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Golfregeln: Fünf häufig diskutierte Situationen erklärt

Es gibt Umstände, die immer wieder aufs Neue Diskussionen über die anzuwendenden Golfregeln provozieren. Silas Wagner schafft Aufklärung.

Golfregeln häufig diskutierte Golfsituationen erklärt
Manche Golfsituationen provozieren ein ums andere Mal eine Regeldiskussion. (Foto: Getty)

Es gibt Situationen auf dem Golfplatz, in denen über die anzuwendenden Golfregeln ein jedes Mal wieder Uneinigkeit herrscht. Folgenden fünf Beispielen hierfür widmet sich Silas Wagner im ersten Teil seiner "Häufige Fehler auf dem Platz"-Videos und beantwortet die Fragen: Was passiert, wenn der Ball versehentlich vom Tee gestoßen wird? Wie wird verfahren, wenn der Ball nach dem Droppen noch ein Stück rollt? Darf noch einmal aufgeteet werden, wenn der Ball für unspielbar erklärt und noch einmal abgeschlagen wird? Welche Konsequenzen hat die Behinderung des Schlages durch einen Auspfosten? Und: Mit welchem Ball wird das Spiel fortgesetzt, wenn zufällig innerhalb von fünf Minuten der aufgegebene Ball wiedergefunden wird, obwohl sich bereits ein provisorischer im Spiel befindet?

Strittige Fragen, klare Antworten

1. Was passiert, wenn der Ball versehentlich vom Tee gestoßen wird? 

Wenn der Ball vor dem Abschlag versehentlich vom Tee gestoßen wird, ist er damit noch nicht im Spiel. Er darf ohne Strafschlag erneut aufgeteet und mit dem Abschlag ins Spiel gebracht werden.

Offizieller Text der Golfregeln - 11-3 Ball fällt vom Tee: "Fällt ein Ball, der nicht im Spiel ist, vom Tee oder wird er vom Spieler beim Ansprechen vom Tee gestoßen, darf er straflos wieder aufgesetzt werden. Wurde jedoch dabei ein Schlag nach dem Ball gemacht, zählt dieser Schlag, egal ob sich der Ball bewegt hat oder nicht, aber Strafe kommt nicht hinzu. Der Ball kommt nur durch einen Schlag „ins Spiel", nicht durch ein versehentliches Anstoßen. „Im Spiel“ ist der Ball allerdings auch nach einem so genannten „Luftschlag", der eigentlich den Ball treffen sollte, da dieser nach der Erklärung „Schlag“ eine Vorwärtsbewegung des Schlägers in der Absicht war, den Ball zu schlagen."

2. Wie wird verfahren, wenn der Ball nach dem Droppen noch ein Stück rollt?

Wenn der Ball nicht mehr als zwei weitere Schlägerlängen und nicht zum Loch hin rollt, muss er gespielt werden, wie er liegt und darf nicht erneut gedroppt werden.

Offizieller Text der Golfregeln - 20-2 Fallenlassen und erneutes Fallenlassen; c) Wann erneut fallen lassen: "Ein fallen gelassener Ball muss straflos erneut fallen gelassen werden, wenn er (VI) weiter als zwei Schlägerlängen von der Stelle wegrollt und zur Ruhe kommt, an der er zuerst auf einem Teil des Platzes auftraf oder (VII) näher zum Loch rollt und zur Ruhe kommt als (a) seine ursprüngliche oder geschätzte Lage (siehe Regel 20-2b), sofern dies nicht anderweitig nach den Regeln gestattet ist [...]"



3. Darf noch einmal aufgeteet werden, wenn der Ball für unspielbar erklärt und noch einmal abgeschlagen wird?

Ja. Auch, wenn der Ball nach einem verzogenen Abschlag für unspielbar erklärt wird und der Spieler noch einmal abschlägt, darf der Ball noch einmal aufgeteet werden.

Offizieller Text der Golfregeln - 20-5 Nächsten Schlag von der Stelle eines vorhergegangenen Schlags machen:  "Will oder muss ein Spieler seinen nächsten Schlag von dort machen, wo ein vorhergegangener Schlag gemacht worden war, muss er folgendermaßen verfahren: a) Auf dem Abschlag: Der zu spielende Ball muss von innerhalb des Abschlags gespielt werden. Er darf von überall innerhalb des Abschlags gespielt werden und darf aufgesetzt werden."

4. Welche Konsequenzen hat die Behinderung des Schlages durch einen Auspfosten? 

Einen Spieler, der von einem Auspfosten beim Schlag behindert wird, erwartet kein straffreier Drop. Er muss entweder den Schlag so ausführen, dass ihn der Pfosten nicht behindert, oder den Ball für unspielbar erklären und unter Hinnahme eines Strafschlags droppen.



Offizieller Text der Golfregeln - 13-2 Lage, Raum des beabsichtigten Stands oder Schwungs, oder Spiellinie verbessern: "Ein Spieler darf nicht den Ort der Lage oder die Lage seines Balls, den Raum seines beabsichtigten Stands oder Schwungs, seine Spiellinie sowie eine angemessene Verlängerung dieser Linie über das Loch hinaus oder die Fläche zum Fallenlassen oder Hinlegen eines Balls durch eine der folgenden Handlungen verbessern oder verbessern lassen: [...] Bewegen, Biegen oder Brechen von irgendetwas, das wächst oder befestigt ist (eingeschlossen unbewegliche Hemmnisse sowie Gegenstände zum Bezeichnen von Aus), [...]. Jegliche Beschädigung oder Manipulation von Pflanzen oder anderen befestigten Gegenständen zur Verbesserung der Lage des Balls ist untersagt."

5. Mit welchem Ball wird das Spiel fortgesetzt, wenn zufällig innerhalb von fünf Minuten der aufgegebene Ball wiedergefunden wird, obwohl sich bereits ein provisorischer im Spiel befindet? 

Auch, wenn der Spieler den ursprünglichen Ball bereits mündlich aufgegeben und einen provisorischen Ball ins Spiel gebracht hat: Wenn er seinen ursprünglichen Ball doch noch innerhalb der fünf Minuten wiederfindet, MUSS das Spiel mit diesem fortgesetzt werden.

Offizieller Text der Golfregeln - 27-2 Provisorischer Ball; c) Provisorischen Ball aufgeben: "Ist der ursprüngliche Ball weder verloren noch im Aus, muss der Spieler den provisorischen Ball aufgeben und das Spiel mit dem ursprünglichen Ball fortsetzen. Ist es bekannt oder so gut wie sicher, dass der ursprüngliche Ball in einem Wasserhindernis ist, darf der Spieler in Übereinstimmung mit Regel 26-1 verfahren. Macht der Spieler in einem der beiden Fälle weitere Schläge nach dem provisorischen Ball, spielt er einen falschen Ball, und es ist nach Regel 15-3 zu verfahren."






Silas Wagner - Golf Post Regelexperte

Silas Wagner begann mit 15 Jahren im Familienurlaub mit dem Golfsport. Sofort war er Feuer und Flamme und verbrachte fortan seine Freizeit auf dem Golfplatz. 2001 begann Silas Wagner seine Ausbildung zum PGA Teaching Professional im Golf & Country Club Hohwachter Bucht, die er drei Jahre später abschloss. Seit 2012 ist der 35-Jährige Pro im Golfclub Sieben-Berge Rheden. Auf Golf Post und YouTube erklärt Silas Wagner die Regeln des Golfspiels und berichtet von seinen Golfreisen.

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2 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Jürgen Neunaber

    Manche Golfregeln sind so wirklichkeitsfremd bzw. absurd, dass diese eigentlich nur von schlechtspielenden Golffunktionären erdacht sein können, die sich an den anderen Golfern auf Dauer rächen wollen.

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  2. Jörg-Peter Alfes, GC Bonn-Godesberg

    Zu Ziffer 5 „provisorischer Ball“ würde ich mich mit Herrn Wagner aber füglich streiten: Zunächst ist darauf hinzuweisen, daß der Spieler einen Ball im Spiel nicht „aufgeben“ kann, das sehen die Regeln nicht vor (Regel 27-2 c) ist hier nur scheinbar eine Ausnahme!). Da der Spieler einen „provisorischen“ Ball gespielt hat, muß also die Möglichkeit bestanden haben, daß der zunächst gespielte Ball (außerhalb eines Wasserhindernisses) verloren oder im Aus war (Regel 27-2 a)). Spielt der Spieler den provisorischen Ball weiter solange dieser nicht den Ort erreicht hat, an dem sich der ursprüngliche Ball mutmaßlich befindet, bleibt der Ball provisorisch (Regel 27-2 b)). Findet jetzt der Spieler oder ein Mitspieler den ursprünglichen Ball (die 5 Minuten gemäß Regel 27-1 c) haben gegebenenfalls noch garnicht begonnen!), ist der provisorische Ball aufzugeben und der ursprüngliche Ball zu spielen (Regel 27-2 c)). Liegt aber der provisorische Ball bereits vor dem Ort, an dem sich der ursprüngliche Ball mutmaßlich befindet und spielt der Spieler diesen Ball weiter, wird der provisorische Ball zum „Ball im Spiel“, der ursprüngliche Ball ist verloren, auch wenn er nunmehr gefunden wird (Regel 27-2 b))! Wie so häufig: Es kommt auf den genauen Sachverhalt an!

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