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Florian Fritsch: „Eine Saison, wie ich sie noch nicht erlebt habe“

22. Jun 2016
Florian Fritsch sprach mit Golf Post im Clubhaus des Gut Lärchenhof über seine bisherige Saison und lange Reisen im Auto. (Foto: Golf Post)
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Florian Fritsch über seine bisherige Saison, die Zukunft des Golfsports und warum Reisen gar nicht so schlimm ist, auch wenn man Flugangst hat.

Golf Post: Floran Fritsch, Du bist jetzt jahrelang auf der European Tour und Challenge Tour unterwegs, hast viele Erfahrungen gesammelt, wie würdest Du die Standortbestimmung für Dich für Juni 2016 beschreiben?

Florian Fritsch: Bis jetzt ist es noch eine Saison, die ich in der Form noch nicht erlebt habe. Es gab schon einige gute Runden dieses Jahr. Auch bogeyfreie Runden mit fünf, sechs, sieben unter waren dabei. Bei einigen Turnieren war ich nach einigen Runden auch oben dabei. Aber dieses Jahr habe ich über vier Runden immer eine dabei, die so hoch ist, dass sie mich immer ziemlich weit rauswirft. Und auf diesem Level, auf dem wir uns bewegen, darf man sich sowas einfach nicht leisten. Da muss die Runde eins unter, Even Par oder eins über sein, um weiterhin vorne drinbleiben zu können. Das ist mir dieses Jahr noch nicht gelungen und deswegen sind die Resultate eben nicht so, wie ich sie mir wünschen würde. Ich muss einfach daran arbeiten, diese eine Runde besser zu spielen.


Golf Post: Wo sind die Ansatzpunkte, die Du jetzt als erstes angehst? Wo sind die Stellschrauben?

Florian Fritsch: Dadurch, dass ich im Moment so unterschiedliche Plätze spiele und Rahmenbedingungen erlebe von windlos und weich bis zu sehr hartem Boden und viel Wind, gibt es natürlich auch Anpassungen im Schwung und der Spielweise. Da hatte ich dieses Jahr das Problem, nicht eine gewisse Schlagkonstanz über einen Zeitraum aufrecht halten zu können. Ich habe mit meinem Trainer daran gearbeitet, dass wir die Eckpunkte etwas genauer bestimmen. Ich glaube, ein Punkt, den man als Spieler nicht beeinflussen kann, ist das Momentum. Ich mache einen Schlag und ob der jetzt vor dem Grün aufkommt und liegen bleibt oder das Grün trifft. Oder da war der Wind so, dass der Ball einen Meter kürzer aufgekommen ist.

Golf Post: Ja, das ist einfach Golf. Florian, Du fliegst nicht gerne. Trotzdem bist Du ja viel unterwegs, im Auto, Zug und auch auf Fähren. Wie schaffst Du es, das logistisch und auch körperlich zu organisieren? 

Florian Fritsch: Es scheint in Europa eine sehr gute logistische Situation zu herrschen. Auch dass unsere Fährverbindungen so gut ausgebaut sind, dass ich es schaffe, von Marokko nach Italien zu kommen. Ich habe das Glück, dass mein Körper anscheinend sehr widerstandsfähig ist gegenüber diesen Reisestrapazen. Ich kann mir sogar vorstellen, dass einige Kollegen größeren Reisestress haben als ich. Wenn ich auf Fähren bin, kann ich mich ja frei bewegen. Wenn ich Auto fahre, kann ich auch jederzeit stoppen und mich bewegen. Wenn jemand nach Australien fliegt und 10, 20 Stunden sitzt, ist seine Bewegungsfreiheit viel mehr eingeschränkt als meine. Wenn man sich anschaut, von wo die European-Tour-Spieler kommen, aus Indien oder Japan, die müssen ja am Ende viel mehr reisen, als ich es tue. So viele Kilomenter fahre ich im Jahr auch gar nicht, es sind so 35.000.

Golf Post: Bei der BMW International Open herrscht in dieser Woche ein familiäres Umfeld, viele deutsche Starter haben ihre Familien dabei. Ist Deine Form des Reisens nicht auch familienfreundlich?

Florian Fritsch: Meine Familie reist recht unabhängig von mir. Also bei diesem Turnier bin ich mit meinem Auto da, meine Frau ist mit ihrem Auto gekommen. Letztes Jahr in Portugal ist meine Schwiegermutter mitgeflogen und konnte dabei sein. Die können dann schon zu Turnieren kommen, bei denen es schon sinnvoll ist, dass nicht alle mit dem Auto anreisen. Insofern gab es da noch keine problematische Situation. Bei der BMW International Open ist es natürlich ideal. Ich wohne in Heidelberg und da sind es nach Köln gut drei Stunden Autofahrt.

Golf Post: Letztes Jahr hattest Du einige gute Ergebnisse erzielt, sodass danach sogar über eine mögliche Masters-Qualifizierung gesprochen wurde. Du hast damals gesagt, dass es bei genügend Planungszeit sogar machbar wäre, mit Schiff und Auto nach Augusta in die USA zu reisen. Wie weit würdest Du denn tatsächlich gehen?

Florian Fritsch im Gespräch mit Golf Post. (Foto: Golf Post)

Florian Fritsch im Gespräch mit Golf Post. (Foto: Golf Post)

Florian Fritsch: Also in meiner Situation kann ich eigentlich keine richtige Saisonplanung machen. Wenn ich mich für’s Masters qualifiziert hätte, hätte ich dadurch ja auch mehr Freiheiten für die Teilnahme an der European Tour bezüglich der verschiendenen Kategorien. Insofern würde ich mir dann definitiv drei, vier Wochen rausnehmen, um dieses Turnier spielen zu können, weil ich den Luxus in dem Moment dann hätte. Ich habe auch tatsächlich mal nachgeschaut, wie das ist, mit einem Turnier in Südafrika. Da haben wir ja einige am Stück am Jahresbeginn, und es gibt ein Schiff von Genua nach Kapstadt. Innerhalb von zwei Wochen wäre ich dann dort und würde dann gut zwei Monate dort verbringen. Meine Saison in Europa geht dann ja erst im April, Mai los. Wenn die (sportlichen, Anm. d. Red.) Voraussetzungen stimmen, könnte ich mir das gut vorstellen.

Golf Post: Wie wichtig ist denn ein heimisches Turnier, wie die BMW International Open, für Euch Spieler?

Florian Fritsch: Ich finde es extrem wichtig, weil wir mit Deutschland der zweitgrößte Golfmarkt und die zweitgrößte Golfnation in Europa sind. Und so empfinde ich es als eine logische Konsequenz, dass wir so ein Turnier haben und vielleicht sogar noch mehr kriegen werden in den nächsten Jahren. Für uns ist es eine große Chance, hier aufzuteen vor heimischen Publikum, um sich mit der ganzen Situation bei einem European-Tour-Turnier auseinander zu setzen. Wenn die Medien eine entsprechende Aufmerksam darbieten und wir dann auch von mehreren tausend Leuten beobachtet werden. Das bereitet uns dann sehr gut darauf vor, was später auf der European Tour kommen wird.

Golf Post: Das Turnier wird auch im Free-TV übertragen. Ist das Deiner Meinung nach auch ein Schritt, um Golf in Deutschland in die breite Öffentlichkeit zu bringen?

Florian Fritsch: Ganz klar! Dadurch haben wir die Möglichkeit, vor allem durch Interviews von diesem etwas vorurteilsbehafteten Sport abrücken zu können. Also das beruht jetzt auf einer Studie des DGV, die die öffentliche Wahrnehmung des Golf ermittelt hat. Und da scheint es tatsächlich so zu sein, dass wir noch das gleiche Bild wie vor 80, 90 Jahren haben, was den Golfsport betrifft. Dass er sehr elitär ist und nur Snobs Golf spielen, was natürlich nicht mehr nur der Fall ist. Und da gibt es einige Golfclubs, die sagen, uns ist der Breitensport wichtig und dass Golf für Jedermann bezahlbar ist und jeder daran Spaß haben kann.

Golf Post: Wie siehst du Deine persönlichen Chancen bei der BMW International Open und die Deiner deutschen Golfkollegen?

Florian Fritsch: Ich bin diese Woche sehr prozessorientiert. Ich kümmere mich um die Dinge, die ich machen muss, um – wie anfangs angesprochen – in den vier Runden einfach besser zu werden, damit ich die Topergebnisse einbringen kann, die daraus resultieren. Die generelle Zukunft im deutschen Profigolf sehe ich sehr positiv. Wenn man sich anschaut, mit was für einer Kritik wir uns auseinandersetzen mussten seit Bernhard Langer und Martin Kaymer. Da gab es immer wieder die Frage, wo bleiben die deutschen Golfer. Aber wenn man sich jetzt die Challenge Tour anschaut, da hatten wir immer ein, zwei, die den Schritt auf die European Tour geschafft haben. Oder wir hatten einige, die sich auf der Challenge Tour etabliert haben. Jetzt kommt eine Generation nach, die tatsächlich viel Potential mitbringt und das auch abrufen kann. Deswegen glaube ich, könnte Deutschland in den nächsten Jahren mehr und mehr eine größere Rolle spielen.

Golf Post: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führten Lars Kretzschmar und Tobias Hennig

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Alexander Swan

Alexander Swan - Freier Autor für Golf Post

Nach mehreren (sport-)journalistischen Stationen ist Alexander bei Golf Post gelandet. Der gebürtige Münsterländer begeistert sich für jede Sportart, die ein rundes Spielgerät besitzt - insbesondere für den ganz kleinen und den Lederball.

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