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Golfzwerg Liechtenstein: Ein Golfverband ohne Platz

12. Jun 2015
Ein Golfplatz in Liechtenstein? Noch nicht in Sicht. Der örtliche Golfverband hat aber eine Alternative gefunden. (Foto: Getty)
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Liechtenstein hat einen Golfverband – und das ganz ohne eine eigene Anlage. Wie der junge Golfzwerg das anstellt.

Carlo Rampone hat auf den Golfplätzen dieser Welt schon einiges erlebt. Der 58-jährige Unternehmer gehörte lange dem Nationalkader des Schweizer Golfverbands an und vertrat die Eidgenossen sogar bei Europa- und Weltmeisterschaften. Die Liste der Erfolge ist lang. Seit Anfang 2009 bastelt er an einem weiteren Erfolg: Rampone ist Präsident des Liechtensteiner Golfverbands. Einem Verband, der nicht einmal einen eigenen Golfplatz hat. Das dürfte einmalig sein. Doch die Golfzwerge aus dem Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz wachsen und wachsen.

Ein Club, aber kein Platz

Die Idee, die dem jungen Verband zugrunde liegt, ist aber deutlich älter. Vor genau 50 Jahren initiierte Professor Heinrich Harrer, ein Forscher, eine Versammlung, um einen Golfclub samt Golfplatz ins Leben zu rufen. Ein Jahr später wurde tatsächlich der „Golf & Country Club im Fürstentum Liechtenstein“ im Handelsregister eingetragen. Auf die dazugehörige Anlage warten die Golfer des Landes aber noch heute. Was war passiert? Zwischen den beiden Orten Triesen und Balzers hätte der Platz entstehen sollen.


Der britische Golfplatzarchitekt Donald L. Harradine war bereits engagiert worden. Doch erstens waren die Kosten der von ihm geplanten Anlage in Höhe von 450.000 Schweizer Franken einigen Beteiligten zu hoch, zweitens hätten nicht weniger als 191 Landbesitzer ihr Einverständnis erklären müssen. So erhielten die Macher vom Sportbeirat des Fürstentums eine Absage. Das Projekt sei überdimensioniert und gehe über die sportlichen Bedürfnisse Liechtensteins hinaus. Ein Rückschlag für Harrer und dessen Mitstreiter. Ein so herber Dämpfer, dass erst 38 Jahre später wieder Leben in die Sache kam.

Aus dem Club wird ein Verband

Im Jahr 2004 wurde der Golf & Country Club quasi wiederbelebt. Aus dem Verein wurde ein Landesverband, der GVL, vier Jahre später spielten dessen Mitglieder die erste nationale Meisterschaft aus. Im Jahr 2009 übernahm dann Rampone als Präsident das Ruder. Einen eigenen Platz hatten die Liechtensteiner noch immer nicht. Und so wurde kurzerhand eine Kooperation mit dem Golfclub Gams-Werdenberg geschlossen. Die Anlage unweit der Grenze zur Schweiz ist seitdem offizieller Heimatplatz des GVL. Ein Glücksgriff. Denn um als Mitglied im Europäischen Golfverband aufgenommen zu werden, muss eine Nation mindestens einen 9-Loch-Platz auf Staatsgebiet vorweisen. Die Liechtensteiner umgingen dank der Kooperation diese Auflage – und sind mittlerweile nicht nur ordentliches Mitglieder des europäischen Verbands, sondern seit Kurzem auch der International Golf Federation.

Keine Wildcard für Liechtenstein

Sogar einen Nationalkader können die Liechtensteinschen Golfzwerge vorweisen. (Foto: Golfverband Liechtenstein)

Sogar einen Nationalkader können die Liechtensteinschen Golfzwerge vorweisen. (Foto: Golfverband Liechtenstein)

Das scheint den Werdegang des kleinen Verbands weiter voranzutreiben. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Mitglieder auf mittlerweile über 600 gewachsen, es gibt einen Nationalkader und in der Gemeinde Schaan zumindest eine kleine Driving-Range. Wer seine Runden drehen will, fährt freilich noch immer zu den Nachbarn. Entweder nach Bad Ragaz, Gams oder ins österreichische Vorarlberg.

Den ersten großen Auftritt hatte der Nationalkader Anfang Juni bei den Kleinstaatenspielen in Island. Es war eine durchwachsene Premiere. Doch damit kann man beim GVL leben. Härter trifft die Liechtensteiner da schon, dass der Traum von Olympia geplatzt ist. Lange haben sie gehofft, eine Wildcard für einen ihrer Golfer beantragen zu können. Doch dagegen sprechen die Qualifikationskriterien des Internationalen Olympischen Komitees und der International Golf Federation. Eine Wildcard gibt es demnach nämlich nur für Gastgeber Brasilien. Alle anderen Starter müssen sich über eine Rangliste für Rio 2016 qualifizieren. Und diese wird nur bei den wichtigsten Turnieren der Tour geführt. Da sind die Golfer aus dem Fürstentum aber nicht dabei. Noch nicht.

Stephan Schoettl

Stephan Schoettl - Freier Autor für Golf Post

Den Sport- und Touristikmanager hat es nach einer Zwischenstation beim Radio als Redakteur zu den Printmedien verschlagen. Er ist im Allgäu daheim und dreht dort auch am liebsten seine Runden. Er schlägt die Golfbälle aber nicht nur gerne, sondern freut sich auch über besondere Exemplare für seine Sammlung. Sie finden Stephan Schöttl auch unter Google+
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