Jahren Haft verurteilt.

Der Schwede ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und verarbeitete den Schock schnell und professionell, zog sogar hilfreiche Lehren für sein Golfspiel aus der Sache, die ihm viel über die Kalkulierbarkeit von Risiken beigebracht habe. Mit der Players Championship fuhr er nur wenige Monate nach dem finanziellen Verlust den größten Sieg seiner Karriere abseits des Ryder Cups ein.

Der legendäre Strip beim WGC

Unvergessen wird auch sein Striptease bleiben, den er bei der WGC Cadillac Championship 2009 hinlegte. Auf der dritten Bahn, seinem zwölften Loch an diesem Tag, schlug er seinen Ball ins Wasserhindernis. Da er einen Drop aus dem Rough unter Bäumen hätte schlagen müssen, entschied sich Henrik dazu, den Ball aus dem Wasser zu schlagen. Die weiße Hose wollte der reinliche Schwede nicht beschmutzen, das helle Shirt auch nicht. Es blieb ihm nichts übrig, als sich bis auf die Unterhose auszuziehen. Es lohnte sich – Henrik rettete zumindest das Bogey.

Täglich grüßt das Murmeltier: Neues Tief – neues Hoch

Sportlich durchschritt Stenson, der im März 2010 zum zweiten Mal Vater wurde, in den beiden folgenden Jahren ein erneutes Tal, wenngleich es nicht so tief hinab ging wie eine Dekade zuvor. Erst 2012 gewann er wieder auf der European Tour. Es sollte der Startschuss werden hin zu einem traumhaften Jahr 2013, in dem er fast 20 Millionen US-Dollar Preisgeld einstrich. Drei Siege, darunter der beim FedExCup-Saisonfinale, und sieben Top-Ten-Ergebnisse ließen ihn bis auf den zweiten Platz der Weltrangliste klettern – die höchste Position, die je ein Schwede erreicht hatte. Dazu wurde er als Europas Golfer des Jahres geehrt und erreichte bei der Open Championship mit Platz 2 sein bestes Majorergebnis.

Der selbsternannte schwedische Lausbub

Henrik Stenson im Alter von 22 Jahren. (Foto: Getty)

Henrik Stenson im Alter von 22 Jahren. (Foto: Getty)

Dabei war der junge Henrik in jungen Jahren eher zufällig zum Golf gekommen. Mit einem Freund aus der Nachbarschaft ging er im Alter von Zehn zum ersten Mal auf den Golfplatz. Die erste Runde spielte Henrik mit zwölf Jahren und schnell erkannten die Trainer im örtlichen Gullbringa Golf Club sein Talent. Über die Bezirksauswahl und Siege auf Jugendturnierserien fand er Anfang des Jahres 1994 seinen Weg ins schwedische Jugendnationalteam. Dort stand Golf nicht immer an erster Stelle, gab Stenson einmal zu, der sich bis heute selbst als „Lausbub“ bezeichnet.

„Henrik wirkt auf dem Platz oft eiskalt, ist aber einer der witzigsten Spieler auf der Tour mit einem sehr feinen Humor“, versicherte auch Martin Kaymer vor dem diesjährigen Ryder Cup gegenüber „Spox.de“. Man kann ihm nur wünschen, das nicht schon bald wieder das nächste Tal folgt. Für die kommende Saison hat er sich hehre Ziele gesteckt. Auf die Frage, ob er lieber Nummer eins der Welt oder Major-Sieger wäre, antwortete er: „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich das Major nehmen. Ich werde alles versuchen, um gut in Form zu sein.“

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Tobias Hennig

Tobias Hennig - Redakteur

Tobias kam im Sommer 2014, während seines Studiums der Germanistik und Politik, als Werkstudent zu Golf Post. Zunächst machte er sich nur die Theorie des Golfsports zu eigen, nun versucht der vielseitig sportbegeisterte Wahl-Kölner, zum teaminternen Handicap-Durchschnitt aufzuschließen. Seit April 2016 erheitern der Redakteur und seine Hündin Mali die Kollegen täglich.
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