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Ein Selbstversuch: Die Platzreife ist nicht die Hürde

08. Mai 2013
Golf: So schön kann Platzreife sein. Manchmal lästig, aber notwendig. (Foto: Getty)
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Unser Redakteur hat sich nochmal der Platzreife unterzogen. Erstaunliche Erkenntnisse pflasterten sein „Abitur“ im Golf.

An meinen ersten Platzreifekurs vor Jahren kann ich mich kaum noch erinnern. Daher nahm ich jetzt nochmal dankend die Möglichkeit an, während der Arbeitszeit 😉 für Euch die Platzreife (PE) im Jahr 2013 zu testen. Ich stieß auf erfreuliche und unerfreuliche Neuigkeiten.


Zugangsbeschränkung, die durchaus Sinn macht

Die Platzerlaubnis gilt in Deutschland, Österreich, der Schweiz und wenigen anderen Ländern wie zum Beispiel Luxemburg als der erste notwendige Schritt vom „Golf-Frischling“ zum allgemein anerkannten Golfspieler. Soweit so gut. Eine Zugangsbeschränkung, die durchaus in vielerlei Hinsicht Sinn macht. Jeder Golfer hat sich schon über das Verhalten eines anderen auf der Runde geärgert. Sei es über zu langsames Spiel, miserabel gestellte Bags oder einen zerhackten Platz mit kratertiefen Divots. Ich entschied mich nach eingehendem Studium des Angebots für die sogenannte „Intensiv-Platzreife“. Fünf Tage am Stück á vier Stunden – eine Entscheidung, für die mich meine Oberschenkel am abschließenden Freitagnachmittag verfluchen sollten.

Golf ist Sport!

Als junger sportlicher Typ sollte dieses Golf-Pensum doch an mir abprallen wie eine Fliege am Elefanten, dachte ich. Versteht mich nicht falsch, der Golfsport war in meinem Kopf durchaus als „Sport“ notiert, doch „das bisschen Golf“ sollte mich – den ehemaligen Sportstudenten – doch nicht ins Schwitzen bringen. Im Endeffekt: ein fataler Irrglaube! GOLF IST SPORT.

Pro Tag hetzte die PGA-Professional-Proette mich und meine drei Mitstreiter deutlich älteren Semesters über den Kurs. Pro Tag chippten, putteten und schlugen wir um die 500 bis 700 Bälle. Ein ideales Training für Anfänger, um den richtigen Bewegungsablauf einzustudieren. Der Erfolg stellte sich auch schnell ein. Fraglich, ob das alles so ohne Anleitung in Eigenregie geklappt hätte. Praxisnah wurde uns dazu wichtige Theorie eingetrichtert. Nach drei Tagen stellte sich schon bei mir ein leichter Zustand der mentalen und körperlichen Erschöpfung ein. Auch meine Mitspieler hatten zu kämpfen. Auf Nachfrage bestätigte mir unsere Proette: „Die Intensiv-Platzreife ist schon sehr anstrengend, speziell für ältere Leute. Noch anstrengender ist allerdings die „schnellste“ Platzreife, wo das Pensum an vier Tagen abgespult wird.“ Der Club bot darüberhinaus noch eine Platzreife über drei Wochenenden an – perfekt für Berufstätige.

Viel Wind um Nichts

Die abschließende Theorie- und Praxisprüfung erwies sich als nicht ernst zunehmende Hürde. Ich verstand natürlich die Absicht, die Prüflinge mit bestimmenden Regularien zu kitzeln, beziehungsweise zu motivieren. Nüchtern betrachtet schaffte am Ende jeder die Platzreife – egal wie gut oder schlecht er war. Die zwölf Stable-Ford-Netto-Punkte, die wir eigentlich einsacken mussten, wurden äußerst großzügig gewertet. Das große Brimborium im Vorfeld erwies sich damit als Luftnummer. Da stellte sich mir schon die Frage: Muss dieses exklusive Gehabe sein?

Versteckte Kosten

Die eigentlichen Überraschungen trafen mich und meine Mitgolfer erst im Clubhaus, als wir die Platzreife-Urkunde in der Hand hielten: Nämlich den Rattenschwanz der Kosten. Golf ist und bleibt leider ein sehr teurer Sport. Das sollte keine neue Erkenntnis sein. Für Leute im Berufsleben finanzierbar; für Jugendliche, Studierende ein fetter Stolperstein zum neuen Lieblingssport. Neben dem Mitgliedsbeitrag im Club entstehen Kosten für Greenfee, Bälle, Ausrüstung etc.

Aber besonders der zusätzliche Mitgliedsbeitrag im Deutschen Golfverband (DGV), um auch auf anderen Plätzen in der Bundesrepublik spielen zu können, hatten „absolute Golfanfänger“ im Vorfeld nicht auf dem Schirm. Der O-Ton meines Mitgolfers: „Die Kosten waren mir im Vorfeld nicht bewusst.“ Für den passionierten Golfer eine Selbstverständlichkeit, für den Anfänger eine neue Kostenfalle, auf die nicht hingewiesen wurde.


Platzreifeprüfung: Würden Sie noch einmal bestehen?

Veraltete Ansichten

Auf der Suche nach weiteren günstigen Alternativen trafen mich neue Erkenntnisse. So scheiterte beispielsweise mein Versuch der Vereinigung clubfreier Golfspieler im Deutschen Golf Verband e. V. (VCG) beizutreten. Meine Platzreife würde schlichtweg nicht akzeptiert. Auf Nachfrage bei dem Club, wo ich die Platzreife absolvierte, antwortete man mir unter vorgehaltener Hand: „Der VCG stört sich daran, dass wir den Theorie-Test online machen. Deshalb erkennen sie unsere Platzreife insgesamt nicht an.“

Stolpersteine, Stolpersteine, Stolpersteine. Willkommen im Zeitalter Web 2.0. Daher ist Anfängern dringend zu raten, im Vorfeld zu klären, ob es sich um lizenzierte DGV-Platzreifen handelt. Um eine solche handelte es sich zwar auch in meinem Fall, doch vor weiteren „Steinchen“ scheint man im Golfsport nicht gefeit.

Persönliches Fazit: Golf ist und bleibt eine absolut faszinierende Sportart. Die Platzreife erscheint mir, obwohl sie sehr zeitintensiv ist, sinnvoll um diese wundervolle Sportart – basierend aus einer Symbiose aus Technik, Kraft und Gefühl – mit einem gewissen Anspruch perfekt auszuüben. Die Überraschungen und Unwägbarkeiten warteten im Anschluss. Besonders Anfänger sollten sich gründlich im Vorfeld über weitere Möglichkeiten informieren.

Malte van Oven

Malte van Oven - Freier Autor für Golf Post

ist Diplom-Sportwissenschaftler, Journalist, Holland-Experte und begeisterter Golfer. Im Team ist er der Trainingsweltmeister und träumt noch heimlich von der Senior Tour.
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2 LESER-KOMMENTARE

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  1. Da kann ich Kho nur zustimmen, wir Deutsche versuchen immer alles „Richtiger“ zu machen als alle anderen Länder und stehen uns damit wieder selber im Weg.
    Auch das Voting für die PE ist typisch deutsch, man will ja nicht zugeben – das die eigene PE im Grunde genommen umsonst war und gönnt natürlich auch dem Neueinsteiger nicht die Möglichkeit ohne auf den Platz zu kommen.

    bis denne

    Antworten

  2. Mal wieder typisch deutsch, zuerst muss alles „zu Tode“ reguliert werden und anschließend wundert man sich dann das vielen interessierten Menschen dieses Brimborium als Freizeitbeschäftigung viel zu anstrengend ist.

    Antworten

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