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Hat Golf das Zeug zum Breitensport?

10. Dez 2014
Ist Golf ein Spiel für jedermann? Unendlich günstig sein kann es in jedem Fall nicht; dafür ist Golf zu kostenintensiv. (Foto: Getty)
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Immer wieder wird gefordert, Golf müsse zum Breitensport gemacht werden. Muss er wirklich? Geht das überhaupt?

Dem Golfsport laufen weltweit die Spieler davon. Der DGV hat sich gerade von seinen Mitgliedern das Plazet für die größte Werbekampagne seiner Geschichte geben lassen. In England werden künftig vor allem Frauen und Mädchen umgarnt. In Australien sind 50 Prozent der Clubs klamm. Die USA haben seit 2005 rund 4,7 Millionen registrierte Golfer verloren. Und jetzt kommt die Prognose: Das Blatt wird sich nicht signifikant wenden! Allenfalls wird der Abwärtstrend gestoppt, wenn demnächst die geburtenstarken Jahrgänge der heute 40- und 50-Jährigen dem Buhlen erliegen und mit Golf pro-aktiv altern wollen.

Golf ist ein anspruchsvolles Spiel, dem man sich ziemlich verschreiben muss, um dauerhafte Erfolgserlebnisse zu verbuchen. Mit einem schwierig zu erlernenden komplexen Bewegungsablauf und komplizierten Rahmenbedingungen wie Regeln und Zählweisen, Zeitaufwand und Mobilität. Nur sehr bedingt geeignet für unsere schnell- und kurzlebige Zeit, in der die von Freizeitangeboten überfluteten Menschen hier ein bisschen Entertainment, da ein wenig Thrill und dort etwas Amüsement finden.

Veränderte Freizeitkultur

Das steckt in Wahrheit hinter dem globalen Schwund an Clubgolfern: Die veränderte Freizeitkultur. In der sogenannten „ersten Welt“ ist aus der Passions- eine reine Spassgesellschaft geworden. Die US-Golfclub-Managerin Megan Hawk bringt es ganz gut auf den Punkt: „Golf war Teil der erfolgsorientierten Kultur. Die Zugehörigkeit zu einem Club vermittelte das Gefühl: Man hat es geschafft. Heute ist Golf eher eine Form von Entertainment denn ein Statussymbol. Viele moderne Golfspieler wollen Erfahrungen sammeln, statt immer nur mit denselben Leuten im selben Club zu spielen.“

In Großbritannien, Australien oder den USA ist das Spiel gesellschaftlich akzeptiert, daran kann‘s nicht liegen. Auch nicht an mangelnder TV-Präsenz, Golf flimmert dort allenthalben über die Mattscheibe. Es geht nicht mal ums Geld, die Leute fahren weiterhin in Skiurlaub, pimpen ihre Autos, kaufen teure elektronische Gadgets. Sowieso sind in den USA 80 Prozent aller Golfplätze öffentlich und der Greenfee-Durchschnitt liegt bei 26 Dollar.

Dumping-Preise sind Selbstmord

Spätestens jetzt heißt es wieder: Golf muss halt billiger werden. Aber: Das ist realitätsfremd! Deutschland ist eine dicht besiedelte Industrie- und Kulturlandschaft, es gibt kein immenses Potential an Brachflächen wie in den USA oder in Großbritannien, wo zudem noch andere Strukturen bei Lohn- und Lohnnebenkosten herrschen.

Golf wird hierzulande nie und nimmer ein Spiel fürs schmale Portemonnaie. Es ist die kulturflächenintensivste Sportart, die dem Autor bekannt ist. Will heißen: Das Spiel braucht Platz, der kostet Geld und muss permanent in Schuss gehalten werden. Im aktuellen DGV-Betriebsvergleich wird der durchschnittliche Pachtpreis für eine Neun-Loch-Anlage mit jährlich 1.778,33 Euro je Hektar ausgewiesen. Die Greenkeeping-Personalkosten liegen im Mittel pro anno bei knapp 200.000 Euro. Dazu kommen weitere 100.000 Euro für Betriebsmittel. Von Investitionen und Kapitaldienst gar nicht zu reden.

„Discount“-Plätze tragen sich nicht“

Diese Leistungsbereitschaft muss permanent vorgehalten werden. Niemand kann erst anfangen zu düngen, mähen, aerifizieren etc., sobald Startzeiten-Reservierungen in ausreichender Menge vorliegen. Wenn Golfanlagen den hohen Anteil der Fixkosten aus der Gebühren-Rechnung ausklammern, um den geneigten Interessenten mit Dumping-Preisen und rabattierten Greenfees zu ködern, dann ist das mittelfristiger wirtschaftlicher Selbstmord.

Das gilt auch für die vielfach geforderten „Discount“-Plätze mit simpel gewalzten Wiesen, ohne Konturen, ohne Landschaft. So was trägt sich einfach nicht. Weil jeder Infizierte flugs auf einen „richtigen“ Golfkurs abwandern wird. Hand aufs Herz: Wer bleibt so einem Acker treu, wenn woanders Fairways, Bunker und Grünskomplexe mit aufregender Modellierung samt schickem „Einkehrhaus“ warten? Der Ruf nach kommunalen Plätzen ist angesichts notorisch „blanker“ Städte, denen schon das Geld für Schwimmbäder, Büchereien oder Theater fehlt, erst recht absurd.

Golf schüchtert ein

Bei der TaylorMade-Ideensammlung „Hack Golf“ in den USA haben sie ohnehin ausgemacht, dass Golf die meisten Nichtgolfer schlichtweg einschüchtert: Das Erlernen des Schwungs, die Regeln, die Etikette, die Kleiderordnung…

In Deutschland kommt das schlechte Image dazu. Das lässt sich mit allem Werbegeld der Welt nicht ändern, wenn der von einer Rosamunde-Pilcher-Romantik verführte Interessent im Golfclub vor Ort aufgrund von Marktferne, mangelnder Willkommenskultur und Servicequalität sowie nicht zuletzt der Attitüde vieler Golfer bald wieder vergrault wird. Getreu der Devise „all business is local“ liegt hier nämlich der Hase im Pfeffer.

Das sind die Barrieren, die – im Verein mit Regeln, Regularien und Rechenspielchen ums Handikap – geschleift werden müssen. So würde das Spiel wenigstens schon mal zugänglicher. Eine ketzerische Frage bleibt: Warum eigentlich muss Golf unbedingt auch noch Breitensport werden?

Wie sehen Sie das: Muss und kann Golf Breitensport werden?

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Robin Bulitz

Robin Bulitz - Redakteur bei Golf Post

Robin ist im Alter von 22 Jahren aktiv zum Golfsport gekommen und seitdem Feuer und Flamme. Durch seine sportlichen Erfahrungen im Handball und Tennis konnte er sich schnell mit der kleinen, weißen Kugel arrangieren und kratzt inzwischen am Single-Handicap. Ab Februar 2016 zunächst als Werkstudent, mischt Robin seit August im Tagesgeschäft mit und testet besonders das umfangreiche Equipment auf Herz und Nieren.

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