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Gretchenfrage im Golf: Das Eisen geschmiedet oder gegossen?

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04. Feb 2016
(Foto: Getty)
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Geschmiedet oder gegossen – muss man dazu eine Meinung haben? Wir stellen die unterschiedlichen Herstellungsformen vor.

Geschmiedete Eisen fühlen sich weicher an und geben ein besseres Feedback, heißt es. Gegossene Eisen sind fehlerverzeihender, heißt es. Mit geschmiedeten Schlägern kann man seine Schläge besser „shapen“, also absichtliche Kurven spielen, heißt es. Und mit einem neuen Driver schlägt man auf Anhieb 30 Meter weiter, heißt es. Sie merken schon, nicht alles, was da an Equipment-Mythen an den Theken des 19. Lochs die Runde macht, entstammt der Realität. Aber was unterscheidet geschmiedete (engl. „forged“) und gegossene (engl. „cast“) Eisen wirklich, und was bedeutet das für den Golfer?

Um das zu beantworten wagen wir einen kleinen Blick in die Vergangenheit und die Historie der beiden Produktionsarten, schauen uns an, wodurch sich die Produkte unterscheiden und was dabei am Ende übrig bleibt. Wir beginnen mit einer offensichtlichen, aber oft unbemerkten Tatsache.


Geschmiedet vs. gegossen: Unentschieden

Wenn geschmiedete Eisen oder gegossene Eisen um Längen besser wären als das jeweilige Pendant, dann gäbe es den Gegenpol gar nicht mehr. So banal diese Feststellung zu sein scheint, so viel Wahrheit steckt in ihr. Denn letzten Endes handelt es sich bei gegossenen oder geschmiedeten Eisen ja nur um einen unterschiedlichen Herstellungsprozess. Daraus ergeben sich unterschiedliche Resultate für die innere Struktur des Materials und Lufteinschlüsse, doch hätte eine der beiden Herstellungsarten einen signifikanten Nachteil, wäre sie mit Sicherheit schon vom Markt verschwunden.

Viele der oft zitierten Unterschiede zwischen geschmiedeten und gegossenen Eisen speisen sich aus nostalgischen Missverständnissen, Marketing-Strategien und gefährlichem Technik-Halbwissen. Was bei Drivern schon lange vom Golfer durchschaut wurde, das wirkt bei der Unterscheidung der Eisen noch vielerorts nach. Zeit, ein bisschen Klarheit zu schaffen.

Hufeisen, Wagenbeschläge, Schlägerköpfe

Die ursprüngliche Form von eisernen Schlägerköpfen ist logischerweise das geschmiedete Eisen, und damit ist „handgeschmiedet“ gemeint. Die frühen Eisen sahen den heutigen selten ähnlich, sie waren meistens extrem dünn oder hatten andere Spezifikationen, um aus dem Wasser oder Wagenspurrillen zu spielen. Der Stahl war sehr hart, sodass das unangenehme Gefühl bei Treffern außerhalb der Schlägermitte (Off-Center-Hits) durch den ganzen Körper fuhr.


Golfschläger von früher bis heute

„Forged Irons“ sind kein Samurai-Schwert

Dass heutige Eisen noch wirklich „handgeschmiedet“ sind, kommt höchstens bei kleinen Manufakturen im obersten Preissegment vor. Der Schmied, der den Stahl zigmal faltet und mit dem Hammer in Form bringt wie ein Samurai-Schwert, ist realitätsferne Romantik. Heutzutage wird der Stahl mit tonnenschwerem Gerät erst in die Grobform, dann später in die Feinform „gestampft“, in nur wenigen Produkionsschritten. Trotzdem legen sich bei diesem Prozess die „Fasern“ des Stahls, das man in dieser Hinsicht durchaus mit Holz vergleichen kann, eng übereinander.

Insgesamt ist der Prozess aufwändiger, zeitintensiver und teurer als die Guss-Herstellung. Hinzu kommt, dass der Gestaltung geschmiedeter Eisen Grenzen gesetzt sind: Ein ausgeprägtes Cavity-Back-Design, wie es bei gegossenen Eisen möglich ist, kann bei geschmiedeten Eisen nicht realisiert werden, auch wenn die technologische Entwicklung auch vor den Cavity-Designs geschmiedeter Eisen nicht Halt macht. Insgesamt sind es aber vor allem Blade- und Muscle-Back-Eisen, die geschmiedet werden.

Eisen aus flüssigem Stahl

Gegossene Eisen werden im Fein- bzw. Präzisionsgussverfahren hergestellt. Rund 90 Prozent aller Eisen auf dem Markt werden heutzutage so produziert. Das liegt an unterschiedlichen Faktoren, die zusammen genommen die Herstellung gegossener Eisen wirtschaftlicher machen: Die Produktion geht schneller, ist günstiger und ermöglicht aus design-technischer Perspektive einen größeren Gestaltungsspielraum.

In den 1970er-Jahren wurden Technologien aus dem Flugzeugbau in der Golfbranche adaptiert, um sie für die Herstellung von Schlägerköpfen zu verwenden. In den 1980er-Jahren Begann die Übernahme des Marktes durch Guss-Produkte, auch wenn sie zu Beginn einen schlechten Ruf hatten, der sich auf mindere Qualität bezog. Der sich stetig weiterentwickelnde Herstellungsprozess konnte die Schwächen des Produkts abschütteln (Geräusch, hartes Feedback) und vor allem durch seine Tauglichkeit für die Breite überzeugen: Es war möglich, viel mehr Gewicht an die Ränder zu bringen, sodass die Schläger für den Durchschnittsgolfer deutlich bessere Leistungen durch eine höhere Fehlerverzeihbarkeit bedeuteten.

Kraft = Masse x Beschleunigung

Für leistungsbestimmende Parameter im Golf wie Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel oder den Treffmoment insgesamt lässt sich festhalten: Die Art der Herstellung hat darauf keinerlei Auswirkung. Die übertragene Energie auf den Golfball ist dieselbe. Geschmiedete Eisen bieten zwar eine bessere Materialstruktur mit weniger Lufteinschlüssen, aber ob sich das wirklich auf eine bessere Leistungsfähigkeit auswirkt, ist nicht klar.

Tour-Pros spielen beides gleichermaßen, geschmiedete und gegossene Schläger. Die viel zitierten Unterschiede im Gefühl und Feedback gehen meistens nicht auf den Herstellungsprozess zurück, sondern auf das Design: Wie bereits beschrieben, werden gegossene Eisen häufiger mit viel Gewicht unten und an den Rändern produziert, während geschmiedete Eisen häufig viel Gewicht hinter dem Sweet-Spot haben. Daraus ergibt sich das unterschiedliche Gefühl, das aus wissenschaftlicher Sicht sowieso höchst subjektiv zu bewerten und nicht messbar ist, im Treffmoment, je nachdem, wie gut man den Ball getroffen hat.

Gehen Sie zum Fitter

Stellt sich also abschließend die Frage, was Sie aus diesem Artikel mitnehmen können. Welche Eisen brauchen Sie nun? Die Antwort ist leicht: Die, die zu ihrem Spiel passen und mit denen Sie zufrieden sind. Es geht bei einem passenden Schläger um viel mehr als um die Herstellungsart des Schlägerkopfes: Sie müssen über dem Ball stehen und mögen, was Sie sehen, Sie müssen sich mit ihren Schlägern wohl fühlen. Ob es sich dabei um einen geschmiedeten oder gegossenen Schlägerkopf handelt, ist zweitrangig.

Da ist der Schaft als „Getriebe des Schwungs“ von höherer Bedeutung, als der Schlägerkopf – ein guter Schaft mit schlechtem Schlägerkopf wird Ihnen bessere Ergebnisse bringen, als ein guter Schlägerkopf mit einem schlechten Schaft. Gehen Sie zum Fitter und lassen Sie sich beraten, um das passende Equipment zu finden.

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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