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„Wer Golfprofi werden will, braucht Leidensfähigkeit“

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24. Okt 2014
Dominik Müller - Nachwuchstrainer beim Hamburger Golf Verband. (Foto: I. Kuhlmann)
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Früher Eishockeyprofi, jetzt Landestrainer beim Hamburger Golfverband: Dominik Müller erklärt, wie er den Golfnachwuchs voranbringen will.

Golf Post: Herr Müller, Ihre Mission ist es, aus dem Hamburger Golfnachwuchs Spitzengolfer machen. Was muss ein junger Mensch Ihres Erachtens dafür mitbringen?

Dominik Müller: Wer Leistungssportler werden will, braucht neben sportlichem Talent eine gewisse Leidensfähigkeit. Jeder muss bereit sein, über Grenzen zu gehen und was nicht fehlen darf, ist Durchhaltevermögen.


Golf Post: Die Anzahl golfspielender Kinder und Jugendlicher ist rückläufig. An welcher Schraube kann man in der Nachwuchsarbeit drehen, um das zu ändern?

Müller: Grundsätzlich steigt die Zahl der Kinder immer noch, nur die Wachstumsquote ist gesunken. In vielen Sportarten zeichnet sich diese Tendenz ab. Ja, wir müssen Kinder an den Golfsport heranführen. In diesem Jahr hatte der HGV in Hamburg eine tolle Aktion ‚Girls go Golf’. 60 Mädchen wurden eingeladen, den Sport auszuprobieren, rund 30 Prozent sind dabei geblieben. Es wäre schön, wenn mehr Golfclubs solche oder ähnliche Aktionen anbieten würden.

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Dominik Müller

Dominik Müller: Landestrainer der Jungen beim HGV

Dominik Müller hat eine interessante Karriere hingelegt. 22 Jahre lang spielte er Eishockey, fünf Jahre sogar professionell. Erst 2004 tauschte er den Puck gegen einen Golfball. Seit 2011 ist er hauptamtlicher Landestrainer der Jungen beim Hamburger Golfverband (HGV), gehört zum Coach-Team der PGA of Germany und ist auf dem Weg den Trainerschein des Deutschen Olympischen Sportbunds an der Trainerakademie Köln zu erlangen. Im Interview erzählt er, was die Nachwuchstalente alles im Gepäck haben sollten.

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Golf Post: Nimmt der Leistungssport den Kindern die Kindheit?

Müller: Wenn ich an meine Kindheit denke, kann ich ganz klar sagen, der Sport war das Beste, was mir passieren konnte. Meine Freunde hatte ich dort und die Erfolge beim Sport waren mein Ziel. Wichtig ist, dass die Kinder selbst diese Ziele erreichen wollen und nicht die Eltern. Es gibt auch Nachwuchssportler, denen unsere Anforderungen zu hoch sind. Dann sind sie im Leistungssport falsch.

Golf Post: Sie selbst haben Ihre sportlichen Wurzeln im Eishockey. Gibt es Parallelen in der Nachwuchsarbeit?

Müller: Der körperliche Anspruch an Eishockeyspieler ist höher. Ich hatte fünf Trainingstermine in der Woche, jedes Wochenende Turniere und die nicht gerade vor der Haustür. Beim Golfsport bewegen wir uns noch häufig regional. Durch die Einführung des Ligasystems, also dem hierarchischen Wettkampfsystem, sind wir jetzt auf einem guten Weg die Anforderungen zu steigern. Mental ist Golf allerdings durchaus anstrengender. Und auch der athletische Aspekt tritt beim Golfen zunehmend in den Fokus. Krafttraining ist für einen guten Golfer enorm wichtig.

Golf Post: Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche jungen Sportler sich für den Kader eignen?

Müller: Wir schauen uns die Relation Alter und Handicap an, wir fragen die Clubtrainer und auch die Anzahl der gespielten Turniere wird bewertet, danach laden wir ein. Die Sichtung liefert einen zusätzlichen Aspekt, Leistung unter Druck zu beurteilen. Zwei Tage beobachten wir die Potentiale der Kinder in den Bereichen langes und kurzes Spiel, Athletik, Regeln und Spiel auf dem Platz.

Golf Post: Sie arbeiten mit 27 Kindern im Kader. Wie organisieren Sie das Training?

Müller: Im Winter liegt der Trainingsschwerpunkt auf Technik. Der Kader unterteilt sich in Perspektiv- und Spitzenkader. Für beide gibt es intensives Training in der Woche und auch an Sonntagen, egal ob Feiertag, Geburtstag oder Familienfest. Training ist Training. Zudem werden regelmäßige Athletikeinheiten durchgeführt. Was die Clubtrainer betrifft, so bin ich im regelmäßigem Kontakt mit ihnen, für einen Austausch über den Athleten.

Golf Post: Der HGV zeigt sich innovativ beim Thema Trainingskoordination. Für die Absprachen zwischen Trainer und Kindern setzen Sie ein spezielles Computerprogramm ein.

Müller: Die Kinder koppeln das Computerprogramm an einen digitalen Kalender. Wöchentlich im Voraus übermitteln sie mir ihre freien Trainingszeiten. Dafür stelle ich ihnen persönlich zugeschnittene Aufgaben, die sie direkt mit dem Handy empfangen können. Die Ergebnisse werden wiederum ins System eingetragen und die Trainingsfortschritte können dokumentiert und analysiert werden. Momentan arbeiten wir noch mit einer Testversion, perspektivisch kann es ein Programm für alle Golfspieler werden.

Golf Post: Es gibt eine Reihe von Golfvariationen, um den Sport auch für Noch-nicht-Golfer populärer zu machen. Beispiele sind größere Löcher, Dartscheiben auf der Drivingrange oder auch die Verkürzung von Golfrunden. Wie sehen Sie das unter leistungssportlichem Aspekt?

Müller: Für mich bedeutet Veränderung Fortschritt. Wenn der Athlet immer wieder vor unterschiedliche Anforderungen gestellt wird, macht ihn das flexibler. Das gilt für Hobbygolfer gleichermaßen.

Das Interview führte Imke Kuhlmann in Hamburg.

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Imke Kuhlmann

Imke Kuhlmann - Freie Autorin für Golf Post

Imke Kuhlmann ist freie Journalistin. Golfspielen fand sie zuerst doof, bis sie zum ersten Mal selber einen Schläger in die Hand nahm. Das Handicap ist eher durchschnittlich, die Leidenschaft zum Golfsport deutlich überdurchschnittlich.

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