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Golf, der Anfängerschreck: Was Nicht-Golfer abschreckt

Platzreife, hohe Kosten, strenge Etikette. Die ersten Schritte in Richtung Clubhaus aus Sicht eines Neulings.

John Daly
Bunte Vögel wie John Daly verbessern nicht unbedingt das Image des Golfsports. (Foto: Getty)

Mein erster Besuch auf dem Golfplatz fand mit dem Fahrrad statt. Es dauerte gefühlt ewig, bis ich endlich am Club ankam, ziemlich verschwitzt schon vor meinem ersten Abschlag. Ich war heilfroh, als ich irgendwo zwischen den vielen Geländewagen ganz versteckt am Ende vom Parkplatz tatsächlich einen Fahrradständer entdeckte und dort mein schäbiges Uni-Fahrrad neben den auf Hochglanz polierten Gefährten ankettete. Auf dem Weg durch die Reihen der Autos zur Rezeption war ich kurz versucht wieder umzudrehen; der Anblick der vielen Sterne und Ringe auf den Motorhauben hatte meine Vorurteile bestätigt. Warum sollte ich eigentlich Golf lernen, ich gehöre hier doch gar nicht her?

Nachwuchssorgen und alte Golfer

Der Golfsport hat Nachwuchssorgen. Zu wenige junge Menschen möchten Golf lernen. Im letzten Jahr legte die Zahl der 21- bis 26-Jährigen nur um rund 1,4 Prozent zu, was in absoluten Zahlen 287 sind (DGV-Statistik). Die meisten Teenager, die auf dem Platz stehen, wurden durch einen Verwandten an den kleinen weißen Ball herangeführt. Einfach mal so, ohne irgendeine "Mitfahrgelegenheit" zu diesem Sport (im wahrsten Sinne des Wortes), traut sich nur schwerlich einer vor dem Rentenalter auf den Platz. Golf gilt noch immer bei den meisten Menschen als elitärer Sport der alten Männer. Die Vorurteile sind schon hartes Kaliber für jemanden, der nur überlegt, den Schläger in die Hand zu nehmen.

Begeisterte Golfer arbeiten daran, diesen Sport endlich zu einen Breitensport zu machen. Viel Erfolg hatten sie bisher allerdings nicht. Wenn man im Freundeskreis von seinem Hobby erzählt, erntet man verständnislose bis abschätzige Blicke. Mit auf die Driving Range will von denen keiner. Gut die Hälfte aller Golfer ist über 50 Jahre alt, sie bestätigen damit das Vorurteil des Altherrensports. Dass Golf sportlich wirklich anspruchsvoll ist, glaubt dagegen kaum einer. Auch ich war am Anfang ziemlich entsetzt, dass ich nach ein paar Abschlägen Muskelkater hatte. Von Golf - unglaublich.

Golfsport macht es Anfängern schwer

Dazu kommt, dass es Anfängern oft ziemlich schwer gemacht wird, den Sport einfach mal auszuprobieren. Plätze ohne Platzreife zu spielen, um Interessierte einfach mal mit Freunden ungezwungen auf eine erste Runde einzuladen - wo geht das schon? In anderen Ländern, den USA zum Beispiel, ist aber genau das für viele der erste Schritt in den Golfsport. In Deutschland stellt die Platzreife eine ziemlich teure Hürde dar - vor allem für junge Menschen, Studenten, deren Eltern nicht mal eben die Kosten übernehmen. Der Preis für die Platzreife liegt zwischen knapp 200 und gut 600 Euro, je nach dem wo der Club liegt und wie exklusiv es sein soll.

Zwischen solchen Autos findet sich nur selten ein Fahrradständer. (Foto: Getty)



Dazu kommen die Mitgliedsbeiträge und Kosten für die Ausrüstung. Klar, es gibt günstige Tarife für junge Menschen, ein Schlägerset kann man auch mal gebraucht kaufen. Aber es läppert sich. Zumal viele eben nicht nur ein Hobby haben. Hat man sich dann zum Platzreifekurs angemeldet und erfolgreich über den Parkplatz gekämpft, begrüßen einen im Clubhaus Polohemden, feine Stoffhosen und teure Sonnenbrillen. Die beste Jeans des Golfanfängers erntet dagegen tadelnde Blicke der betuchten Clubmitglieder. Oh weh, ein Fauxpas gleich am ersten Tag. Die ganzen Regeln der Etikette auf dem Platz wirken nicht gerade einladend.

Mit Angst auf die Runde

Teure Markenseife auf den Toiletten, dicke Tischtücher und sogar die Bratwurst auf großen Tellern mit schwerem Besteck - eine lockere Atmosphäre sieht anders aus. Als wäre das noch nicht genug kann es Anfängern auch schnell passieren, dass sie in Flights mit erfahrenen Spielern landen, die sie nicht kennen. Was tun, wenn die wenig Geduld mit den Fehlschlägen haben? Oder man hält den folgenden Flight auf, weil man so langsam ist, so viele Schläge machen muss, das Bag an die falsche Stelle stellt und für alles genervte Blicke der anderen Sportler erntet.

Geht auf Studenten zu

Golf hat ein heftiges Image-Problem, noch erfüllt der Sport viele der gängigen Klischees. Tendenziell tummeln sich in den Clubhäusern gutsituierte Ältere. Vielen potentiellen Anfängern fällt der erste Schritt ins Clubhaus schwer, schon allein weil diese ohne Auto oft nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind. Einfach mal ungezwungen ausprobieren, ohne gleich in Verkaufsgespräche für einen Platzreifekurs verwickelt zu werden, das wäre schön, geht außerdem bisher kaum.



Die Golfclubs geben sich daneben zu wenig Mühe, junge Menschen außerhalb der Golfwelt zu erreichen. Nur wenige Unis bieten Golf als Hochschulsport an und Aktionen der Plätze in Unistädten werden zu wenig kommuniziert. Die hohen Kosten und eine strenge Etikette sind für den Anfänger eine Hürde, die nicht viele nehmen. Eine offene Kultur ohne den Anspruch der Exklusivität täte dem Sport gut. Ich will mich mit meinem klapprigen Fahrrad auf dem Golfplatz willkommen fühlen.

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3 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Ganz so schlimm ist es dann Gott sei Dank auch nicht.
    Wie wir zum Golf gekommen sind
    Wir haben am Anfang im Entspannungsurlaub mal Golfkurse belegt um etwas sportlich zu sein und es ein Super Angebot im Hotel gegeben hat. Wir merkten dann, dass es anstrengender ist als gedacht und Spaß macht. Zuhause wollten wir eigentlich nicht Golfen da gewisse „Persönlichkeiten“ diesen „Elite Sport“ betrieben und wir da nicht dazu passen bzw. dazu passen möchten.
    Unsere Kinder haben dann im Ferienprogramm gegolft. Das hat Ihnen so gut gefallen das wir, auch aufgrund der kleinen Jahresbeiträge, sie zum Golftraining geschickt haben. Und so kommt das eine zum anderen und wir sind jetzt auch wir Mitglieder.
    Besonders ist bei unserem Golf-Club der PRO, welcher einen Coolnesfaktor von 10 + aufweist. (Schotte)
    Und der Club ist kein „Elite Club“. Aufnahmegebühren etc.
    Ich würde die Spezies Golfer in die „Sportgolfer“ und die „Elitegolfer“ unterteilen. Erstere machen Golf als Sport / Beschäftigung im Alter weil es eben Spaß macht. Zweitere um zu Netzwerken und zu Wichteln (An der neuesten aber dafür wenig gebrauchten Ausrüstung gut zu erkennen).
    Wir wählen zum Trainieren immer Zeiten bei denen der Golfplatz menschenleer ist. Genauso wenn wir auf den Platz gehen.
    Fazit: Es macht Spass.

    Von „gewissen“ kann man sich ganz einfach fernhalten. (Die komisch schauen wenn man nicht „Vollausgestattet“ ist und die Schläger etc. gebraucht gekauft hat.) Ich bin der Meinung, solange ich nicht weiß, was ich will / brauche kaufe ich nicht einfach irgendwas um „gut auszuschauen“.

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  2. Da spricht mir Frau Krempel wirklich aus der Seele. Ich habe letztes Jahr ebenfalls mit dem Golfsport angefangen und habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Durschnittsalter jenseit der 50, zugeknöpft bis obenhin und verächtliche Blicke wenn man dann selbst auf den Platz ist. Eine Anlage zu finden, die etwas lockerer sind und auch Jugend fördert und sich freundlich bemüht den Golfsport attraktiv für „normale“ Bürger anzubieten, ist recht schwer. Erschwert wird das ganze, wenn man noch andere Sportarten macht und eben anderes gewohnt ist. Ich komme aus dem Squashbereich, was in D leider auch eher Nischensportartcharakter hat. Dennoch sind wir im Verein bemüht Mitglieder zu bewerben, egal welchen Alters oder Berufstandes. Da gibt es Anfänger- und Hobbytrainnig, kleine Ranglistenturnier und Probemonate. Vor allem für Jugendliche und Studente gibt es besondere Angebote. All das vermisst man eben im Golfsport. Da sieht man selten Plakate oder Werbung für Jugendliche und Anfänger, dafür umso mehr verachtende Blicke, wenn man keine farbenfrohe Golfhose anhat und noch unter 50 ist. Dazu kommt das so manch älterer Golfer auch alles andere als Geduld hat. Wenn man sich dann doch durch die Anfangsmonte durchgekämpft hat und sich auf den Platz mit fremden Flights traut, ist es an der Tagesordnung das man irgendwann eine Diskussion mit anderen Flights hat. Das ärgste was ich erlebt habe war, dass ein Flight einfach losgeschlagen hat, wärhend ein anderer Golfer noch auf dem Platz war und die Bälle demjenigen um die Ohren geflogen sind. Da wäre das ganze auch fast eskaliert. Es ist natürlich nicht immer so, sonst würde ich diesen wundervollen Sport auch nicht mehr ausüben. Mit der Zeit findet man dann doch Clubs, bei denen es um das wesentliche geht, nämlich um den Sport. Diese Clubs sind es dann auch, die diesen sport so herrlich machen und die Faszination an alle weitergeben, die sich dafür interessieren.

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  3. Ich finde die Clubs machen für Studenten schon eine ganze Menge. Oft gibt es spezielle Studentenmitgliedschaften. Das Problem dabei ist, dass diese Mitgliedschaften meist nur bis Mitte 20 gültig sind. Da bin ich als 32 jähriger Student einfach angeschmiert und muss mir genau überlegen was wichtiger ist. Miete und Essen oder Golf?!

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