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Gary Player im exklusiven Interview: „Ich liebe Bernhard Langer“

Im Exklusiv-Interview mit Golf Post spricht Gary Player über seine Fitness, die Veränderungen im Golf und Bernhard Langer.

Gary Player sprach exklusiv mit Golf Post über seinen Werdegang, Veränderungen im Golfspiel und Bernhard Langer. (Foto: Getty)
Gary Player sprach exklusiv mit Golf Post über seinen Werdegang, Veränderungen im Golfspiel und Bernhard Langer. (Foto: Getty)

Gary Player hat Legendenstatus. Der mittlerweile 82-Jährige ist nach wie vor topfit und meinungsstark. Auf seine Leistungen, damit hält er nicht hinter dem Berg, ist er stolz. Heute beschäftigt er sich weniger mit seinem Golfspiel und genießt dafür mehr Zeit mit seiner Familie. Zeit, die er aufgrund seiner vielen und langen Reisen früher nicht hatte. Den Golfsport begleitet Player trotzdem nach wie vor und sagt: "Nichts ist so geblieben, wie es war." Ein Gespräch über Fitness, Veränderung und die Konstante Gary Player.

Golf Post: Trotz Ihres Alters sind Sie bekannt dafür, dass Sie unglaublich fit und stark sind. Waren Sie der Erste, der Fitness vor vielen Jahren in den Golfsport brachte?

Gary Player: Ich war definitiv derjenige, der mit Fitness im Golfsport angefangen hat. Als ich ein junger Mann war, hat niemand Gewichte gestemmt. Sie haben gesagt: "Gary Player wird niemals in der Lage sein, Golfturniere zu gewinnen, wenn er älter als 35 ist." Ich bin jetzt 83 und ich habe mein letztes Turnier auf der US-Tour im Alter von 63 Jahren gewonnen (die Northville Long Island Classic 1998 auf der Champions Tour, Anm. d. Red.) und ich bin wahrscheinlich fitter als die meisten Leute auf der Welt mit 30 sind. Sehr wenige 30-Jährige auf der Welt würden mich in einem Fitness-Wettbewerb im Studio besiegen. Sehr wenige.

Es macht mich sehr glücklich, heute diese jungen Profis zu sehen, die trainieren. Dass ich damit begonnen habe, das ist mein Vermächtnis. Dass ich Turniere gewonnen habe, das werden sie wahrscheinlich vergessen, aber in Bezug auf die Fitness werden sie sagen: "Dieser Mann hat uns beigebracht, auf unseren Körper zu achten."



Golf Post: Wie kamen Sie auf die Idee, Fitness in den Golfsport zu bringen?

Gary Player: Da war ich noch sehr klein. Damals zog mein Bruder im Alter von 17 Jahren in den Krieg, meine Schwester ging auf's Internat und mein Vater arbeitet in einer Goldmine, 3.000 Meter unter der Erde. Ich kam heim von der Schule - anderthalb Stunden Hinweg, anderthalb Stunden Rückweg - in ein einsames Haus. Ich kochte mein eigenes Essen, bügelte meine eigene Kleidung, lag nachts im Bett und wünschte mir, ich wäre tot. Das ist der Grund, warum ich ein internationaler Champion wurde: Um zu kämpfen. Um durchzuhalten. Um Probleme zu haben. Das macht einen zum Champion.

Und das ist es, was mir heute bei den jungen Leuten Sorge bereitet. Sie haben alles. In China sind die Kinder schon um fünf Uhr morgens wach, um Tai Chi zu trainieren und geistige Stärke. Sie essen richtig, nicht zu viel. Ich sagte heute noch zu einem Jungen: "Du hast alle diese Annehmlichkeiten. Die meisten Menschen auf der Welt haben keine davon. Keine!" Milliarden von Menschen werden das niemals in ihrem Leben haben. Aber wir denken, es sei alles selbstverständlich: Kleidung, Fernsehen, ein Auto, ein schönes Bett, eine schöne Schule - aber die meisten Menschen haben das alles nicht!



"Sie haben Bälle zwischen meine Beine geworfen, weil ich aus Südafrika kam"

Golf Post: Sie sind also dankbar für jeden Moment?

Gary Player: Ja. Wenn man es auf den Sport beziehen will, muss man das haben, was Rafael Nadal (Tennisspieler, Anm. d. Red.) hat: Eine Leidenschaft. Sie wollten mich töten, jeden Tag, für zwei Jahre meines Lebens, weil ich aus Südafrika kam, wo es die Apartheid gab. Ich habe die PGA Championship verloren - sie haben Telefonbücher nach mir geworfen, während ich spielte. Ich richtete meine Augen auf den Ball, sie haben mich auf dem Grün angegriffen, Bälle zwischen meine Beine geworfen, während meines Rückschwungs geschrien. Ich verlor mit einem Schlag Rückstand, aber ich war bereit dafür, weil ich mich vorbereitet hatte.

Um ein internationaler Champion zu werden braucht es eine Menge Disziplin, eine Menge Hingabe. Die ganzen jungen Spieler, die herumreisen, spielen und all das Geld gewinnen, haben ein sehr einsames Leben. Ich habe 65 Jahre lang in jeder Woche meines Lebens in anderthalb Motels gewohnt. Weg von meinen Kindern, von meiner Familie, von meinem Land, meinen Freunden. Es ist ein großes Opfer - nicht das, was die Leute sich immer ausmalen.

Golf Post beim Treffen mit Gary Player: Robin Bulitz, Gary Player, Matthias Gräf und Tobias Hennig (v.l.n.r.). (Foto: Golf Post)

Golf Post beim Treffen mit Gary Player: Robin Bulitz, Gary Player, Matthias Gräf und Tobias Hennig (v.l.n.r.). (Foto: Golf Post)





Golf Post: Was ist denn besser: Ein aktiver Profi zu sein, wie Sie es so viele Jahre waren, oder das Leben danach, mit mehr Zeit für Familie und Freunde?

Gary Player: Gute Frage! Ich war besessen davon, ein Champion zu werden. All diese Turniere zu spielen, hat mir soviel bedeutet und ich habe nie vergessen, mich zu bedanken. Ich bin sehr religiös und ich bedanke mich fünfmal am Tag. Wenn ich etwas zu Essen habe, sage ich danke. Wenn ich ein Kleidungsstück anziehe, sage ich danke.

Als ich also auf dem Weg zum internationalen Champion war, war das eine wunderbare Zeit in meinem Leben. Und es ging so schnell vorbei (schnipst mit den Fingern). Erst gestern habe ich das Masters und die British Open gewonnen und all die Zeit ist geflogen. Jetzt tue ich eine Menge Dinge weltweit für arme Menschen, weil ich selbst einmal arm war. Das macht mir große Freude. Ich designe eine Menge Golfplätze - ich liebe es, Golfplätze zu gestalten. Ich bin ein Farmer und ich bin ein Golfer.

Meine Blütezeit hatte ich als Golfer. Ich spiele immer noch und trainiere hart, ich spiele noch immer vier Turniere pro Jahr, obwohl ich über 70 bin. Mein großes Ziel ist es, mein eigenes Alter um 18 Schläge zu unterbieten. Neulich habe ich es um 15 Schläge unterboten, mit nur zwei Bogeys - und das mit einem Sandwedge! Wenn ich lange genug lebe, werde ich es schaffen! Niemand hat das jemals getan, also würde ich es gerne schaffen.

Ich bin sehr beschäftigt. Ich habe 22 Enkelkinder, ein Urenkel und sechs Kinder, also ist mein Leben ziemlich voll. Ich glaube nicht an Stillstand - man muss in Bewegung bleiben, sonst wird man fett. Und wenn man fett wird, beginnt man zu sterben. Wenn Sie Übergewicht bekommen, machen Sie sich klar, dass Sie anfangen zu sterben. So einfach ist das.

"Ich war schon an der Reihe und er hat mich in Sachen Majors geschlagen"

Golf Post: Sie sprachen darüber, Ihr eigenes Alter um 18 Schläge zu unterbieten. Es gab da ein Gerücht um Bernhard Langer und seine Senioren-Majors - im Moment sind es zehn, damit hat er die meisten...

Gary Player: ...korrekt, und niemand freut sich mehr darüber als ich. Ich liebe Bernhard Langer!

Golf Post: Wie wär's denn mit einer Rückeroberung des Titels?

Gary Player: Nein, nein, nein! Das wäre, wie Mohammed Ali zu sagen, er habe noch einen Kampf zu bestreiten, um der Champion zu werden. Das wäre verrückt. Nein, ich war schon an der Reihe und er hat mich in Sachen Majors geschlagen: Ich hatte die meisten, vor (Jack) Nicklaus - und jetzt hat Bernhard die meisten gewonnen. Ich mag ihn sehr und es gäbe keinen besseren Mann dafür. Deutschland hatte nie einen besseren Botschafter. (Michael) Schumacher, (Boris) Becker, sie alle waren für wesentlich weniger Jahre an der Spitze, aber Bernhard wird für 60 Jahre Botschafter sein! Es gibt niemanden, der ihm da das Wasser reichen könnte. Er hat zwei Masters gewonnen und jede Menge andere Turniere, er hat mich besiegt und ich sage: Gut gemacht. Aber eines hat er nicht geschafft: Er konnte nicht den Karriere-Grand-Slam auf der Seniorentour UND auf der normalen Tour holen. Ich bin bisher der Einzige, der das geschafft hat.

Golf Post: Abgesehen vom Fitness-Faktor, der im Golfsport derzeit ganz groß ist - was hat sich im Golf am meisten verändert?

Gary Player: Alles! Es ist nicht mehr dasselbe Spiel! Der Ball fliegt 50 Yards weiter - 50 Yards! Dann das Preisgeld - heute spielt man jede Woche um eine Millionen US-Dollar Preisgeld, wir haben damals für 15.000 Dollar gespielt. Und die Flugzeuge - wir haben noch den Bus genommen. Ich habe früher mit dem Flugzeug 40 Stunden in die Vereinigten Staaten gebraucht; es gab keine Jets, keine Betten, keine Kopfhörer, keine Fernseher - und das für 40 Stunden! Wieviel besser wäre es mir ergangen, wenn ich heute jung wäre! (lacht)

Golf Post: Wenn Sie auf die letzten vier Dekaden im Golfsport zurückschauen - gab es da eine Zeit, die sie am liebsten mochten?

Gary Player: Ich mochte meine eigene Zeit am liebsten. Man war viel persönlicher mit den Menschen damals - ich habe bei Leuten im Haus übernachtet, als ihr Gast. Das gibt es heute nicht mehr. Heute ist Golf "Big Business" und das ist verständlich. Die Spieler steigen in ihr Flugzeug und sind weg, weil sie zum nächsten Turnier müssen. Für mich war es damals nicht so einfach, zum nächsten Turnier zu kommen. Es ist alles anders heute! Die Grüns hatten damals Spike-Marken, 200 davon. Die Bunker hat man mit dem Fuß gerecht. Die Fairways waren länger und die Grüns...ich habe nie solche Grüns gespielt. Nichts ist so geblieben, wie es war.

"Ich habe nie mehr jemanden spielen gesehen wie Nicklaus"

Golf Post: Wen schauen Sie sich auf der Tour am liebsten an?

Gary Player: Ich schaue gerne Tommy Fleetwood zu, aber grundsätzlich schaue ich sie mir alle gerne an. Ich mag junge Menschen. Was ich nicht mag, sind Menschen ohne Manieren, aber alle Jungs, die ich bis jetzt getroffen habe, haben gute Manieren. Ich mag Sergio - ach, ich mag sie alle! Allerdings habe ich nie mehr jemanden spielen gesehen wie Nicklaus.

Golf Post im Gespräch mit Gary Player. (Foto: Golf Post)

Golf Post im Gespräch mit Gary Player. (Foto: Golf Post)

Golf Post: Wer war denn Ihrer Meinung nach wichtiger für das Golfspiel - Nicklaus oder Tiger?

Gary Player: Beide. Sie haben beide soviel für das Spiel getan. Aber man sollte auch die Leute nicht vergessen, die vor 100 Jahren lebten, wie Bobby Jones. Er ist noch immer der größte Champion in der Geschichte des Golfspiels. Er war ein Gentleman, ein Anwalt - und der beste Spieler seiner Zeit.

Man kann Tiger Woods und Jack Nicklaus schlicht nicht vergleichen. Das ist schlicht unmöglich, weil nichts mehr so ist wie damals. Wenn Sie sich Tiger Woods vorstellen mit 18 Majorsiegen und Nicklaus läge dahinter - ich garantiere Ihnen, Nicklaus hätte 22 gewonnen! Wenn Sie Tiger Woods und Jack Nicklaus gegenüberstellen würden, beide auf der Höhe ihrer Leistung, mit dem gleichen Driver, denselben Grüns, und so weiter...

Bester Schwung aller Zeiten: Ben Hogan. Bester Athlet: Sam Snead. Meistgereister Sportler: Ich. Beste Bilanz weltweit: Ich. Sie verstehen: Weltweit. Ich habe in Australien, in Südafrika, in Brasilien, in England, in Amerika gewonnen. Ich rede über eine weltweite Bilanz. Die meisten Spieler können in den Vereinigten Staaten gut spielen, aber nicht, wenn sie hierher nach Europa kommen. Es macht einen großen Unterschied, gegen jemanden in seinem eigenen Land anzutreten. Man spricht die Sprache nicht, kann die Zeitung nicht lesen... heute ist alles etwas anders. Man hat den Fernseher mit all den verschiedenen Kanälen. Als ich damals herkam, gab es nur einen Kanal und der war deutsch. Es gab nur deutsche Zeitungen, ich konnte mir noch nicht das "Wall Street Journal" holen. Heute leben wir in einer anderen Welt.

"Der Ball ist das größte Problem"

Golf Post: Wenn Sie sich als Golfplatzarchitekt die aktuellen Veränderungen im Spiel anschauen: Glauben Sie, man muss längere Plätze bauen oder den Ball anpassen?

Gary Player: Der Ball ist das größte Problem, das die Golfplatzarchitektur hat. Er fliegt inzwischen 50 Yards weiter. Also kann man heute keinen Championship-Platz mehr bauen, ohne ihn lang zu konzipieren. Was macht man also? Man braucht mehr Land, das wiederum macht die Farmer und den Staat wütend. Man braucht mehr Wasser, die Öffentlichkeit wird wütend. Keinem Golfplatz in Deutschland sollte es erlaubt sein, frisches Wasser zu nutzen. Man sollte wieder aufbereitetes Wasser nehmen müssen, weil ihnen das Wasser sonst ausgehen wird.

Der Ball sorgt also für Chaos. Die Kosten steigen: Wasser, Dünger, Maschinen - wissen Sie, was ein Mäher kostet? Dabei sollten die Kosten sinken, wir sollten das Spiel schneller machen und günstiger. Wir sind in die falsche Richtung unterwegs, weil der Ball eben das große Problem ist. Dustin Johnson hat zuletzt einen Drive 489 Yards weit geschlagen. Die Menschen werden immer größer und irgendwann wird jeder so weit schlagen. Dann spielt jeder den Platz nur noch mit Driver und Wedges! Das muss aufhören. Sie sollten das Geld ausgeben, um den Ball zu verändern und die Plätze kürzer machen. Dann könnte man einige Häuser auf den Golfplatz bauen und damit Geld verdienen - die meisten Golfplätze haben ja kein Geld.

Das Interview führten Matthias Gräf, Robin Bulitz und Tobias Hennig

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2 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Detlef Wagner

    Spitzen Bericht,super Typ! Danke VG

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  2. fantastisches Interview :-)

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