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Golfprofi mit Flugangst: Florian Fritsch über den Roadtrip seines Lebens

Florian Fritsch ist trotz seiner Flugangst Profigolfer. Im Spieler-Blog der European Tour beschreibt er die Freuden und die Tücken des Tourlebens im Auto.

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Florian Fritsch verfasste für die European Tour einen Blog-Beitrag zu seiner Flugangst. (Foto: Getty)

Ein Leben im Profigolf bedeutet vor allem eines: Immer unterwegs zu sein. Das ist auch für Florian Fritsch nicht anders, auch wenn er etwas anders reist als seine Kollegen - der 32-Jährige hat nämlich Flugangst. Deshalb reist er zu allen Turnieren mit dem Auto an, nimmt teilweise zweitägige Fahrten in Kauf. Wie es dazu kam und wie sich sein Leben als fahrender Tourprofi gestaltet, erzählte er jetzt in einem Blogeintrag auf der Webseite der European Tour.

Florian Fritsch: Vom Golfclub zurück auf die Tour

Entwickelt habe die Flugangst sich schleichend. In jungen Jahren hatte Florian Fritsch in der Deutschen Nationalmannschaft gespielt und war in den USA auf's College gegangen - "es war Teil meines Alltags." Auf einem Flug über die Alpen von Frankfurt nach Turin aber gab es heftige Turbulenzen. Als er dann den Nationaltrainer fragte, was nun passiere, antwortete der nur: "Wenn's schief geht, dann ist es schnell vorbei."

Von diesem Moment an, so Fritsch, habe die Angst sich eingeschlichen. Wirklich schwierig wurde es allerdings erst 2009, als er bereits ins Profilager gewechselt war. Lange ignorierte er seine Gefühle, flog trotzdem - bis er dann, zu Beginn der Challenge-Tour-Saison 2010, angesichts eines Flugs nach Kenia sogar bereit war, seine Karriere aufzugeben, um nicht länger fliegen zu müssen. Stattdessen nahm er einen Job in einem nahen Golfclub an, und sagt heute, es sei ein Glück gewesen, dass er damals die Frist für eine Ausbildung bei der PGA of Germany verpasste - ansonsten, so meint er, sei er vermutlich heute Golflehrer.

Der Weg auf die European Tour, der Flugangst zum Trotz

Doch das Leben spielte anders und so kam er schließlich doch zurück auf die Tour, deren Events er heute eben mit dem Auto erreicht und nicht mit dem Flugzeug. Es sei ein Glück, schreibt er in seinem Blogbeitrag für die European Tour, dass er mit Heidelberg ziemlich mittig in Europa lebt und so jeden Ort gut erreichen kann. Zwischendurch nimmt er auch schon einmal die Fähre, was ohnehin "etwas angenehmer ist, als an Flughäfen zu sein."



Lange Reisen hat er schon eine ganze Reihe hinter sich - einmal fuhr er innerhalb von 14 Stunden von Marseille bis nach Malaga, um Bernd Ritthammer einzusammeln, der Schwierigkeiten mit dem Shuttle-Service hatte, und dann bis nach Cadiz zum Golf Valderrama, wo das nächste European-Tour-Event stattfand. Aber nicht nur seine deutschen Kollegen nimmt er mit, sondern auch ab und an deren Equipment: "Letztes Jahr bin ich vier Wochen lang mit Alex Knappes Sachen rumgefahren." Auch für einen professionellen Fahrer ist er bei einem Event in Schweden schonmal gehalten worden - bis er aufklärte, dass er derzeit geteilter Vierter auf dem Leaderboard sei.

Immer dabei: Ladegerät und Landeswährung

Seine Zeit während der langen Fahrten vertreibt Florian Fritsch sich mit Podcasts, Hörbüchern und Telefonaten, deshalb ist neben den Währungen der Länder, die er durchfährt, ein Ladegerät für sein Handy auf seinen Reisen unentbehrlich. Sogar mit Professoren, deren Fachgebiete ihn gerade interessierten, hat Fritsch auf seinen Roadtrips schon gesprochen. Der "verrückteste Fahrer der Welt" sei er allerdings nicht, schreibt er - in Dänemark sei er einst auf einer Fähre auf ein Auto mit saudi-arabischem Kennzeichen gestoßen. Der Fahrer allerdings sei leider weg gewesen, bevor er ihn nach seiner Route hatte fragen können - für eventuelle Events im Nahen Osten. In dieser Woche allerdings ist er erst einmal mit sechs seiner Landsmänner beim Belgian Knockout in Antwerpen vertreten, welches er natürlich von Sizilien aus mit dem Auto erreicht.

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