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Langweilig oder menschlich? Golf-Stars in den sozialen Medien

25. Dez 2015
Durch Twitter, Instagram und Co. lassen die Stars der Golfszene die Fans an ihrem Leben teilhaben. Macht sie das uninteressant? (Fotos: Twitter/Instagram)
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Machen soziale Medien die Golf-Stars von heute uninteressant? Diese Frage wirft eine Bemerkung von Golf-Kommentator David Feherty auf.

Wie Sandra Gals Hund aussieht, was Michelle Wie gerne zu mittag isst, wann und wie Justin Rose den Hochzeitstag mit seiner Frau feiert oder was Marcel Siem über sein Abschneiden beim letzten Turnier denkt – all diese Dinge über die Golfgrößen des 21. Jahrhunderts zu erfahren, ist nicht schwer. Ein Klick auf Twitter, Instagram oder Facebook häufig dafür. Ex-Profi und Golf-Kommentator David Feherty sagte jetzt in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazine, dass genau das die Stars langweiliger mache als ihre Vorgänger. Kann das stimmen?

„Sie können es sich nicht leisten, interessant zu sein“

Obwohl die Spieler heute ein fantastisches Niveau an den Tag legten, besser gar als er und seine Kollegen zu aktiven Zeiten, wirkten sie weniger interessant, sagte Feherty. Laut dem frisch gebackenen NBC-Golfkommentator liege das daran, dass „sie es sich wegen der sozialen Medien und all dem nicht leisten können, interessant zu sein. Und, wissen Sie, diese Dinge sollen der menschlichen Rasse Vorteile bringen. Ich weiß nicht, ob ich das so sehe.“ Was an Jungs wie Jordan Spieth, Rickie Fowler und Bubba Watson aber alles andere als langweilig sei, sei ihre Performance auf dem Platz.

Soziale Medien als Sprungbrett

Manch einem nutzen die sozialen Medien, um die Karriere erst in Schwung zu bringen, so wie der jungen US-Amerikanerin Paige Spiranac. Fotos und Videos vom Training, aber auch Bilder im Abendkleid oder Fan-Outfit des Lieblings-Comichelden gibt es auf ihrem Instagram-Account zu sehen. Auch auf Twitter teilt sie persönliche Momente: Peinliche Zwischenfälle oder Eiscreme zum Frühstück? Ab damit ins Netz!

Kürzlich landete Spiranac beim Finale der Ladies European Tour allerdings auf dem Boden der Tatsachen. Dort nämlich verpasste die junge Proette, deren Ziel die LPGA Tour ist, mit Abstand den Cut. Doch auch ihre schmerzhafteren Erfahrungen landen prompt bei Instagram:

So stellt sich also die Frage, wie langweilig die sozialen Medien die junge Golf-Elite machen, wenn sie ihnen doch zu einer solch großen Popularität verhelfen können. Ist es nicht vielleicht auch tröstlich zu wissen, dass die Sieger auf den Plätzen dieser Welt letztendlich auch nur eines sind – Menschen mit Stärken und Schwächen?

Wenig Langeweile für Millionen Twitter-Fans

Nicht umsonst hat die deutsche Proette Sandra Gal mehr als 45.000 begeisterte Follower auf Twitter, die Fangemeinden von Rory McIlroy, Ian Poulter und Rickie Fowler in diesem Netzwerk knacken sogar locker die Millionen. Ihre Vorbild-Funktion für jüngere Bewunderer nehmen sie dabei nicht immer ganz ernst – zumindest hält sie beispielsweise McIlroy nicht davon ab, Ryder Cup oder Claret Jug mit Jägermeister zu füllen und am nächsten Morgen zu posten: „Ich denke, ich bin immer noch betrunken!“ Von Langeweile keine Spur.

Doch auch die Stars der Szene haben einen Job, dem sie nachgehen. Der bringt sie zwar rund um den Globus, ist aber mit viel Arbeit verbunden. Entsprechende Bildermengen gibt es von den Profis aus dem Fitnessstudio, von der Laufbahn oder der Yoga-Einheit am Strand. Menschlich eben, auch wenn der Otto-Normal-Golfer nach einer Trainingseinheit von orginal japanischem Edelsushi zu Mittag nur träumen kann.

Eine Frage der Perspektive

So sind die Einblicke, die wir durch soziale Medien in das Leben der Golfer bekommen, eine luxuriösere Version unseres eigenen, oft genug geprägt von den kleinen Momenten: Das Haustier, das sich freut, Herrchen oder Frauchen endlich wiederzusehen, ein wenig Zeit mit der Familie oder zum Anfeuern der Lieblingsmannschaft im Stadion.

Zugegeben, oft ist das eben nicht das glamouröse Party-Leben, das so mancher sich auch von sportlichen Promis erwartet. Doch ist die ständige Öffentlichkeit in Form von Social Media wirklich ein Hemmschuh für potentielle Exzesse? Zwingen sie zu Vernunft und Langeweile? Oder sind es nur nette Einblicke in das Leben von Leuten, die auf dem Platz schon für genug Spannung sorgen? Feherty jedenfalls scheint es in den Leben der Profis an Abenteuern zu fehlen. Die Golf-Fans auf Twitter sehen das anders, sodass es letztlich eine Frage der Perspektive bleibt.

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Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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