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Durchs wilde Paraguay mit Fabrizio Zanotti

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01. Jul 2014
Der erste paraguayische European-Tour-Sieger: Fabrizio Zanotti. (Foto: Getty)
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Fabrizio Zanotti ist der erste Sieger der European Tour aus Paraguay – dabei gibt es in seiner Heimat nur eine Handvoll Golfplätze.

Als im Presse Zelt am Finaltag der BMW International Open das Faktenblatt zu „Fabrizia Zanotti – Würde er gewinnen …“ die Runde machte, wurde es von den meisten Journalisten, nach einem kurzen, skeptischen Blick, vorerst ganz unten in den dicken Stapel eventuell verwertbarer Informationen geschoben. Selbst als sich Fabrizio Zanotti ins Stechen spielte, wollte noch keiner so richtig an den Paraguayer glauben. Immerhin standen ihm mit Rafael Cabrera-Bello und Henrik Stenson zwei gestandene Profis und sogar der Weltranglistenzweite gegenüber, die einen vielfach größeren Erfahrungsschatz mit solchen entscheidenden Situationen haben. Nachdem sich der Spanier am vierten Extraloch verabschiedete und Stenson seinen Ball am fünften ins Wasser schlug, wurde hektisch gekramt – „Würde er gewinnen … wäre es sein erster Sieg auf der European Tour in seinem 181. Turnier“ – und er wurde es. Aber für ihn viel wichtiger: Fabrizio Zanotti ist der erste Paraguayer, der ein Turnier auf der European Tour gewinnen konnte.


Für eine Hand voll Plätze – Golf in Paraguay

„Ich glaube in Paraguay werden alle glücklich darüber sein“, freute sich Fabrizio Zanotti im Anschluss an seinen dritten Profi-Sieg, der mit Abstand sein größter war. Wobei die Golferschaft in seinem Heimatland eher klein ist. Paraguay ist flächenmäßig etwas größer als Deutschland, hat allerdings nur knapp sieben Millionen Einwohner, bei denen Golf nicht unbedingt als Volkssport gilt. „In Paraguay haben wir nur fünf Golfplätze im ganzen Land“, erzählte Zanotti. „Ich weiß nicht, wie viele Spieler wir haben, wirklich nicht, aber es gibt nur ein paar wenige.“ Klar, dass Paraguay da nicht den Ruf einer angesagten Golf Destination genießt, wobei sich unter der Hand voll Plätze doch auch Juwelen finden lassen. Eines davon ist benannt nach dem größten Golfer, den Paraguay hervor gebracht hat: Carlos Franco.

Carlos Franco – Aushängeschild des paraguayischen Golfs

„Carlos ist berühmt in Paraguay. Als ich aufgewachsen bin, habe ich ihm zugeschaut, wie er Turniere auf der PGA Tour gewonnen hat. Er war mein Idol“, so Zanotti über den 49-jährigen Carlos Franco, der sich in seinem Heimatland mittlerweile auch sozial stark engagiert. Franco ist in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Die Familie hat zu neunt in einem Zimmer gewohnt, der Vater war Caddie und Greenkeeper im Golf Club Asunción. Franco selbst wurde 1986 Profi und konnte im Laufe seiner Karriere drei Turniere auf der PGA Tour gewinnen, 1999 wurde er zum Sportminister seiner Heimat ernannt. Er begründete den Carlos Franco Golf & Country Club etwa 50 Kilometer östlich von Asunción.

Neben diesem ist der Golf Club Asunción, der Club, wo Francos Vater arbeitete, der renomierteste in Paraguay. Im Süden des Landes gelegen, direkt an der Grenze zu Argentinien, schlagen hier nach eigenen Angaben etwa 900 Mitglieder auf den geschichtsträchtigen Bahnen ab. Seit 87 Jahren wird im GC Asunción Golf gespielt. Die üppige Vegetation, einige Wasserhindernisse und ein Slope von 133 von den Herren-Abschlägen sprechen für abwechslungsreiche und anspruchsvolle 18 Löcher.

Lust auf Golf in Paraguay?

Ob es jetzt zu einem Golf-Boom in Paraguay kommt? Wohl eher nicht. Aber das „kleine“ Land, verglichen mit seinen Nachbarn, im Herzen Südamerikas hat allerhand zu bieten, und wer gerade seine Verwandten besucht – immerhin fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung sind deutschstämmig – oder aus anderen Gründen das schöne Fleckchen Erde bereist, der wird auch als Golfer auf seine Kosten kommen.

Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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