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Für eine bessere Golf-Zukunft: Weg mit alten Zöpfen!

03. Jan 2015
Weg mit den alten Zöpfen! - Wo ansetzen, um Golf nach vorne zu bringen? (Foto: Getty)
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Zeit, Geld, Kompliziertheit und Image haben sich zum gordischen Knoten verdichtet. Einige Denkanstöße für die Fitness des Spiels.

Ein bisschen klingt’s wie Verzweiflung: Sandy Jones, Chef der britischen PGA, hat vorgeschlagen, das Werben um neue Mitglieder auf Verwitwete zu fokussieren. Golf als Mittel gegen Einsamkeit. Der Deutsche Golf Verband hingegen fischt künftig in den geburtenstarken Jahrgängen. Unter saturierten „Best Agern“ mit Tagesfreizeit, die sich einen funktionalen Seniorenschwung aneignen, das Regel- sowie sämtliches Beiwerk verinnerlichen und fürderhin als stolze Clubgolfer das Spiel repräsentieren, vor allem aber sich! Da sind sie, Golfs vier apokalyptische Reiter: Geld, Zeit, Kompliziertheit und Image.

Dieses Quartett hat sich längst zu einem gordischen Knoten verdichtet, der dem Sport weltweit schwer im Magen liegt. Ihn gilt es zu zerschlagen, um den Spielerschwund einzudämmen und ein eher reliktisches Hobby für eine moderne, schnelllebige Freizeitgesellschaft aufzupeppen und fit für die Zukunft zu machen. Das impliziert eine gewisse Radikalität: Weg mit alten Zöpfen!

Zweiteilung der Systematik?

Golf ist – man kann es nicht oft genug betonen – ein anspruchsvoller Sport. Der hochkomplexe Bewegungsablauf und der ebenso großflächige wie pflegeintensive Platzbedarf sind schon Hürden genug. Es braucht keine multiplen Möglichkeiten, um einen neuen Ball zu spielen, wenn der alte nass geworden oder im Aus gelandet ist. Oder zig Faktoren, um ein Rundenergebnis zu ermitteln. Jedenfalls nicht für den Freizeitgolfer, schon gar nicht für Anfänger. Die schreckt das aufgeblähte Regelwerk allenfalls ab. Ausdünnen!

Vielleicht muss es tatsächlich die ab und an visionierte Zweiteilung der Systematik geben: Bei den Profis und den ambitionierten Amateuren kann gerne geregelt und gepuffert werden, was die Bürokratie hergibt. Bei den Hobbyspielern jedoch sollte es zuvorderst nach dem selbst vom regelwütigen R&A deklamierten Golf-Grundgesetz zugehen: Der Ball ist zu spielen wie er liegt; der Platz ist zu spielen wie er ist! Je einfacher, desto besser, desto weniger abschreckend.

McIlroy: „Das muss schneller gehen!“

Nur authentisch sollte es bleiben. Das hat die Erfahrung mit Abwandlungen der Spielform längst gezeigt: Siehe das 15-Inch-Loch, allenfalls ein Spaßvariante für „fertige“ Golfer. Immerhin muss man Schläger und Ball trotzdem handhaben und bis zu 680 Muskeln koordiniert in Aktion versetzen, um den pizzagroßen Krater auf dem Grün überhaupt zu erreichen. Und Zählbares fürs Handicap gibt‘s auch nicht.

„Keep it simple“: Das ist der Weg. Selbst Rory McIlroy hat dieser Tage für eine Vereinfachung des Spiels plädiert. „Die Zeiten, in denen man fünf, sechs Stunden auf dem Golfplatz sein konnte, sind vorbei“, sagte der Weltranglistenerste. „Das muss schneller gehen!“

Wer erinnert sich noch an den Aufschrei in der Golfgemeinde, als vor Jahren die vorgabewirksame Neun-Loch-Runde propagiert wurde? Heute ist das zufrieden gelebte Praxis. Was spricht also gegen die Sechs-Loch-Runde! Die ordnungsliebenden Gralshüter werden gewiss eine praktikable Handicap-Adaption finden.

Sportart mit zweifelhaftem Ruf

Das Preisgefüge soll an dieser Stelle nicht mehr angesprochen werden, wenngleich sich trefflich streiten ließe über Platzkosten, unrealistische, weil zu niedrige Greenfee-Preise oder ein Subventionsmodell namens Clubgolf, das vielfach in erster Linie beschworen wird, um grundsätzliche unternehmerische Makel und die Gesetze der freien Marktwirtschaft zu kaschieren. Reden wir stattdessen – noch mal – übers Image.

Golf ist eine Sportart mit zweifelhaftem Ruf. Und …
… so lange Anlagenbetreiber mit allenfalls 300 Mitgliedern es nicht für nötig halten, beim alljährlichen Golferlebnistag die Interessenten persönlich zu bewillkommnen;
… so lange Clubsekretärinnen einem Golfer mit anderswo ruhender Mitgliedschaft das Spiel gegen Greenfee verweigern, sich indes vom nächsten Kunden durch den bloßen Hinweis auf einen noblen Club in Übersee bezirzen lassen;
… so lange selbst auf einer Anlage in touristischer Lage die lokale Honoratiorenrunde dem golfenden Gast mit vereinsmeiernder Arroganz begegnet;
… so lange im vielzitierten „Local Business“ (siehe auch Marcel Siems Anmerkungen über Golfclubs) noch allzu oft derartige Attitüden herrschen:
Genau so lange wird Golf in Deutschland niemals eine in gesellschaftlicher Mehrheit akzeptierte und breites Interesse weckende, attraktive Sportart sein!

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Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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