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Für eine bessere Golf-Zukunft: Weg mit alten Zöpfen!

03. Jan 2015
Weg mit den alten Zöpfen! - Wo ansetzen, um Golf nach vorne zu bringen? (Foto: Getty)
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Zeit, Geld, Kompliziertheit und Image haben sich zum gordischen Knoten verdichtet. Einige Denkanstöße für die Fitness des Spiels.

Ein bisschen klingt’s wie Verzweiflung: Sandy Jones, Chef der britischen PGA, hat vorgeschlagen, das Werben um neue Mitglieder auf Verwitwete zu fokussieren. Golf als Mittel gegen Einsamkeit. Der Deutsche Golf Verband hingegen fischt künftig in den geburtenstarken Jahrgängen. Unter saturierten „Best Agern“ mit Tagesfreizeit, die sich einen funktionalen Seniorenschwung aneignen, das Regel- sowie sämtliches Beiwerk verinnerlichen und fürderhin als stolze Clubgolfer das Spiel repräsentieren, vor allem aber sich! Da sind sie, Golfs vier apokalyptische Reiter: Geld, Zeit, Kompliziertheit und Image.


Dieses Quartett hat sich längst zu einem gordischen Knoten verdichtet, der dem Sport weltweit schwer im Magen liegt. Ihn gilt es zu zerschlagen, um den Spielerschwund einzudämmen und ein eher reliktisches Hobby für eine moderne, schnelllebige Freizeitgesellschaft aufzupeppen und fit für die Zukunft zu machen. Das impliziert eine gewisse Radikalität: Weg mit alten Zöpfen!

Zweiteilung der Systematik?

Golf ist – man kann es nicht oft genug betonen – ein anspruchsvoller Sport. Der hochkomplexe Bewegungsablauf und der ebenso großflächige wie pflegeintensive Platzbedarf sind schon Hürden genug. Es braucht keine multiplen Möglichkeiten, um einen neuen Ball zu spielen, wenn der alte nass geworden oder im Aus gelandet ist. Oder zig Faktoren, um ein Rundenergebnis zu ermitteln. Jedenfalls nicht für den Freizeitgolfer, schon gar nicht für Anfänger. Die schreckt das aufgeblähte Regelwerk allenfalls ab. Ausdünnen!

Vielleicht muss es tatsächlich die ab und an visionierte Zweiteilung der Systematik geben: Bei den Profis und den ambitionierten Amateuren kann gerne geregelt und gepuffert werden, was die Bürokratie hergibt. Bei den Hobbyspielern jedoch sollte es zuvorderst nach dem selbst vom regelwütigen R&A deklamierten Golf-Grundgesetz zugehen: Der Ball ist zu spielen wie er liegt; der Platz ist zu spielen wie er ist! Je einfacher, desto besser, desto weniger abschreckend.

McIlroy: „Das muss schneller gehen!“

Nur authentisch sollte es bleiben. Das hat die Erfahrung mit Abwandlungen der Spielform längst gezeigt: Siehe das 15-Inch-Loch, allenfalls ein Spaßvariante für „fertige“ Golfer. Immerhin muss man Schläger und Ball trotzdem handhaben und bis zu 680 Muskeln koordiniert in Aktion versetzen, um den pizzagroßen Krater auf dem Grün überhaupt zu erreichen. Und Zählbares fürs Handicap gibt‘s auch nicht.

„Keep it simple“: Das ist der Weg. Selbst Rory McIlroy hat dieser Tage für eine Vereinfachung des Spiels plädiert. „Die Zeiten, in denen man fünf, sechs Stunden auf dem Golfplatz sein konnte, sind vorbei“, sagte der Weltranglistenerste. „Das muss schneller gehen!“

Wer erinnert sich noch an den Aufschrei in der Golfgemeinde, als vor Jahren die vorgabewirksame Neun-Loch-Runde propagiert wurde? Heute ist das zufrieden gelebte Praxis. Was spricht also gegen die Sechs-Loch-Runde! Die ordnungsliebenden Gralshüter werden gewiss eine praktikable Handicap-Adaption finden.

Sportart mit zweifelhaftem Ruf

Das Preisgefüge soll an dieser Stelle nicht mehr angesprochen werden, wenngleich sich trefflich streiten ließe über Platzkosten, unrealistische, weil zu niedrige Greenfee-Preise oder ein Subventionsmodell namens Clubgolf, das vielfach in erster Linie beschworen wird, um grundsätzliche unternehmerische Makel und die Gesetze der freien Marktwirtschaft zu kaschieren. Reden wir stattdessen – noch mal – übers Image.

Golf ist eine Sportart mit zweifelhaftem Ruf. Und …
… so lange Anlagenbetreiber mit allenfalls 300 Mitgliedern es nicht für nötig halten, beim alljährlichen Golferlebnistag die Interessenten persönlich zu bewillkommnen;
… so lange Clubsekretärinnen einem Golfer mit anderswo ruhender Mitgliedschaft das Spiel gegen Greenfee verweigern, sich indes vom nächsten Kunden durch den bloßen Hinweis auf einen noblen Club in Übersee bezirzen lassen;
… so lange selbst auf einer Anlage in touristischer Lage die lokale Honoratiorenrunde dem golfenden Gast mit vereinsmeiernder Arroganz begegnet;
… so lange im vielzitierten „Local Business“ (siehe auch Marcel Siems Anmerkungen über Golfclubs) noch allzu oft derartige Attitüden herrschen:
Genau so lange wird Golf in Deutschland niemals eine in gesellschaftlicher Mehrheit akzeptierte und breites Interesse weckende, attraktive Sportart sein!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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27 LESER-KOMMENTARE

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  1. Jetzt geht diese Debatte schon wieder los. Wie üblich in Deutschland wird nur an den Symptomen rumgedoktert. Die Kernpunkte wurden angesprochen aber die „Konservativen“ sträuben sich, wie im sonstigen Leben grundlegende Reformen anzugehen.
    – Weg mit dem blödsinnigen Handicapanforderungen wenn man auf anderen Plätzen spielen will. Ich kenne Flights mit durchschnittlichem HCP unter 15, die selten weniger als 5-6 Stunden für ein Turnier brauchen. International fragt kein Mensch nach einem Handicap (habe selbst Europa, Asien und Südafrika gespielt).
    – Radikale Vereinfachung der Regeln. Es gibt ganze Bücher, in denen wir uns über unsinnige Gesetze aus dem vorletzten Jahrhundert lustig machen. Aber beim Golf ist plötzlich alles anders.
    – Flexiblere Mitgliedsbeiträge, die es auch einem berufstätigen Familienvater ermöglichen zu annehmbaren Kosten ab und zu eine Runde zu spielen. In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Abschaffung der erhöhten Greenfees für Nichtmitglieder. Jeder Gast könnte ein zukünftiges Mitglied sein!
    – Sicher sind die Betreiberkosten zu berücksichtigen. Dann aber bitte mit Grüns, die nicht an einen Roschachtest auf Eierpappe erinnern und Bunkern, die vom Zustand und der Konsistenz an unsere maroden Autobahnbrücken erinnern.
    – Für die Etikette-Fanatiker der Hinweis: Wimbledon ist mittlerweile das einzige Tennisturnier, bei dem noch weisse Kleidung vorgeschrieben ist. Man kann auch in Jeans besser aussehen als der Mitspieler mit den zu kurzen und ausgebleichten Baumwollhosen und dem Shirt aus der Kleidersammlung. Das hat noch lange ncihts mit vernünftigem Verhalten auf dem Platz zu tun.
    Bei diesen Kernproblemen hilft auch kein Gespräch mit dem Pro. Da müssen sich Club-Vorstände und Verband an die eigene Nase fassen.

    Antworten

  2. Thorsten warias

    So Butter bei die Fische …… Ich spiele seid 33 Jahren Golf… Papa Golflehrer , Sohnemann Ex 0 HCP´ler ….

    und nun die bittere Wahrheit … Ich bin „oh nein “ arbeitslos .. und krank obendrauf. *Kein MItleid ich schaff es noch alleine zum Klo.
    Wenn ich zu einem Club gehe wie ich es getan habe und einfach nur frage ob es vergünstigt werden kann eben aus dem obengenannten Gründen wirste belächelt.

    Da muss ich mir doch tatsächlich von einer Clubsekräterin sagen lassen die in Ihrem Leben nie nen Ball gehauen hat .. „Arbeitslos“ entschuldigen Sie bitte aber hier spielen auch Kinder !!!! * origenal Zitat.

    Ich verbinde mit Golf alles was mir heilig ist… Mein komplettes Leben verbrachte ich auch dem grünen Rasen. Jetzt in dem neuen Zeitalter der „beschleunigten Gesellschaft“ zählt das doch garnicht mehr.
    Wirtschaftliches Denken steht an erster Stelle. Naja ich hab lieber einen Spieler der überhaupt etwas zahlt als keinen.

    Aber wer arbeitslos ist kann sich ja bestimmt keine Stoffhose leisten und muss seine Butterbrote mitbringen weil Clubhaus zu teuer ist…

    Echt mal … Wenn Sie Schicki Micki Gesellschaft für Top Verdiener im Golf wollen kaufen se sich ne Insel irgendwo im Pazifik bauen se da einen Platz hin. Es tümpeln genug Inseln irgendwo rum.

    Aber nein es muss ja im Ballungszentrum sein. Durch solch ein denken kommen die Leute auch nicht mehr zurück in den Sport die ihn verlassen haben. Nicht jeder kann mit seiner Geschichte so umgehen wie ich.

    Bestes Beispiel sind die Privat Clubs die einer nach dem anderen schliessen müssen weil sich das Verhältniss nicht deckt.

    Nur weil ich arbeitslos bin heißt das nicht das ich den Sport nicht mit jeder Faser meines Körpes liebe. Leider werden einem durch die Clubs die Steine in den Weg gelegt. Kein VCG – überteuerstes Greenfee – und so weiter ….

    Lieber einen 0 HCP´ler der arbeitslos ist als keinen auf dem Platz … und vielleicht mal nachdenken ob der „Aussenseiter der Gesellschaft“ nicht Freunde hat die vielleicht mal mit ihm mitkommen wollen.

    Golf stagniert durch das total unpassende denken einiger Clubs.

    Back to Roots ….. Holt die Kinder auf den Platz zuück mit Jung kommt Alt …

    Ich habe fertig .

    Antworten

    • Eugen Pletsch

      Wichtiger Beitrag, Thorsten, vielen Dank. Da ich gerade die Jubiläumsausgabe( 20 Jahre) meines Buches „Der Weg der weißen Kugel“ überarbeite, habe ich das Thema Arroganz im Clubsekretariat voll auf dem Schirm. Vielerorts ist es besser geworden, zumindest da, wo man das Geld braucht, aber ich weiß noch sehr gut, was es für mich als ‚Clubfreier‘ damals für ein Spießrutenlauf war, um überhaupt nur die Driving Range benutzen zu dürfen. Millionen haben die Clubfreien via VcG und Greenfees in den DGV und die Clubs gepumpt und dennoch werden vielerorts nach wie vor wie Parias behandelt. Hätte die VcG, das „schwachsinnige, aber reiche Mündel“ des DGV eine Verfügungsgewalt über die Vereinseinnahmen- was hätte man da alles bewegen können. Stattdessen wurden und werden diese Millionen vom DGV für jeden Blödsinn verplempert, weil den Clubs das eigene Geld dafür zu schade ist. (Stichwort: Aktuelle Golf-Kampagne).
      Ein anderes Modell habe ich mal vor etlichen Jahren in Schottland erlebt, als ich in einen Public Course in Edinburgh eincheckte und mit mir ein junger Mann. Wir spielten dann zusammen und er erzählte mir, dass er arbeitslos wäre, und deshalb Greefee-frei (oder zumindest sehr preiswert) spielen dürfe, weil die Community froh wäre, wenn junge Leute Golf spielen, anstatt auf der Straße rumzulungern. Ich weiß nicht, ob es das noch gibt, aber ich fand das damals Klasse. Jahre später hatte es mich selbst erwischt und ich hatte keinen Clubausweis mehr. Als mein bester Golfkumpel, ein gut situierter Engländer erfuhr, dass ich (Freiberufler) meinen Vertrag verloren und kein Geld zum Zocken (five, five & five) hatte, schaute er mich an und sagte: „You’re broke? Thats like playing with a Mexican.“ Dann packte er mich in sein Auto und wir fuhren zum (damals) US-Platz „Rheinblick“, Wiesbaden, wo ich ohne das sonst übliche Clubausweis-Geschiss mit auf die Runde gehen konnte, zu der er mich einlud. Solltest Du, Thorsten, jemals die Gegend von Gießen kreuzen, werde ich es (bei Voranmeldung) möglich machen, dass Du im Golfpark Winnerod als mein Gast abschlagen kannst. Bis dahin mit besten Wünschen.

      Antworten

      • Thorsten warias

        Ich war noch nie in Gießen 😀 sollte ich es bis dahin schaffen würde ich mich melden.

        Allerdings muss sich meines Erachtens erstmal das Bild vom Golfer im Jahre 2015 in den Köpfen einiger Leute neu bilden.
        Es sagt keiner das wir zerissene Jeans brauchen oder abgenutzte T – Shirts. Wir wollen nicht mitten auf dem 18ten Grün grillen oder stockbesoffen in das Seitliche Wasserhinderniss von Bahn 13 kippen.
        Mal ganz ehrlich wir kippen uns Eiswasser über die Birne und machen auf ALS aufmerksam, tolerieren aber keine „wenig verdienente Gesellschaft“ am Golfplatz.
        Wenn die „feinen Herrschaften“ unter sich seien wollen ist das völlig in Ordnung. Es ist ja genug Platz da. Aber sehr viele Clubs verlangen weit mehr als 1000 Euro im Jahr und haben dabei nen Platz der aussieht wie Dresden 1945 nach dem Angriff.
        Für mich selbst steht der Sport im Vordergrund nicht das Spiel. Ich bin ambitionierter Golfer mit Zielen die für den einen oder anderen nicht nachvollziehbar sind. D.h mehr Training als Spiel. Ich werde nie wieder mein 0 HCP bekommen ich bin mittlerweile 38 Jahre alt und hab die ein oder andere Verletzung. Wer aber mal da unten war will natürlich auch wieder ein bisschen tiefer und das geht nur mit Training. Sorry aber bei den Preisen ist das vllt mal 1 -3 mal im Monat drin. Das finde ich für mich persönlich zu wenig und suche neue Möglichkeiten einfach nur trainieren zu können.

        5 euro Rangefee + 2.50€ pro 34 Bälle – Ich brauch schon 300 um meine mittleren Eisen ins Ziel zu bewegen.
        Das geht nicht nur mir so sondern vielen vielen EX Spielern die alle im Bereich 0 – 3 HCP liegen und keinen Club mehr haben.
        Ich kann verstehen das die Betreiber wirtschaftlich arbeiten müssen aber ich verstehe die Rechnung einfach nicht… Lieber 3 die weniger zahlen als keinen …… aber nein man wartet bis einer kommt der „richtig“ zahlt nur damit man eventuell „Vollzahlenden Mitgliedern“ nicht auf den Schlips tritt, weil die sich in ihrer Ehre gekränkt fühlen nicht unter Ihres gleichen zu sein.
        Dabei würde das nicht mal einer mitbekommen dient nur als Argument der Clubs …
        Wir haben ein gewisses Ansehen was wir vertreten müssen …….

        Na vielen Dank auch …

        Amen

  3. Liebe Golfer,
    bei manchen der hier gemachten Bemerkungen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
    Immer wieder wird verglichen zwischen dem Golfsport in Deutschland und anderen Ländern.
    Ich habe angefangen Golf zu spielen, während meiner Dienstzeit bei der Britischen Luftwaffe auf einem Militär eigenen Golf-Platz in NRW. Das Handicap 54 gab es damals nicht, Herren begannen mit HCP 24 und Damen mit 28 (ich weiß nicht, wie es heute gehandhabt wird.)
    In Großbritannien haben wir neben den privaten Golfclubs sehr viele „Public Courses“ – Plätze die von den Städten und Gemeinden gebaut und verwaltet werden. Golf wird auf der Insel schon sehr, sehr viel länger gespielt. In Deutschland werden die Plätze meistens von Einzel-Inverstoren oder Betreibergesellschaften errichtet. Wenn man nun berücksichtigt, das so ein Golfplatz mehrere Millionen kostet, ist es nachvollziehbar das schnell viele Mitglieder nötig sind um die Investition rentabel zu machen.
    Die Idee, Neulingen ein HCP von 54 nach der Platzreife zuzuteilen, war in dieser Hinsicht eine geniale Idee. Trotz der damals sehr hohen Aufnahme-, Jahresgebühren und Auflagen gab es genug Reiche die sich für Golf begeisterten und es entwickelte sich ein elitärer Sport – zu dieser Zeit durchaus so gewünscht. Wir sollten diesen Leuten dankbar sein, ohne sie hätte sich Golf hier vielleicht nicht so etablieren können.
    Die Regeln und die Etikette sind nicht in Deutschland entwickelt worden, sondern entsprachen den Vorschriften der R&A in Schottland. Eine Kleiderordnung gab es von Beginn an, auch in Großbritannien. Es ist einfach dem Stil dieser eleganten Sportart geschuldet. Ich möchte keinen Streit, aber meine Meinung ist und bleibt: Bluejeans und T-Shirt gehören nicht auf einen Golfplatz. Ich persönlich finde es auch nicht gut, wenn Vorbilder wie Tiger Woods, Scott, Garcia usw. Hemden ohne Kragen tragen. Wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung.
    Ich unterrichte seit 23 Jahren Golf in Deutschland und habe viel erlebt ☺ . Es gab viele Änderungen und Neuerungen, manche gut, manche schlecht. Leider stehen wir Golflehrer immer zwischen Gut und Böse. Einerseits brauchen die Clubs neue Mitglieder, andererseits will der Neu-Golfer so schnell wie möglich auf den Platz. Also da haben wir den Betreiber, der Geld verdienen will und den Anfänger, der keine Lust hat sich mit Regelkunde, Etikette usw. abzuplagen.
    Nun gibt es zwei Möglichkeiten.
    Option 1: Mitglied werden, Platzreife schnell mal übers Wochenende machen und los. Diese Option kommt den Vorstellungen des Herrn Socket (der Name sagt schon alles) entgegen. Daraus ergeben sich dann die folgenden Probleme und hier spreche ich aus persönlicher Erfahrung.
    1. Spielstandard miserabel, trotz größter Mühe seitens des Golflehrers
    2. Ein Golflehrer mit Burnout, der sich fragt, wofür habe ich eine Ausbildung gemacht.
    3. mäßig begeisterte Mitglieder, die Ihren Platzreife Kurs in 12 Wochen anständig gemacht haben mit einem motivierten Golflehrer.
    4. verärgerte Stammspieler, die einen freien Tag geopfert haben, um für eine 9 Loch Runde in einem „Tiger Rabit“ Turnier mehr als 6 Stunden zu brauchen.
    5. alle folgenden „Tiger Rabit“ Turniere werden gestrichen, da sich keine „Tiger“ mehr finden lassen.
    6. wütende Mitglieder, die stundenlang hinter Hackern in Jeans und T-Shirt herschleichen müssen.
    7. Herr Hook und Frau Slice haben von Ihrem Tiger so viele Etikette-Strafschläge verpasst bekommen, dass sie „nie wieder ein Turnier spielen wollen.“
    8. Herr Socket freut sich über seinen „Longest Drive“ an Loch 5, bis man ihm erklärt, das Loch 5 ein Par 3 mit einer Länge von 120 m ist.
    9. Bei der Siegerehrung verlassen alle „alten Mitglieder“ fluchtartig das Clubhaus, begleitet vom einem laut gegrölten „WE ARE THE CHAMPIONS“.
    Fazit: Ein sehr ungemütliches Clubleben. Die Neulinge werden von den alten Hasen nachdrücklich ignoriert und „Auf keinen Fall“ mit in einen Flight genommen. Bei der Mitgliederversammlung herrscht Ausnahmezustand, 130 treten aus und 40% der Neuen verlieren den Spaß am Sport. Der Golflehrer muss sich vor dem Vorstand erklären, weil der Betreiber ihm die Schuld zuschiebt, nach dem Motto: „Der Golflehrer ist für den Platzreifestandard verantwortlich.“ Der Golflehrer verliert seine Glaubwürdigkeit unter den Mitgliedern, verdient nichts mehr und wechselt den Club.
    Option 2: Einen vernünftigen Platzreifekurs. Golflehrer haben Erfahrung und sind qualifiziert.
    Nein, wir können nicht alle glücklich machen, aber in diesem Sport zählt Qualität deutlich mehr als Quantität. So können dann vielleicht ALLE nach einer schönen Golfrunde gemütlich im Clubhaus zusammen sitzen und ein Glas Bier oder Wein genießen.
    Also liebe Betreiber, Vorstände und Mitglieder – zu Risiko und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Golf-Pro!

    Antworten

    • Ich gebe dir in allen Punkten vollkommen Recht.!!!

      Antworten

      • Danke! Ich sag es einfach wie es leider ist und wie ich es erlebt habe 😉

    • Esther Thomae

      Sehr treffend und erheiternd obendrein… Vielen Dank für diesen tollen Kommentar welshman462!

      Kleiderordnung, Etikette und Regeln sind nicht nur auf dem Golfplatz wichtig! Ein bisschen lockern ist okay, Aber Golf hat jahrhundertelange Tradition und dieser tolle Sport sollte nicht verramscht werden…

      Wer das alles nicht will, dem empfehle ich „Swingolf“, man spielt mit so vielen Leuten im Flight wie man will, an der Bahn, die grad frei ist, mit wenig Regeln, einem Schläger, in Jeans und Turnschuhen, man darf auch laut sein auf dem Platz, ist ja alles viel Fun und dazu gibt es große Löcher, kurze Bahnen, es geht schnell und es ist wirklich preiswert… Aber lasst uns unseren Golfsport!:-)

      Antworten

    • Die Punkte sind berechtigt und nicht von der Hand zu weisen. Ich möchte aber hierzu noch zwei, aus meiner Sicht, wichtige Punkte ergänzen.
      1. Die Pros sind im Club diejenigen, welche den ersten und wichtigsten längeren Kontakt zum Neugolfer haben. Sei es beim Schnuppergolf und bei der Platzreife. Was sie vermitteln ist für die Neugolfer in der Anfangsphase prägend. Damit meine ich nicht nur Technik und Etikette, sondern auch das, was man unter „Willkommenskultur“ versteht. Die Pros müssen viel stärker in die vom DGV und den Clubs durchgeführten „Kampagnen“ eingebunden werden. Sie sind es, die die „Faszination Golf“ dem Neugolfer vermitteln können.

      2. Es muss ein „handover“ der PE-Absolventen in den Club geben. Sobald sich die Platzreifegruppe mit ihre Urkunde in das Golferleben stürzt sind sie allein. Wer übernimmt die Neugolfer um Sie in das Clubleben einzuführen? Informationsveranstaltungen im Rahmen der PE über die Aktivitäten im Club nach der PE; Damen- Herrennachmittag, Turnierveranstaltungen, Mannschaften etc. Wer kümmert sich um die Neugolfer, die ihr erstes Turnier spielen wollen und mit schlotternden Knien am ersten Abschlag stehen? Warum werden in so wenigen Clubs Gruppenkurse angeboten um auch nach der PE in einer Gruppe weiter zu trainieren und andere Mitglieder kennen zu lernen, anstatt alleine oder mit Pro auf der Range Bälle zu schlagen?

      Die genannten „Auswüchse“ vergraulen nicht nur die „alten Hasen“ sondern auch die Neugolfer. Miteinander statt Gegeneinander. Jeder hat mal angefangen. Golf ist schwer. In einem PE-Kurs lernt niemand Golf spielen und 2, 3 mal während der PE mit dem Pro über den Platz zu gehen macht auch niemanden Etiketten- und Regelfest. Das lernt man auf dem Platz mit erfahrenen Mitspielern oder mit einem Pro aber nicht wenn man alleine, oder sich die Neugolfer in einem vierer 54er Flight, über den Platz quälen.

      Antworten

    • Hallo Herr Welshman,

      ich nehme auch nochmal kurz Stellung, da Sie sich ja auf mich beziehen.
      Meine Vorschläge einer grundlegenden Umwälzung im Hinblick auf eine Öffnung des Sports können sie sich anscheinend nur dadurch erklären, dass ich selbst Anfänger bin. Dem ist durchaus nicht so (singl. hcp), was indes keine Rolle spielt. Ich spiele allerdings anders als in ihren Erfahrungen sehr gerne mit Anfängern und erfreue mich ihrer Begeisterung für den Sport.

      Ich nehme niemandem Übel, wenn er nach jahrelangem sich-im-system-befindens größeren Änderungen skeptisch gegenübersteht. Die Golfspieler setzen sich zu sehr großen Anteilen aus alten und konservativen Menschen zusammen (dies ist reine Deskription, keine Wertung), was leider für jedweden (erst recht ruckartigen) Fortschritt ein ziemliches Problem darstellt. Ich erwarte also nicht viel und bin mir Gegenwind bewusst. Freuen würde ich mich allerdings, wenn die Argumentation wenigstens über „Das ist aber Tradition und eine Frage des Stils“-Niveau hinausreichen würde.

      Übrigens vermuten Sie in ihrem Text, dass ich eine schnelle Platzreife guthieße. Das stimmt nicht. Ich fordere (siehe unten) die völlige Abschaffung dieses Unsinns, über den, ich wiederhole es, die ganze Welt lacht.

      Antworten

    • Eugen Pletsch

      Lieber Weshmann, vielen Dank! Noch ein Gedanke zu Deinem Beitrag: Deine Generation Golflehrer lehrte noch das „Golfspiel“ mit allen Facetten und Neugolfer wurden damals von ihren ‚Paten‘ oder Freunden auf den Platz mitgenommen und in Sachen Etikette und Spielgeschwindigkeit geeicht.
      Seit etlichen Jahren haben jedoch die Golf-Techniker übernommen und lehren den „Golfschwung“ in allen Facetten und während Herr Hook und Frau Slice dann auf dem Platz ausgiebig über ihren Lag und ihre Ebene nachdenken, stehen wir uns die Beine in den Bauch. Ich schätze mal den Zeitunterschied zwischen zielorientiertem und schwungorientiertem Speil auf 1-2 Stunden pro Runde.

      Antworten

  4. Esther Thomae

    Golferlebnistag… ja, wann ist er denn in 2015?

    Solange die Golfclubs und -anlagen nicht erkennen, dass so ein Golferlebnistag nicht nur eine „Werbeaktion“ für kurzfrisitge Neumitgliederakquise ist, sondern auch eine Imagepflege für die eigene Anlage, die man mit ordentlicher Pressearbeit ausnutzen kann, sowie für den Golfsport und dem Golfimage an sich, die ja auch bundesweit beworben werden könnte…kommen wir, wenn überhaupt, auch nur langsam weiter…
    Große Chance eigentlich 2015 damit anzufangen, dass 100 % Golfclubs mitmachen, was dann auch mit der crossmedialen Werbekampagne gefördert werden könnte – dann wird ein Schuh daraus:-)…

    Antworten

    • Gut gesagt Esther! Aber wenn der linken Hand nicht weis was der rechten Hand tut, wird es selbst beim Schuhbinden ein Problem sein :-) :-) :-)

      Antworten

  5. Susanne Bischoff

    Endlich mal ein Artikel, der die Dinge ungeschminkt beim Namen nennt. Vielen Dank dafür Michael Basche!

    Ich spiele nun seit über 40 Jahren Golf und kenne die angesprochenen Probleme nur zu gut.
    Nicht nur einmal wurde ich aufgrund der negativ besetzten Attribute, wie die viel zu hohen Kosten (Greenfee und Equipment), die antiquierte Kleiderordnung, sowie ein Golf Regelwerk wofür man studiert haben muss, angesprochen.
    In unserer Neidgesellschaft ist solch ein Gebahren nicht verwunderlich, das würde sich auch wahrscheinlich nicht ändern, wenn man diese negativ besetzten Themen beseitigen bzw. ändern würde. Golf hat nun mal den Status der Besserverdienenden seit ewigen Zeiten. Leider!

    Der Arroganz mancher Zeitgenossen in den Golfsekretariaten dieser Welt kann man sehr gut begegnen, indem man sie mit Freundlichkeit „straft“ ;-). Warum sollte man sich diesen aufgedrängten Schuh anziehen? Ich habe dazu keine Lust und bin sowieso der Meinung, dass man nicht mit Gewalt nach neuen Mitgliedern suchen sollte. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass man die „alten Zöpfe“ gegen „Kurzhaarschnitte mit Pfiff“ austauscht, indem z.B. die Golfindustrie sämtliches Equipment preisgünstiger vermarktet, und zwar so, dass es für jeden erschwinglich ist, Kleiderordnungen angepasst werden, das umfassende Regelwerk angepasst und aufgeteilt wird (Eines für Anfänger und eines für Fortgeschrittene) und man ansonsten den Golfern und Golferinnen die Möglichkeit gibt, mit Spaß an der Freud auch weiterhin ihrem Lieblingssport nachzugehen.
    Dann kann man als leiderschaftlicher Golfer auch nach außen vermitteln, welch ein fantastischer Sport Golf war und heute immer noch ist.

    Und eines sei zum Schluss noch festgehalten: Neider wird es immer geben. Wenn man diesen Menschen zuviel Raum gibt, hat man bereits verloren!

    Antworten

  6. Hey. Danke für den guten Beitrag. Mir geht er allerdings nicht weit genug. Wenn man das Image und die Zugänglichkeit nennenswert verbessern will, brauchen wir m.E. zusätzlich zu den genannten Punkten deutlich „radikalere“ Schritte (witzig genug, dass man das als radikal empfinden mag):
    1. Weg mit dem Platzreifequatsch.
    Funktioniert in jedem Land der Welt wunderbar ohne.
    2. Weg mit der Notwendigkeit ein Handicap zu führen / einem Club anzugehören um überhaupt spielen zu dürfen.
    Funktioniert in jedem Land der Welt wunderbar ohne.
    –> Die angebliche oder tatsächliche Sorge, dass Hacker den Platz kaputt machen oder anderen die Freude am Spiel verleiden ist hanebüchen. Das regelt sich alles von selbst und funktioniert überall wunderbar.
    3. Weg mit einer Kleiderordnung.
    wtf??
    Alle 3 Sachen werden von fast Allen, die nicht schon in dem System drinstecken (und von generell fast jedem nicht-Deutschen Weltenbürger), nur mit Kopfschütteln bedacht und bilden riesige Einstiegshürden bzw. Imageprobleme.

    Außerdem braucht es viel mehr Clubs, bei denen man ohne Aufnahmegebühr einfach mit einer Monats / Jahresgebühr (wie in den meisten anderen Sportarten) bzw. für Greenfee spielen kann.

    Es spricht ja garnichts dagegen, viel von dem ganzen Mist in einigen Privatclubs oder Nobelclubs weiter zu pflegen, aber auf breiter Basis muss es einfach englischen oder amerikanischen Verhältnissen angepasst werden. Golf einfach als ganz normaler „Sport“ neben anderen, irgendwie unvorstellbar. :)

    Antworten

    • Hans-Joachim Graef

      Tolle Geschichte, super Vorschlag: In jedem Sport gibt es eine Kleiderordnung. Wieso nicht im Golf? Und wenn ich sehe, wie viele Neu-Golfer schon gar nicht mehr darauf angesprochen werden, dass sie eine ausgewaschene, labbrige Jeans tragen, wird man demnächst auch darauf verzichten müssen, Neu-Golfer darauf hinzuweisen, dass die Bahnen nur in eine Richtung gespielt werden. Was ist das für eine unsinnige Diskussion um Etikette? Ich verstehe das als Verhaltensregeln wie in jedem anderen Sport. Denn dass man lernt, nicht zu sprechen, während ein Mitspieler den Ball anspricht, müsste eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Dass man bei einem Sport, der i.d.R. auf einem mehr als 40 ha. großem Gelände ausgeübt wird, generelle Verhaltensregeln ausgibt erscheint nur mehr als verständlich. Beim Fussball werden Verstöße sogar im Amateurbereich mit Spielverbot geahndet. Beim Golf gilt das Regelwerk als elitär.

      Wer vom Golfsport in den USA spricht, sollte nicht vergessen, dass die Lockerheit i.d.R. nur auf öffentlichen Plätzen gilt. Ebenso in UK oder Australien. In Clubs wird man niemanden in Jeans sehen, egal, wie elitär oder eben auch normal der Club ist. Und auch dort wird seit Jahren in der USPGA darüber diskutiert, wie man den Sport attraktiver machen kann. Wenn dort schon das Paradies sein soll, warum sich dann noch anstrengen, das Paradies noch paradiesischer zu gestalten?

      Ich meine, es lohnt sich sicher darüber nachzudenken, wie man die Faszination des Sports neuen Menschen näher bringt. Dafür die Einstiegshürden runter zu fahren – okay. Aber bitte sinnvoll. Vielleicht fängt man erst einmal nicht damit an, Neu-Golfern zu erklären, was alles verboten ist? Sondern ihnen erklärt, was alles möglich ist! Und wenn man sie möglichst schnell ans Spiel bringen möchte, dann vielleicht dadurch, dass die Clubs mehr Kurzplätze bauen und die Neu-Golfer dadurch schneller von der Matte bekommt. Dann ist der Spaß schneller da und das Erfolgserlebnis und man lernt, wie wichtig das kurze Spiel ist. Kurz: Man sieht schnell wie facettenreich und spannend der Sport ist.

      Antworten

      • Kurzplätzen etc. stimme ich ja gerne zu. Und es ist unnötig zuzustimmen, dass andere Golfer nicht gestört und gefährdet werden sollten.
        Aber was haben solche, die Freiheit des Einzelnen schützenden Regeln mit Kleidungsvorschriften zu tun? Außer einem elitären Gehabe, erfüllen die absolut keine Funktion außer Anfänger abzuschrecken. Wie soll mir plausibel gemacht werden, dass ich, wenn ich dies sonst nicht gerne tue weil es meinen persönlichen Vorlieben oder meiner (im Falle von „schicker“ Kleidung) Weltanschauungen nicht entspricht, ein Hemd mit Kragen tragen muss, um nicht ausgegrenzt zu werden?
        Der Verweis auf andere Sportarten zunächst mal größtenteils unberechtigt, weil die Kleidung hier idR spezifische Funktionen erfüllen: In Mannschaftssportarten dienen sie der Erkennung etc. Selbst beim Tennis gibt es zwar Vorlieben in Form von z.B. weiße Kleidung, aber außerhalb Wimbeldons kaum Obligationen.
        Ansonsten ist es als Argument auf dem Niveau der Form von „die anderen machen es ja auch“ auch nicht weiter kommentarbedüftig.

        Und was jene Regeln im Golf betrifft, die zum Ziel haben, andere Spieler zu schützen- sei es vor unsachgemäßen Platzgebrauch oder vor Gefahren, Ablenkung etc. (Platzreife, Etikette etc.): Diese Sachen regeln sich von ganz alleine, da bedarf es keiner ständigen normativen Regulierungen. Fast jeder Mensch hat ein Gefahr- und Angemessenheitsempfinden und wird auf dem Platz von Bekannten eingewiesen werden oder im schlimmsten Fall- nach vereinzeltem Fehlverhalten zurechtgewiesen, das führt schnell genug zu Lerneffekten. Es wird schlichtweg kaum jemand von sich aus einen Golfplatz betreten, ohne sich vorher zu informieren.
        Als einfacher Beleg für diese Einschätzung ist die Praxis, die in den meisten Ländern der Welt existiert, nämlich KEINE Platzreife oder Handicap zu erfragen. O Wunder, es funktioniert überall wunderbar, was für den Deutschen unvorstellbar ist. 80% aller Ausländer erwidern ein „Are you serious?“ oder „Kann nicht dein Ernst sein“, wenn man sie über hiesige Praktiken informiert.

        Man kann ja gerne einen elitären Club gründen und dort Krawatten oder Nackheit oder Reichtum zur Pflicht ausrufen, ist ja wunderbar für alle die teilnehmen wollen, für die breite Masse wäre aber m.E. das Vorhandenseins ein neutraleren Angebotes wünschenswert.

  7. Dr. H.-Chr. Bosch

    „Keep it simple“ ist ein gutes Stichwort, das nicht nur für das Regelwerk, sondern auch für viele andere Aspekte rund um Golf gelten sollte.

    Ich komme gerade aus den USA zurück und war erstaunt, dass man dort i.d.R. weder nach Clubmitgliedschaft, noch nach dem HCP gefragt wird. Und die Golfplätze dort sind voll! Das sollte den deutschen Clubs zu denken geben. Gleiches gilt für die Greenfees: auch in den USA ist Energie teuer, Personal nicht zum Nulltarif zu haben und Platzpflege mehr oder minder aufwendig. Dennoch sind die Greenfees, von teueren Elite-Plätzen abgesehen, durchweg günstiger als hierzulande.
    Ganz entscheidend ist jedoch der Faktor Gesundheit im Golf: wenn man gerade die „Best-Ager“ als Zielgruppe ansprechen will, muss man die gesundheitlichen Aspekte in den Vordergrund stellen. Viele geben Golf als Sportart aus gesundheitlichen Gründen wieder auf. Alibi-Maßnahmen zur Minimierung gesundheitlicher Risiken reichen nicht aus. Viele ältere Golfer könnten auch mit Problemen der Wirbelsäule und der Gelenke weiter ihren Sport ausüben, wenn sie auf die Free Release Methode umstellen würden. Nur mit dieser Methode lassen sich – wissenschaftlich belegt – negative Auswirkungen auf den Bewegungsapparat, wie sie beim auf Ben Hogan zurück gehenden traditionellen Golfschwung auftreten, wesentlich minimieren. Wenn wir also in Deutschland dem Abwärtstrend im Golfsport entgegen wirken und gesundheitliche Risiken der Sportart minimieren wollen, kommen wir um die Umstellung auf die Free Release Methode nicht herum. Alle anderen immer wieder propagierten Korrekturen an der herkömmlichen Schwungmethode sind reines Kurieren am Symptom, führen aber letztlich nicht weiter.

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  8. Als leidtragendes Vollmitglied eines Clubs ohne Hologramm, weil bei uns halt die besser situierten Zweitwohnungen oder Ferienhäuser am Strand haben und auch Golf spielen möchten, ich aber „auswärts“ nicht selten erhöhtes Greenfee zahlen soll, wobei mir noch kein (!) Club eine Begründung für dieses erhöhte Greenfee liefern konnte, bin ich schon der Meinung dass Finanzen nicht ausgeklammert werden sollten. Dazu gäbe es noch mehr Beispiele, wie das Erkaufen eines Spielrechtes pp.
    Vielmehr wird dem Golfer auf so manchem Platz, der mit Gastfreundschaft wirbt und Gäste jederzeit willkommen heißt, dieses nur auf der Website vorgelebt. Ist man vor Ort, dann erlebt man oftmals die kleinen Dinge, die Knigge einst im Buch niedergeschrieben hat, die aber von den golfenden Herrschaften im negativen vorgelebt werden. Keine Entbietung des Tagesgrußes, abschätziges Betrachten des „Gastes“ und auf Nachfragen gibt es keine Antworten.

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    • Michael F. Basche

      Sehr geehrter Herr Zimmermann,

      vielen Dank für Ihre Anmerkungen! Bitte erlauben Sie mir den Hinweis, dass die Finanzen keineswegs ausgeklammert wurden. Das Preisgefüge wurde lediglich nicht mehr angesprochen, weil es bereits an anderer Stelle (siehe den Link im Text) erörtert wurde.

      Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen fürs Neue Jahr 2015

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      • Hallo Michael,

        Hast du als Anlagen Betreiber schon mal eine Kostenrechnung gemacht, für einen Golfplatz der „nur“ Golf anbietet?
        Ein 9 Loch Platz, der weder zusätzlich bewässert wird, noch gedüngt kein Riesen Clubhaus usw. Einfach nurGolf?

        Es fehlt in Deutschland an einfachen Spielmöglichkeiten, dann kommt breite und später auch Golfer die mehr Luxus wollen und in „teure“ Mitgliedschaften wechseln.

      • Michael F. Basche

        Hallo Mario,

        für diesen Diskurs samt Rechenspielchen stehe ich in einem geeigneten Forum jederzeit zur Verfügung! Es bedarf nicht einmal eigener Erfahrungswerte (die gern ergänzend eingebracht werden): Der DGV-Betriebsvergleich liefert ausreichend aussagekräftiges Zahlenmaterial.

        Und ich bleibe dabei: Die Frage nach dem Vorhandensein einfacher Spielmöglichkeiten ist allenfalls ein periphärer Aspekt der komplexen Problemstellung.

        Viele Grüße

      • Da gebe ich dir natürlich Recht, es wäre nur ein Baustein von vielen.
        Golf in Deutschland ist auf sehr vielen Ebenen schwierig und das macht es auch so schwer, Ansätze zu finden. Denn selbst jetzt ist Golf in Deutschland nicht homogen obwohl nach außen der Eindruck erweckt wird, das es wäre.

        bis denne

  9. Golf wird es in Deutschland niemals zu der gewünschten Popularität gelangen. Dafür wird viel zu viel getan um den Sport für die Allgemeinheit frei zu machen. Golf ist und bleibt in Deutschland ein Sport für besser verdienende und somit immer ein Luxussport. 3/4 der Bevölkerung leben im unteren Bereich des Mittelstandes. Die von der Politik propagierten Zahlen über Einkommensverhältnisse in Deutschland sind schön gerechnet Zahlen weit ab der Realität. Solange Golfclubs und Anlageberater diese Tatsache nicht erkennen, wird Golf nie in die Breite getragen. Auch Strukturen und Bezeichnungen müßen dringen überarbeitet werden. Die USA machen es wunderbar vor….

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  10. Dr.Peter Laschka

    Das Thema „Kosten “ auszuklammern ist nicht zielführend,denn dahinter steckt ,wenn auch nicht beabsichtigt,die Ausblendung des Hologramms. Dieses Abschreckungs-System ist ein elementarer Grund für die ausbleibende positive Mitgliederentwicklung.

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  11. Oh ja, da ist eine Menge Wahrheit dabei. Und ich hätte das Thema kosten nicht ausgeklammert, das gehört in Deutschland auch mit auf den Tisch.
    Allein wenn man manche Äußerungen von wohl situierten Golfern dazu hört.

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