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Wieder steigende Golferzahlen: UK zählt elf Millionen Golfer

28. Okt 2015
Der CEO der European Tour inmitten einer Meute von Kids beim Street Golf Festival im Rahmen des British Masters Anfang Oktober 2015. (Foto: Getty)
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Einbruch der Spielerzahlen reduziert, Interesse reanimiert: Studie der European Tour offenbart breitere Zielgruppen für Akquise.

Sie haben Golf zu dem Spiel gemacht, das wir lieben, und sie sind wohl auch die ersten, die den Sport aus seiner Talsohle holen: Aus dem Vereinigten Königreich kommen positive Nachrichten, jenseits des Ärmelkanals sind viel mehr Menschen mit Golf beschäftigt, als gemeinhin angenommen wurde. Jedenfalls hat das die European Tour anlässlich des British Masters ermittelt, mit einer „Golf Actives Study“, der ersten dieser Art. Elf Millionen Menschen engagieren sich demnach aktiv im Bereich Golf, 9,3 Millionen Erwachsene und 1,7 Millionen Jugendliche, rund ein Sechstel der UK-Bevölkerung.

„Es ging uns um ein komplettes Bild der Aktivitäten in Verbindung mit Golf“, sagt der neue Tour-Chef Keith Pelley und sieht aus, als würde er sich gleich zufrieden die Hände reiben: „Die Studie legt nahe, dass unser Sport im Grunde sehr gesund ist und dass sich lediglich die Art der Teilnahme am Spiel ändert, weil die jungen Leute mehr Möglichkeiten haben, unser wundervolles Spiel zu erleben.“

Hier die ganze Untersuchung nachlesen. (Foto: European-Tour-CEO Keith Pelley mit seinem Sohn Jason, © Getty)

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zur ganzen Studie. (Foto: European-Tour-CEO Keith Pelley mit seinem Sohn Jason, © Getty)

Kürzere Runden so beliebt wie 18 Loch

Blühende Golflandschaften auf den britischen Inseln also, nach dramatischen Einbrüchen und als allein den Engländern seit 2008 rund 400.000 Golfer abhanden kamen? Soweit ist‘s noch nicht. Die European Tour hat nämlich jeden gezählt, der ansatzweise mit Golf zu hat, vom Computerspieler (1,7 Millionen) bis zum Minigolfer (2,4 Millionen). Aber das ist richtig so!

Früher notierten auch die Briten bloß mit schreckensblassen Mienen die regelmäßigen erwachsenen 18-Loch-Spieler, laut Tour-Studie momentan 3,5 Millionen. Dem stehen jedoch 2,2 Millionen regelmäßige Neun-Loch-Nutzer und 1,2 Millionen Kurzplatz-Liebhaber gegenüber. Will heißen: Der Sport und seine Erscheinungsformen in einer modernen Freizeitgesellschaft haben sich gewandelt und es gibt längst sehr unterschiedliche Zielgruppen, die individuelle Gewinnungsmaßnahmen erfordern.

Begeisterte Kids beim Street-Golf

Ein Beispiel: Während in Deutschland die per Studie ermittelte computerfixierte Jugend von vornherein als nicht „rekrutierbar“ abgeschrieben wird, hat die European Tour mit ihrem „Street Golf Festival“ beim British Masters bewiesen, dass sich die Kids sehr wohl hinter‘m digitalen Ofen hervor locken lassen. „Spielen sie auf einem 18-Loch-Golfplatz? Nein, noch nicht!“, kommentierte Pelley das Geschehen. „Doch sie golfen irgendwie und haben Spaß daran!“ Natürlich bleibe die 18-Loch-Runde der Höhepunkt des Golfspiels, „sie darf jedoch nicht mehr die alleinige Grundlage für die Ermittlung von Golfinteresse sein“. Und letztlich auch nicht der Maßstab für eine moderne Struktur des Spiels.

Im „United Kingdom“ stellen sie staubige Traditionen und alte Zöpfe zur Disposition. Die Verbände fördern Jugendmanager in den Clubs, die sich ausschließlich um den Nachwuchs kümmern, neue Spielformen und -formate werden initiiert und unterstützt, unlängst stellte Solheim-Cup-Kapitänin Carin Koch als Rednerin auf der „Golf Show“ Harrogate ganz offiziell die „J-Frage“. „Als Anfänger habe ich das ganze Golfzeugs nicht: Wenn ich an Sport denke, kommen naturgemäß zuerst Jeans und Jogginghose in den Sinn“, sagte die Schwedin: „Das indes sei nun mal verboten, was viele Neulinge und gerade Frauen abschrecke, plädierte die Schwedin für niedrigere Barrieren. „Das Outfit kommt später eh automatisch.“

Gleiche Tees für mehr Geselligkeit

Ein weiteres Beispiel ist der Verzicht auf geschlechterspezifische Tees. Über 30 Clubs haben Damen- und Herrenabschläge abgeschafft, ihrem Platz aktuelle Ratings für die unterschiedlichen Längen sowie für Damen- und Herren verpasst und die Scorekarten neu drucken lassen, Tendenz steigend. „Es geht darum, den Platz für jede Spielstärke optimal nutzbar zu machen“, erklärt Gemma Hunter, die beim Amateurverband „England Golf“ für Handicap und Kursrating zuständig ist.

So schlagen jetzt Frau und Mann, Opa und Enkel, gute und schwächere Spieler vom gleichen Tee ab, wenn‘s dem Wunsch nach Geselligkeit dient, keine ambitionierte Golferin wird mehr schief angeguckt, wenn sie am Herren-Standardabschlag aufteet, kein Senior muss sich komisch vorkommen, weil er seiner schrumpfenden Schlagdistanz am Damen-Abschlag Tribut zollt.

Golfvergnügen auf dem Abstellgleis

Auf diese Weise haben es die Briten geschafft, die Negativtendenz zu stoppen und das abflauende Interesse am Golf zu reanimieren. Vergangenes Jahr wurden nurmehr rund 10.000 Gelegenheitsspieler verloren.

Und in Deutschland? Da lanciert der DGV eine millionenschwere Werbekampagne und bejubelt 3.300 Interessierte, die heuer mehr zur Golferlebniswoche kamen, als im bisherigen Rekordjahr 2013 zu einem Golferlebnistag, bei 475 teilnehmenden Golfanlagen gegenüber 375 vor zwei Jahren zudem. Derweil hängen die Werbeplakate für den 19-Euro-Schnupperkurs auf gottverlassenen bayerischen Provinzbahnhöfen am Abstellgleis und in norddeutschen Golfanlagen hinter der Tür zur Herrenumkleide. Zugegeben, das war jetzt ein bisschen polemisch; die Golfer-Zahlen für 2015 werden mit Spannung erwartet…


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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Habe im Forum dazu was geschrieben – ich mag den Ansatz den die Briten dort gegangen sind.

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