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Florian Fritsch: „Ich bin gerne Bayer, ich bin gerne Deutscher, ich bin gerne Europäer“

Botschafter des Sports, Mannschaftsspieler, Deutscher - als Golfprofi hat Florian Fritsch viele Funktionen. Ein Gespräch über Rollenbilder.

Florian Fritsch im großen Golf Post Interview über die Rolle als Botschafter. (Foto: Allianz)
Florian Fritsch im großen Golf Post Interview über die Rolle als Botschafter. (Foto: Allianz)

Florian Fritsch ist Golfprofi auf der European Tour und repräsentiert oft eine ganze Sportart. Doch wie jeder Mensch füllt er ganz unterschiedliche Rollen in seinem Leben aus. Ob Werbebotschafter, Mannschaftsspieler oder Deutscher im Ausland - jede dieser Rollen bringt andere Verpflichtungen mit sich. Im Interview mit Golf Post beschreibt der 32-Jährige, wie er die verschiedenen Aufgaben annimmt und ausfüllt.

Florian Fritsch im Interview

Golf Post: Du nimmst als Golfprofi verschiedene Rollen ein. Du bist Botschafter des Golfsports, Werbebotschafter, Botschafter deiner DGL-Mannschaft und beim Golf Team Germany, im Ausland bist du auch Botschafter für Deutschland. Ist der Golfsport das Wichtigste, das du nach außen vermittelst?

Florian Fritsch: Ich spiele sehr gerne Golf. Ich übe diesen Sport aus, aber diese Rolle habe ich mir nicht ausgesucht. Das heißt nicht, dass ich sie nicht ausfüllen möchte mit dem, wer ich bin, als Charakter, als Persönlichkeit, als Spieler da draußen. Das bringt mich auf eine interessante Differenzierung: Es gibt Botschafterrollen, die man sich gezielt aussucht und ausfüllt und es gibt Botschafterrollen, die einem angetragen werden. Diese Botschafterrolle für den Golfsport übe ich nicht zwangsläufig aus, sondern ich interessiere mich für viele Themen innerhalb des Golfsports. Diese zusammen ergeben dann vielleicht das Konstrukt des Golfsport-Botschafters.

Golf Post: Aber das ist keine Rolle, mit der du dich unwohl fühlst?



Florian Fritsch: Nein, natürlich nicht. Ich mache das sehr gerne. Ich finde, wir haben in Deutschland in den letzten Jahren eine Menge erreicht, auch wenn es immer wieder Kritik gibt. Wir sind der zweitgrößte Verband Europas und wenn ich die Zahlen richtig gelesen habe, sind wir der neuntgrößte Olympische Sportverband in Deutschland. Das kann sich schon sehen lassen. Wir sind alles andere als eine Randsportart. Es gibt sehr viele Menschen, die in Deutschland Golf spielen. Und die Zahlen des DGV zeigen, dass es, auch wenn es klein ist, trotzdem ein Wachstum gibt. Was die Clubs anbelangt, ist es nicht nur eine reine Privatclub-Angelegenheit, sondern es wird immer breiter, immer öffentlicher, man bekommt immer einfacher Zugang. Die Golf Clubs haben auch verstanden, dass sie sich bewegen müssen. Deswegen denke ich, dass wir es in Deutschland geschafft haben, viele verschiedene Schichten anzusprechen und diese zum Golfen zu bewegen.

"Wenn ich etwas zurückgeben kann, mache ich das sehr gern"

Golf Post: Du bist Mitglied der DGL-Mannschaft von St. Leon-Rot. Ist das eine Rolle, die unterrepräsentiert ist, weil auf European-Tour- und Challenge-Tour-Ebene Golf Clubs völlig egal sind?

Florian Fritsch: Das ist richtig. St. Leon-Rot hat mir sehr viel geboten und mir in meiner Amateurzeit stark geholfen. Wenn ich etwas zurückgeben kann, indem ich für die Mannschaft spiele, dann mache ich das sehr gern. Natürlich ist mir klar, dass ich Golf als Beruf ausübe und deswegen meine Turniere eine gewisse Priorität genießen. Aber wenn es mein Plan erlaubt, dann nehme ich an den Teamevents natürlich teil, um der Mannschaft zu helfen und auch um mir wieder ein bisschen dieses Mannschaftsgefühl zu geben. Es fehlt mir ein bisschen, Erfolge zusammen als Mannschaft zu feiern. Das ist für mich etwas sehr Besonderes. Natürlich genieße ich es auch als Einzelsportler Erfolge zu haben, aber wenn man noch andere in einer Mannschaft hat, Mannschaftskameraden, mit denen man diese Freude teilen kann, dann ist der Faktor um die Anzahl der Mitspieler größer.



Gleichzeitig war es mir ein Bedürfnis uns Berufsgolfspielern, uns Playing Pros in der PGA of Germany, wieder ein Standing zu geben in der deutschen Golfwelt. Als Mitglieder der PGA of Germany mit dem Status Playing Professional dürfen wir nicht unterrichten. Wir können auch nur sehr schwer Mitglieder der Golf Clubs werden und dort bei den Amateurturnieren teilnehmen. Das heißt, wir waren eigentlich nichts anderes als toleriertes Anhängsel eines Golf Clubs. Wir konnten nichts anderes machen, als dort auf Toleranz hoffen und dass sie uns trainieren lassen. Durch diese Möglichkeit für eine Mannschaft spielen zu können, haben wir jetzt eine technische Daseinsberechtigung.

"Es ist für mich eine Ehre, einer von 20 zu sein"

Golf Post: Die Rolle des DGL-Spielers gibt dir also die Chance, die Rolle des European-Tour-Spielers wieder in die Club-Welt hineinzutragen.

Florian Fritsch: Jetzt gibt es vor allem wieder mehr Schnittpunkte. Wenn ich mir die anderen Länder anschaue, was es da für Schnittpunkte zwischen Amateuren und Profis gibt, da ist es viel stärker, da kommen beide viel mehr zusammen. Jetzt haben wir dort auch wieder eine Schnittstelle und ich glaube, es ist wichtig und richtig, dass wir unsere Erfahrungen weitergeben können, falls sie denn am Ende von den Amateuren gewünscht sind. Das gibt auch den Golf Clubs eine Möglichkeit. Return und Investment hört sich immer so wirtschaftlich an, aber es ist ja so: Du förderst einen jungen, aufstrebenden Spieler und sobald er Pro wird, ist er quasi weg. Aber jetzt kann er der Mannschaft erhalten bleiben. Deshalb glaube ich, dass das System, wie wir es jetzt haben, einen positiven Effekt haben wird.





Golf Post: Auch im Golf Team Germany bist du noch Mitglied.

Florian Fritsch: Ja, ich bin Mitglied im Golf Team Germany. Die Mitglieder werden ja nicht nur durch Infrastrukturen und Personal gefördert, sondern auch finanziell. Bei mir ist es so, dass ich aufgrund meiner letzten Jahre jetzt nicht mehr auf diese Finanzmittel zurückgreifen kann und möchte. Die sind bei anderen Personen an anderer Stelle besser aufgehoben. Nichtsdestotrotz liegen meine Affinität und meine Loyalität beim Bundesadler. Wenn ich die Möglichkeit habe, einer von 20 aus 80 Millionen sein zu dürfen, dann ist das für mich eine Ehre, die ich natürlich nicht ausschlagen werde.

"Ich liebe diese Unterschiede"

Golf Post: Das bringt uns direkt zu deiner nächsten Rolle. Aktuell ist es ein heißes Thema, was es eigentlich bedeutet, Deutsch zu sein? Du bist extrem viel auf Reisen und kommst auf deinen Autofahrten mit vielen Menschen in Kontakt, auf der Tour startest du unter deutscher Flagge. Wie wird die Rolle des Deutschen nach außen hin wahrgenommen?

Florian Fritsch: Ich genieße Stereotypen. Wenn ich mit Leuten aus anderen Ländern spiele, genieße ich es, über Akzente zu diskutieren oder wie sie gewisse Dinge machen. Ich liebe diese Unterschiede, diese Differenzen. Gleichzeitig hatte ich aber auch letztens einen Gedankengang, der ganz ähnlich deiner Frage war: Was bedeutet es überhaupt Deutsch zu sein? Wenn wir uns politische Grenzen anschauen, dann machen sie eigentlich keinen Sinn. Der Flensburger ist mein Mitbürger, aber der Innsbrucker, der 70 Kilometer von mir entfernt lebt, ist quasi ein Ausländer. Aber ich stehe doch dem Innsbrucker viel näher als dem Flensburger. Und der Däne steht dem Flensburger näher als ich ihm.

Deshalb ist es für mich eher eine bewusste Entscheidung. Ich bin viel gereist, ich bin in Bayern geboren worden, in der Landeshauptstadt München. Dafür kann ich gar nichts, es hätte auch in irgendeiner anderen Stadt sein können. Aber aus dieser bewussten Entscheidung heraus, dass ich sage, ich bin gerne Münchener, ich bin gerne Bayer, ich bin gerne Deutscher, ich bin gerne Europäer, ziehe ich auch Kraft. Das sind diese Traditionen - wenn man von der deutschen Fußballnationalmannschaft sagt, es wird nicht aufgegeben, es wird einfach weiter gerannt - das sind Charaktereigenschaften, aus denen ich Kraft ziehen kann, wenn ich mal selber in ähnlichen Situationen bin. Deswegen ist es am Anfang eine bewusste Entscheidung, aber am Ende kommen emotionale Konsequenzen dabei heraus. So wie ich diese Lösung für mich gefunden habe, bin ich ziemlich glücklich.

Golf Post: Dann haben wir noch eine weitere Rolle, denn du bist auch Werbe-Botschafter, zum Beispiel für die Allianz. Das ist eine Rolle, die du dir aussuchen konntest. Wie füllst du diese Rolle aus?

Florian Fritsch: Was mich an der Allianz interessiert, ist das Engagement im Golfsport. Es ist eine Firma, die sehr viel in den Golfsport investiert und sehr stark vorantreibt. Nicht nur im Leistungsbereich, sondern auch in der Breite. Sie versucht immer wieder den Spagat zwischen Leistungsbereich und Breitensport, ist in vielen Golf Clubs aktiv, unterstützt die Lucky 33 Serie bei uns in St. Leon-Rot und generell andere Amateur-Turniere. Daran sieht man, was für eine Leidenschaft eine Firma oder auch Privatpersonen in diesen Sport mit hereintragen können. Wenn man sich überlegt, dass unser Sport eigentlich rein privat finanziert wird, dann sollte man das anerkennen. Deshalb unterstütze ich auch gerne an dieser Stelle diese Bestrebungen.

Das Interview führte Tobias Hennig im Rahmen eines Termins bei Florian Fritschs Partner, der Allianz.

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