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Golf und Tennis – Vom Aufschlag zum Abschlag

„Wenn man Golf mag, mag man Tennis“ – bei vielen ist es so. Warum eigentlich? – Ein Vergleich und eine Erklärung.

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Rafael Nadal vor den Castello Masters Costa Azahar im Club de Campo del Mediterraneo im Jahre 2011. (Foto: Getty)

1985 kann für beide Sportarten als Schlüsseljahr bezeichnet werden, das sich ähnlich auf beide Sportarten auswirkte. Am 14. April 1985 streifte sich Berhard Langer als erster Deutscher das grüne Siegersakko über, nachdem er seinen ersten Major-Titel mit dem Masters in Augusta, Georgia (USA), gewann. Der Deutsche Golfverband zählte damals rund 70.000 Mitglieder. Seit 1951 (2.700 Mitglieder) stieg die Zahl der Golfer in Deutschland jährlich um circa 1.000 bis 4.000 Personen. Nach Langers Sieg in Augusta verdoppelten sich die Zahlen und der DGV konnte einen Zuwachs von rund 10.000 Mitgliedern im Jahr verzeichnen.

Diese Erfolgsgeschichte reicht an den Tennis-Boom, den Boris Becker 1985 und Steffi Graf 1987 auslösten, jedoch nicht heran. Dort stiegen die Mitgliederzahlen des Deutschen Tennis Bunds um rund 100.000 Personen jährlich. 1994 erreichten sie ihren Höhepunkt mit rund 2.3 Millionen Deutschen, die in rund 10.000 Vereinen Tennis spielten. Seit 1998 sind die Tenniszahlen jedoch, im Unterschied zu denen des Golfs, rückläufig.

Ein gewaltiger Unterschied der Entwicklung ist das Image der Sportarten. Während sich Tennis zum Breitensport entwickelte, haftet dem Golf bis heute das elitäre Image an, das beide Sportarten zuvor verband. Geblieben ist jedoch, dass auffallend viele Menschen beide Sportarten parallel ausüben.

Golfende Tennis-Stars und tennisspielende Golf-Profis

Kürzlich offenbarte Martin Kaymer in einem Interview seine Tennis-Leidenschaft. „Roger Federer war schon immer mein Hero. Mich fasziniert zum einen die Leichtigkeit, mit der er spielt. Und dann ist er ja einfach auch ein cooler Typ. Roger ist so ein bisschen wie Tiger im Golf. Vor allem die Grand Slams verfolge ich sehr gerne“, erklärte der zweitjüngste Weltranglistenerste aller Zeiten.



Ansonsten würde er sich als „relativ aggressiven Spieler bezeichnen“. Damit kommt seine Selbstbeschreibung beim Tennis derjenigen von Marcel Siem sehr nah: „Ich bin ziemlich aufbrausend – da muss ich eh dran arbeiten, weil das beim Golf nicht geht – und beim Tennis kann ich mich ein bisschen austoben“, verriet der Nordrhein-Westfale der Rheinischen Post. Siem hat familiäre Bindungen zum Tennis, da seine Eltern früher das Clubhaus des Lintorfer TCs führten. Er selbst spielte früher Tischtennis in der Bezirksliga und heute gerne Tennis als Ausgleichssport.

Während sich die Golfprofis beim Tennis austoben, kommen die Tennis-Stars beim Golf zur Ruhe. Beispielsweise Alexander Zverev. Der gebürtige Hamburger wohnt in Fontvielle, Monte Carlo und so ist der Monte Carlo Golf Club bei La Turbie am Mont Angel sein Heimatkurs. Er spielt derzeit um ein Handicap 10, ist sich aber sicher, dass er mit mehr Zeit für sein Golfspiel auf ein Handicap 6 oder 7 käme. Damit würde er mit Rafael Nadal (Handicap 6) gleichziehen. Der ehemalige Tennis-Profi Pete Sampras spielt sogar um ein Handicap +3. Rafael Nadal spricht viel und gerne über sein Golf. „Man geht jeden Tag hinaus und spielt - mit der Möglichkeit, zu verlieren.

Im Golf verliert man nicht, man hat vier Tage Zeit, um zu spielen - und wenn man am Ende Vierter oder Fünfter wird, hat man ein gutes Turnier gespielt. Im Tennis endet es eigentlich immer damit, dass man irgendwann verliert: im Finale, im Halbfinale oder im Viertelfinale“, sagte Nadal der spanischen Marca. Natürlich könne man den Cut verpassen, jedoch sei ein schwacher Donnerstag mit einem guten Freitag ausgeglichen. Diese Möglichkeit bestehe beim Tennis nicht.




Empirische Studien zu Golfnovizen mit Tenniserfahrung

Wie es dazu kommt, dass Golfer gut und gerne Tennis spielen und viel mehr noch umgekehrt Tennisspieler Golf spielen, lässt sich wissenschaftlich erklären. Volker Bernhardt weist in seiner Dissertation „Unterschiedliche Lehr- und Übungswege für Golfnovizen: ‚Von kurz zu lang‘ vs. ‚von lang zu kurz‘ – Eine empirische Überprüfung unter Berücksichtigung von Leistung, Beschwerden, Befinden und Angst“ nach, dass Personen mit Tennis-Vorerfahrung schneller Golf lernen.

Beanspruchte Muskeln, Bewegungsabläufe und Auge-Hand-Koordination beider Sportarten lassen sich gut vergleichen. Golf und Tennis ergänzen sich ausgezeichnet, auch weil die Beanspruchungen des Körpers ähnlich, die Auswirkungen auf ihn aber grundsätzlich anders sind. Bedingt durch die Streckenlänge ergeben sich beim Golf Gehstrecken von bis zu 10 Kilometer. Der Zeitaufwand beträgt bis zu 5 Stunden. Da der Golfschwung zudem selbst nur Sekunden dauert, wird sich – im Unterschied zum Tennis – kein Laktatanstieg im Blut finden lassen. Während einer 18-Loch Runde werden dabei rund 1.500 kcal verbraucht. Im Vergleich dazu verbraucht ein Sportler bei 2 Stunden Tennis nur circa 960 kcal.

Beste Voraussetzungen garantieren keinen Erfolg

So versuchte mancher Tennis-Profi bereits Profi-Golfer zu werden. Dass es trotz wissenschaftlich nachgewiesener, bester Voraussetzungen dennoch nicht einfach ist, sich auf einer Pro Tour durchzusetzen, mussten jedoch alle, z.B. Yevgeny Kafelnikov, Scott Draper, Mardy Fish oder Paradorn Srichaphan, erfahren. Letzterer beendete seine Tenniskarriere 2010 wegen Verletzungsproblemen. Der ehemals neunte der Tennisweltrangliste, erreichte seinen ersten Cut auf der Pro Golf Tour 2016. Ausgerechnet in seiner Heimatstadt im Singha Park Khon Kaen Golf Club erreichte er die Finalrunde des „All Thailand Premier Championship“. Das Birdie zum Abschluss verglich Srichaphan passender Weise mit einer spielentscheidenden Vorhand von der Grundlinie.

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