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Francesco Molinari: „Sieg für Italien, wenn Ferrari schon verliert“

Das Open-Finale mit Woods als „echte Herausforderung“, zumal Carnoustie früher nicht besonders nett zum neuen Champion Golfer war.

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Francesco Molinari erklimmt mit seinem Major-Erfolg auf einen Schlag den Golf-Olymp. (Foto: Getty)

Selten war eine Prognose für die Finalrunde eines Majors treffender, und nicht weniger selten wurde sie derart präzise umgesetzt: Par an Par reihte Francesco Molinari am Sonntag auf seine persönliche Perlenkette, 16 insgesamt, so wie er es sich für seine abschließenden 18 Loch dieser 147. Open Championship vorgenommen hatte. Auf der 14 schrieb der Italiener das erste Birdie in seine bis dahin monochrome Scorekarte und hätte des abschließenden Schlaggewinns auf der 18 gar nicht bedurft, um Champion Golfer of the Year 2018 zu werden, die teilweise kunterbunt durcheinander spielende Konkurrenz hatte Molinaris Stoizismus nichts entgegen zu setzen.

Vollendet, was Costantino Rocca 1995 nicht schaffte

So allerdings beendete der 35-Jährige die Open-Tage auf den grandiosen Carnoustie Golf Links nach 37 Bahnen in Serie ohne Bogey standesgemäß mit dem zweiten Birdie seiner Runde und avancierte binnen weniger Stunden zum größten Golfer aller Zeiten des Stiefelstaats – begleitet während der gesamten Runde von seiner Frau Valentina, mit der er seit 2007 verheiratet ist und zwei Kinder hat, sowie umgehend beglückwünscht vom älteren Bruder Edoardo via Instagram.

Mit diesem ersten Major für sich und für Italien vollendete Molinari, was seinem Landsmann Costantino Rocca 1995 verwehrt geblieben war, als der gedrungene Lombarde das Vier-Loch-Play-off auf dem Old Course zu St. Andrews gegen John Daly verlor. Überhaupt hatte dieses Ereignis mit dem Hauch von Drama Molinari erst zum Golf geführt.



Hoffnung auf neuen Boom im Heimatland

Nun hofft der Mann aus Turin, der es als Fußballfan indes eher mit Inter Mailand hält, mit der Familie in London wohnt und dort seit Beginn des Jahres mit Trainer Paul Kenyon arbeitet, dass sein Erfolg wiederum einen Boom in Italien auslöst und Talente an die Schläger bringt – nicht zuletzt im Hinblick auf den Ryder Cup 2022: „Die Finalrunde war daheim schon ein großes Ding. Es wäre schön, wenn viele Kids das am Fernseher gesehen hätten und inspiriert würden, so ich damals als Zwölfjähriger total gespannt und fasziniert Costantinos Kampf um die Claret Jug verfolgt habe.“

Weniger gut zuschauen konnte er freilich nach dem Ende seiner Finalrunde dem Rest des Open-Geschehens, hatte vor allem den letztlich zweitplatzierten Xander Schauffele als ernsthaftesten Rivalen ausgemacht und verkrümelte sich nach ein paar Momenten vor dem TV-Monitor aufs Putting-Grün: „Ich war es leid, tatenlos zuschauen zu müssen, was da eventuell passiert.“

„Tiger hat sich großartig verhalten“

Molinaris nervliche Leistung wiegt umso schwerer, weil er den Sonntag an der Seite des wiedererstarkten Tiger Woods verbrachte, dessen Vorstellungen samt zwischenzeitlicher Führung von den Zuschauern frenetisch gefeiert wurden. „Es war eine echte Herausforderung. Tiger selbst hat sich mir gegenüber großartig verhalten, ein echter Sportsmann. Und das Chaos um ihn herum kenne ich schon vom Ryder Cup und anderen großen Turnieren.“



Druck habe er eher verspürt, „weil wenigstens ich es in die Schlagzeilen schaffen musste, wenn Ferrari schon das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring verliert“, scherzte Molinari, während er mit eher ungläubigem Blick die Silberkanne in seinen Armen wiegte. „Nein, Spaß beiseite, ich war so ruhig wie man es in einer Finalrunde nur sein kann, in Gesellschaft von Tiger Woods zumal. Ich war auf mein Spiel fokussiert – darauf, möglichst viele Pars zu machen, statt aggressiv zu sein, einfach kluges Golf zu spielen.“

„Carnoustie war sanft, aber bleibt ein Biest“

Mit der Strategie hat der 1,72 Meter große Profi, der wie seine diesjährigen Major-„Vorgänger“ Patrick Reed und Brooks Koepka mit Ausnahme eines Putting-Partners nicht an einen Schläger-Ausrüster gebunden ist, in dieser Saison schon zwei Mal zugeschlagen. Erst gewann er das Flaggschiff-Turnier der European Tour in Wentworth und einen guten Monat nach der BMW PGA Championship mit der Quicken Loans National überdies den ersten Titel auf der PGA Tour, wo ihm ausgerechnet Woods als Gastgeber die Siegertrophäe überreichte.

Von einigen Medien umgehend zum aktuell „heißesten Spieler“ der Szene ausgerufen – auch wegen der zweiten Plätze bei der Italian Open und bei der John Deere Classic unmittelbar vor der Open –, reiste Molinari trotzdem mit gemischten Gefühlen nach Carnoustie. „Ich mochte den Zustand des Platzes mit harten Fairways, sanften Grüns und wenig Rough. Aber er bleibt dennoch ein Biest, das mich schon ein paar Mal heftig abgeworfen hat.“ Deswegen habe er sich in den vergangenen Jahren bei der Dunhill Links Championship eher rar gemacht und will dem Drei-Kurse-Turnier trotz Carnousties neuer Bedeutung in seinem Golferleben im Oktober erneut fern bleiben. Man soll sein Glück ja nicht überstrapazieren.





US-Major-Dominanz gebrochen: Omen für Ryder Cup?

Im Augenblick des Triumphs dachte Molinari schon nach vorne, an Royal Portrush in Nordirland. Vor allem, „weil ich hoffe, dass ich bis dahin verinnerlicht habe, was ich hier und heute geschafft habe. Wenn jemand wie ich es aus Italien – wahrlich kein Land von Major-Golfern – zu all den großen Namen auf den Sockel der Claret Jug schafft, dann ist das eine unglaublich Reise!“

Bis zur Titelverteidigung stehen ohnehin noch ein paar andere Großereignisse an, zuvorderst der Kontinental-Wettkampf in Paris. Die Tage von Carnoustie waren diesbezüglich ein gutes Omen, platzierten sich doch mit Molinari, Justin Rose und Rory McIlroy drei Spitzenkräfte aus Kapitän Thomas Björns europäischem Aufgebot vor den großen Namen aus den USA, deren Major-Dominanz seit dem Masters-Sieg von Sergio Garcia 2017 nun erstmal gebrochen ist.

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