Golf in Japan: Plätze wie Zen-Gärten, Schläger wie Samurai-Klingen
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Golf in Japan: Plätze wie Zen-Gärten, Schläger wie Samurai-Klingen

Das Land der aufgehenden Sonne hat trotz seiner begrenzten Fläche rund 2.500 Kurse und ist allemal eine Golfreise wert.

Golf in Japan ist weitaus populärer als man vielleicht annehmen mag. (Foto: Getty/Pixabay)
Golf in Japan ist weitaus populärer als man vielleicht annehmen mag. (Foto: Getty/Pixabay)

Woran denken Sie, wenn das Stichwort Japan fällt, Hand aufs Herz? An Samurai und Sushi, Technik und Tradition, Förmlichkeit und Futurismus? Die wenigsten jedenfalls kommen vermutlich direkt zum Golf. Stockwerkshohe Driving Ranges mit Gewimmel wie auf einem Ameisenhügel – allein Tokyo hat über 500 Ranges – und das Klischee des Platzmangels bestimmen unser Bild vom grünen Spiel im Land der aufgehenden Sonne. Vielleicht kramen wir noch den goldenen Driver von Premier Shinzo Abe für US-Präsident Donald Trump aus der Erinnerung. Und, dass Hideki Matsuyama immer noch keine Major gewonnen hat. „Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen“, sagt ein japanisches Sprichwort, schauen wir daher mal nach Nippon rüber.

Nippon hat neun Millionen Golfer

Wussten sie eigentlich, dass Japan rund 2.500 Golfplätze hat, nur geringfügig weniger als Großbritannien? Dass die Inselkette im Pazifik, die wegen der durchlaufenden Gebirgskette mit dem 3776,24 Meter hohen Vulkan Fuji als heiligem Berg nur 20 Prozent ihrer Landfläche wirklich nutzen kann, mit mehr als neun Millionen Golfern den größten Markt nach den USA darstellt? Japan ist tatsächlich eine vielbesuchte Golfdestination mit jährlich Hunderttausenden von Gästen aus dem asiatischen Umfeld wie China, Südkorea und Taiwan, auch aus Australien, Neuseeland und Europa.

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Ebenso wie Tiger Woods hat auch schon Sergio Garcia vor der beeindruckende Kulisse des Fuji abgeschlagen . (Foto: Getty)

Die Probleme freilich klingen ebenfalls seltsam vertraut, selbst dort sprossen in Erwartung eines Booms die Golfanlagen aus dem Boden: Obwohl rechnerisch auf jeden Platz rund 3.600 Spieler kommen, erwarten Experten eine Pleitewelle und eine Reduzierung auf 1.500 bis 1.800 Kurse. Top-Anlagen wie der Tokyo Golf Club, der Yokohama Country Club oder Kasumigaseki, wo das olympische Golfturnier der Spiele 2020 in Tokio stattfindet, wappnen sich mit aufwändigen Renovierungen für die Zukunft. In Yokohama, dessen Westkurs zu den Top-Drei des Landes gehört, legte beispielsweise das geniale US-Designer-Duo Bill Coore und Ben Crenshaw Hand an.

Alte Layouts haben zwei Grüns pro Bahn

Bei den Modernisierungen räumen die Architekten oft mit einer flächen- und pflegeintensiven Besonderheit auf: Viele Plätze haben zwei Grüns pro Bahn, die im täglichen Wechsel benutzt werden, was den klimatischen Bedingungen und der enormen Belastung durch hohe Spielfrequenzen geschuldet ist. Auf dem Fairway wird angezeigt, welche Puttfläche diesmal im Einsatz ist, die andere darf sich währenddessen von all den Fußtritten erholen.

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Die Driving Ranges in Japan haben auch gerne einmal drei bis vier Stockwerke. (Foto: Getty)



Die Standard-Teeboxen sind in Japan mit weißen Abschlagmarkierungen gekennzeichnet. Blaue oder schwarze Tees markieren die Profi- bzw. Turnier-Tees, Gold ist für Senioren, Pink oder Rot für Damen. Jedes Fairway hat überdies rund 210 Meter vom weißen Tee entfernt eine Fahne, die als Zielhilfe den besten Ausgangspunkt für den nächsten Schlag anzeigt. Außerdem dient die Flagge der Orientierung: Hat der Vor-Flight sie passiert, lässt sich gefahrlos abschlagen.

Teetimes besser übers Hotel buchen

Was die Greenfees betrifft, ist das Preisgefüge vergleichbar mit dem in anderen großen Golf-Ländern. Die privaten Clubs sind nicht billig, indes wetteifern die Resorts mit günstigen Greenfees und Stay&Play-Arrangements um Klientel. Kawana wäre hier zu nennen, das fast westlich anmutendes Resort auf Izu, einer Halbinsel des Haupteilands Honshu, mit 36 Bahnen, die sich in Richtung Pazifik ergießen und von denen sechs direkt entlang der felsigen Küstenlinie verlaufen.

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Golf ist in Japan Chefsache. Der amtierende Premierminister Shinzo Abe und US-Präsident Donald Trump haben z.B. schon mehr als eine gemeinsame Runde gedreht. (Foto: QUELLE)

Manche Anlagen lassen allerdings grundsätzlich keine Einzelspieler auf den Platz – wegen des generell hohen Aufkommens von Startzeitenbuchungen – und erheben einen zusätzlichen Obolus für Zweier-Flights. Obwohl landauf, landab gut und gern englisch gesprochen wird, sind Beschilderungen und Platzregeln zumeist ausschließlich in japanisch gehalten, die Caddies sprechen selten englisch. Da die Online-Buchung von Startzeiten zudem weitgehend bloß in der Landessprache möglich ist, empfiehlt es sich, Teetimes vom Hotel arrangieren zu lassen.



Auf der Runde und im Bad gilt ein besonderes Protokoll

Dafür braucht es nicht zwingend ein Auto, die meisten Plätze lassen sich per Bahn erreichen. Sogar der Hirono Golf Club nahe Kobe, dessen Platz als bester Japans gelistet wird, hat eine Haltestelle direkt vor dem Eingangsportal. Dafür sollte der Golfreisende nicht ohne Handgepäck anrücken, gemäß japanischer Gepflogenheiten wird das Spiel zum Tagesausflug. Die mindestens einstündige Lunch-Pause zwischen Front und Back Nine ist selbstverständlich, das rituelle, aber gleichsam entspannende und belebende gemeinschaftliche Bad nach der Runde ist obligatorisch, ebenfalls der anschließende Wechsel zur Gesellschaftskleidung. In Golfklamotten beim Abendessen oder an der Bar zu sitzen, verbucht der Japaner als ziemlichen Fauxpas.

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Die außergewöhnliche Vegetation in Japan ermöglicht teils spektakuläre Golfplätze. (Foto: Flickr)

Apropos Fehltritt: Tattooträger sind gut beraten, ihr Hautgemälde vor dem Bad mit einem Pflaster oder einer Bandage in angemessener Größe zu kaschieren. Tätowierung werden in Nippon mit den Yakuza, der japanischen Mafia, assoziiert. Dafür greift der japanisch kultivierte Mann im Badehaus zwecks Bedeckung seiner Blöße eher zum Gästehandtuch. Die Verwendung eines Riesenbadelakens kommt spießig rüber und  einem enormen Bruch des Protokolls gleich.

Edle Handwerkskunst in den Schlägermanufakturen

So ist es, das klassische Japan: zeremoniell und formalistisch; ein Land, in dem Handwerk nach wie vor zur Kunstform erhoben wird. In dem Zaiku, die ehrwürdige „Craftmanship“, sich verbindet mit Monozukuri, dem Sachenmachen – was für ein wunderbarer Begriff. Die Japaner lieben es, schöne Sachen zu machen. Ästhetisch. Puristisch. Aufwändig. Raffiniert minimalistisch.





Das ist in diesem Fall kein Gegensatz und gilt für Messer wie für Golfschläger. Mizuno ist natürlich die kommerziellste Marke, gleichwohl gerühmt für die Güte und Performance des Produkts. Honma macht sich gerade auf, die Nische des asiatischen Markts und der Liebhaberstücke zu verlassen. Justin Rose als künftiger Markenbotschafter soll der Expansion in die USA und nach Europa Profil verleihen. Mit der neuen T//World-Linie unter anderem ergänzt die Edel-Manufaktur aus Sakata das Premiummodell Beres um eine Palette für die breitere Zielgruppe. Miura in Himeji muss überdies erwähnt werden, feinste Ware aus einer Region, die berühmt war für die Herstellung des Kriegerschwerts Katana. Bei Vega schließlich fertigt ein ehemaliger Schwertschmied nunmehr Klingen fürs Fairway.


Hirono besteht auch neben Sunningdale

Perfektionistisch wie die Herstellung der Schläger betreiben die Japaner das Erscheinungsbild ihrer Golfanlagen. Ein Reisender hat Nippons Plätze denn auch mal mit den berühmten Zen-Gärten verglichen: makellose Arrangements, stimmig und kontemplativ. In Hirono lässt sich dies aufs Beste nachvollziehen. Das ursprünglich 1932 vom Engländer Charles Alison, einem Partner des großen Golfarchitekten Harry Colt, angelegte und unlängst vom britischen Star-Büro Mackenzie & Ebert überarbeitete Ensemble gilt als Maßstab für sämtliche Kurse des asiatischem Raums.

Die 18 Löcher beweisen, dass es bei klugem, kreativem Design für einen golferische Herausforderung keines 7.000-Meter-Monsters bedarf. Jede Bahn hat ihre eigene Charakteristik, und das meiste davon ist handgemacht. Das renommierte Portal „Top100golfcourses“ nennt Hirono „magisch“ und vergleich es mit englischen Ikonen wie Sunningdale: „Dieser Platz würde im Sandgürtel von Berkshire und Sussex nicht deplatziert wirken.“

Fazit: Das Land der aufgehenden Sonne scheint allemal eine Golfreise wert. Oder, um zum Schluss wieder ein japanisches Bonmot zu bemühen: „Eine gute Gelegenheit ist schwer erlangt und leicht versäumt.“

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