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Ist Golf zu kompliziert?

15. Mai 2013
Chris Kirk und die Regeloffiziellen identifizieren seinen Ball im Bunker bei der Players Championship. (Foto: Getty)
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Tiger Woods kennt die Golfregeln nicht – anders lassen sich seine Regelverstöße in diesem Jahr nicht erklären. Aber wenn selbst die Profis nicht regelsicher sind, wer ist es dann?

Tiger Woods hat es in diesem Jahr sage und schreibe dreimal geschafft, einen Ball bei einem Profiturnier zumindest regelfraglich zu droppen. Bei der Abu Dhabi Golf Championship kassierte er dafür zwei Strafschläge und verpasste deshalb den Cut. Beim Masters kostete ihn sein regelwidriger Drop den Sieg. Auch bei der PLAYERS Championship am vergangenen Wochenende waren einige Zuschauer ob seines Drops an Loch 14 irritiert; ein Zuschauer hat gar ein Video daraus gemacht (siehe unten). Im Endeffekt wurde die Aktion als regelkonform gewertet. Doch wenn stets ein Regelkomitee für korrekte Entscheidungen nötig ist, ist Golf dann nicht einfach zu kompliziert?

34 Regeln, bald 116 Jahre alt

Fast 116 Jahre sind die Golfregeln inzwischen alt. Zugegeben, sie werden alle vier Jahre von der Regelinstitution schlechthin, dem Royal & Ancient Golf Club of St Andrews (R&A), sowie der die United States Golf Association (USGA) überarbeitet. Doch „modern“ ist das Regelwerk nicht.

Dabei gibt es im Golf nur 34 Regeln. Die sollte sich jeder merken können. Doch diese verhältnismäßig kleine Anzahl wird durch unzählige Ergänzungen massiv erweitert – im Grunde, um Missverständnisse und Zweideutigkeiten zu vermeiden. Die umfangreichen Verästelungen und Formulierungen stiften oft jedoch mehr Verwirrung als dass sie wirklich Aufklärung liefern.

Zwar sind die Regeln die Basis für die Gleichbehandlung aller Spieler und es gehört zum Fairplay, dass Spieler Regelverstöße selbstständig anzeigen. Aber dazu müssen sie die Regeln kennen und verstehen. Aufgrund der komplexen Verzweigungen fällt das selbst Profis zuweilen nicht leicht.

Ist weniger mehr?

Ohne Frage sind Regeln notwendig, aber sie sollten sich nicht selbst behindern. Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen zu können freut zwar jene Regelexperten, die im US-amerikanischen Fernsehen ihr Geld damit verdienen, bei fraglichen Situation zurate gezogen zu werden und mit ihrer Regelexpertise zu kokettieren. Auf lange Sicht könnte eine derartige Paragraphenreiterei dem Golfsport aber schaden, da ihm so ein übertrieben bürokratischer Touch verpasst wird.

Es sollte das Ziel sein, durch eine Vereinfachung des Regelwerks mehr Klarheit bei Spielern und Zuschauern zu schaffen, damit aufgrund der unzähligen Zweideutigkeiten nicht jedes Mal ein Regelbuch für die Runde oder vor dem Fernseher benötigt wird.

Trennung von Amateur- und Profisport

Vorschlag: Warum nicht im Amateurbereich auf die Urteilskraft der Flights vertrauen und Spielraum für flexible Lösungen aus Gründen des Spielflusses schaffen? Und wäre es nicht sinnvoll, die vielen Ausnahmen und Beschlüsse der R&A nur im Profisport vorauszusetzen?

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Alexandra Caspers

Alexandra Caspers - Freie Autorin bei Golf Post

Als sich ihre Familie und ihr Bekanntenkreis nach und nach mit Golffieber infizierte, gab es für Alexandra auf lange Sicht kein Entkommen. Jetzt taucht sie neben ihrem Germanistik-Studium selbst in die Welt des Golfsports ein.

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