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Zum Tod von Arnold Palmer: Eine Lichtgestalt des Weltsports

26. Sep 2016
Arnold Palmer galt als einer der "Big Three" im Golfsport. Der Amerikaner wurde 87 Jahre alt. (Foto: Getty)
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„The King“ ist gegangen: Der siebenfache Majorsieger Arnold Palmer erlag im Alter von 87 Jahren seinen Herzproblemen. Ein Nachruf.

Wahre Größe wird jenseits sportlicher Erfolge gemessen. Vielleicht ist Arnold Palmer deshalb für viele der Herausragendste unter den „Big Three“ des Golfsports. Ja, Jack Nicklaus hat 18 Majors gewonnen, gilt als Jahrhundertgolfer und ist auch im Golfbusiness quantitativ die dominierende Figur. Gary Player wiederum war erster nichtamerikanischer Gewinner des Masters, ließ weitere acht ganz große Titel folgen, brachte Athletik und Fitness ins Spiel. Aber Palmer war „The King“, trotz seiner „nur“ sieben Majors, er veränderte und prägte den Golfsport so nachhaltig wie vor ihm allenfalls Walter Hagen als erster echter Berufsspieler und nach ihm nicht einmal Tiger Woods.

„Everbody‘s Darling“ und …

Denn „Arnie“ machte aus dem Spiel die Show, die es heute ist, „er brachte es persönlich auf einen höheren Level“, sagt selbst Nicklaus. Arnold Palmer war die treibende Kraft hinter der endgültigen Professionalisierung des Golfsports. Es gibt sogar eine Art Datum: Ende Juni 1960 ernannte Palmer die PGA Championship zum vierten Major und definierte damit ganz allein den modernen Grand Slam, den für Profis. Er durfte das, hatte gerade sein zweites Masters und die US Open gewonnen, dominierte das Spiel, bestimmte die Schlagzeilen und faszinierte nicht nur das golfende Amerika. Auch dank des Fernsehens.


… ultimatives Golf-Testimonial

Zu jener Zeit gab‘s bereits in 88 Prozent aller US-Haushalte eine „Flimmerkiste“, und der telegene Sohn des Pros aus dem Latrobe Country Club in Pennsylvania kam den TV-Schaffenden als ultimatives Golf-Testimonial gerade recht. Palmer war „Everybody‘s Darling“, ein „American Idol“. Smart. Extrovertiert. Charismatisch. Ein Bild von einem Mann. Mit knapp 1,80 zwar etwas untersetzt, aber Schultern wie ein Kleiderschrank und Oberarme wie ein Dockarbeiter. Palmer walzte förmlich über den Platz, stets im Attacke-Modus, seine Fans – besser bekannt als „Arnie‘s Army“ – vergötterten ihn. 1960, schrieb der legendäre Journalist Dan Jenkins, „war das Jahr, in dem Arnie der breiten Masse Golf nahe brachte – schwitzend und kettenrauchend, mit fliegenden Hemdzipfeln und einer Urgewalt, die Bälle durch Baumstämme trieb“.


Arnold Palmer bleibt "The King" - Bilder eines bewegten Lebens

Schon 1958 indes hatte ein anderes, weit weniger öffentliches sporthistorisches Ereignis stattgefunden, als Palmer sich mit einem Rechtsanwalt aus Cleveland namens Mark McCormack zusammentat, der fürderhin Werbeverträge, Show-Matches, TV-Auftritte und sonst wie Lukratives aushandeln sollte. Unter McCormacks Anleitung machte Arnie Werbung für Zigaretten, Ketchup, Hemden und Hosen, spielte mit einem Ausrüster-Vertrag von Wilson.

Fusion von Golf und Kommerz

In der Folge zog McCormack eine Firma hoch, die als International Management Group das größte Sportmanagement und -marketing-Unternehmen der Welt werden sollte. Palmer hatte mit seinem Handschlag den Weg für die lukrative Fusion von Golf und Kommerz geebnet und wurde selbst zur Marke. Er gewann insgesamt 76 Profiturniere, 62 davon zwischen 1956 und 1973 auf der PGA Tour, inklusive der Masters-Triumphe 1958, 1960, 1962 und 1964 sowie der US Open 1960 und der British Open 1961 und 1962. Seine Ehrungen und Auszeichnungen sind Legion.

Bei alldem blieb der begeisterte Flieger bodenständig. Palmer war volksnah, bescheiden, authentisch. Und fair. Sein Wort hatte bis zuletzt Gewicht. Seine Anmerkungen zum „State of the Game“ waren gewünscht, wurden beachtet und befolgt. Seine Attitüde galt als Maßstab, wenn es um die „Good Guys“, die duftesten Typen auf der Tour ging. „Arnold hat mich immer gut behandelt“, erinnerte sich Nicklaus an die Ära der sportlichen Duelle. „Wir waren große Rivalen, die es liebten, gegeneinander anzutreten, aber während all der Zeit sind wir stets Freunde geblieben“, erklärte der „Goldene Bär“ jetzt in einer ersten Reaktion auf „die schockierende Nachricht“.

„Golf hat einen großartigen Freund verloren“

Arnold Palmer ist am späten Abend des 25. September, 15 Tage nach seinem 87. Geburtstag, in Pittsburgh verstorben. Wegen seines Herzleidens sollte er heute in der dortigen Universitätsklinik operiert werden, Komplikationen freilich ließen das nicht mehr zu. Er hinterlässt Ehefrau Kathleen Gawthrop und zwei Töchter aus der 1934 geschlossenen Ehe mit Winifred Walzer, die 1999 an Krebs starb.

Palmers Vita ist Geschichte. Seine Person aber ist Legende. Mit Palmer ist mehr als nur eine Ikone des Golfsports gegangen. „The King“ war eine Institution. Seine Integrität, seine Zugewandtheit, sein Format, sein Charisma, seine Glaubwürdigkeit machen ihn über den Tod hinaus zu einer Lichtgestalt des Weltsports. „Golf hat einen großartigen Freund verloren“, schrieb Jack Nicklaus: „Er war der König unseres Spiels und wird es immer bleiben!“


Freund, Vorbild, Legende: Stars verabschieden sich von Arnold Palmer

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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