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Die Lebenszeichen des Tigers: Werbepflicht einer „Rampensau“

01. Jun 2016
Tiger Woods ist nach seinen zahlreichen Verletzungen "gefangen" zwischen Anspruch und Wirklichkeit. (Foto: Getty)
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Tiger Woods will und muss Präsenz zeigen – fürs Ego, für die Sponsoren. Kultmoderator David Feherty indes glaubt nicht an ein Comeback.

Ein bengalisches Sprichwort sagt: „Die Stärke des Tigers ist die Angst vor dem Tiger.“ Diesen Nimbus dürfte der gesundheitlich angeschlagene Tiger namens Woods längst verloren haben. Derzeit umwehen den 40-Jährigen vor allem Fragezeichen. Wie steht es um seinen maladen Rücken wirklich? Ist er zu einem aggressiven Wettkampfschwung in der Lage? Vor allem: Wann kehrt er auf die Turnierbühne zurück?

Jack Nicklaus‘ „Memorial“ in dieser Woche wird ohne Auftritt des 14-fachen Majorsiegers verstreichen, trotz gebuchten Quartiers. Dabei ist Muirfield Village vertrauter Turf, fünf Mal war der Tiger hier erfolgreich. Niemand erwartet überdies ein Comeback zur US Open übernächste Woche, obwohl Woods – natürlich – für Oakmont genannt hat. Da rauschte es noch im Medienwald, alle Welt spekulierte über ein Comeback bei dem Major, das Woods 2008 als bislang letztes gewann. Dass der dreifache „Champion Golfer of the Year“ sich jetzt zur British Open anmeldete, wurde vergleichsweise unaufgeregt zur Kenntnis genommen. Die Lebenszeichen des Tigers reißen niemanden mehr vom Hocker!


Selbstdarstellung als Elixier

Aber warum macht Tiger Woods das alles? Ganz einfach: Weil er präsent bleiben will. Und muss! Fürs Ego beispielsweise. Profi-Golfer, hat Paul Azinger neulich erklärt, wollen sich zeigen, sind sportliche Exhibitionisten. Vulgo: „Rampensäue“. Es sei wie ein Elixier. Sonst könnten sie nicht vor Tausenden von Zuschauern und laufenden Kameras agieren. Selbst ein Tiger Woods braucht die Aufmerksamkeit, das hat sein Vater Earl schon festgestellt, als der Filius noch fast ein Dreikäsehoch war: „Deswegen ist Tiger immer dann besonders gut. Er liebt das.“

Azinger glaubt indes, dass der neue, der verwundbare Woods diese Lust an der Selbstdarstellung etwas verloren hat: „Er kann sein früheres Spiel nicht mehr toppen, kann seine Mitspieler und die Zuschauer nicht mehr beeindrucken. Stattdessen wird jeder Schlag von ihm kritisch beäugt“, sagte der erfolgreiche US-Ryder-Cup-Skipper von 2008. „Dann wird es ungemütlich und das Spiel ist kein Spaß mehr. All das nimmt ihm den Willen, weiter zu spielen.“

Ungeduld und Sponsorenbeglückung

Natürlich sind all die Nennungen nur Formalien. Den Einschreibefristen geschuldet. Doch Woods suggeriert damit, er sei bereit. Eigentlich. Für welches Turnier letztlich auch immer. Obwohl er nach eigenem Bekunden immer noch kein volles Trainingsprogramm über mehrere Tage durchsteht, geschweige denn eine einzige vollständige 18-Loch-Runde gespielt hat. Das hat ein bisschen mit Ungeduld zu tun: „Ich vermisse es, da draußen zu sein, die Jungs um mich zu haben.“

Akzeptiert, siehe „Rampensau“. Überdies hat der Mann nun mal Verpflichtungen. Seine Sponsoren wollen beglückt werden, ihn sehen, mindestens über ihn lesen. Woods ist neben Rory McIlroy das Golfgesicht von Nike. Wer Woods liest, denkt an den „Swoosh“. Oder an AT&T und Buick. Der Superstar kriegt viel Geld dafür, dass die Logos seiner Sponsoren vergangenes Jahr bei der Wyndham Championship letztmals im Turnier-Rampenlicht zu sehen waren. Folglich muss mediale Aufmerksamkeit anders her.

„MusclePharm“ freilich war das wohl nicht genug. Das Unternehmen für Sportnahrungsmittel hat den Vertrag mit Woods aufgelöst, ließ sich den vorzeitigen Ausstieg sogar 2,5 Millionen Dollar kosten. Nicht zuletzt, um weitere Werbeausgaben zu vermeiden, da es der Firma wirtschaftlich aktuell nicht gut geht. Im Juni 2014 war der Deal geschlossen worden, für 15 Turniere sollte „MusclePharms“ Logo das Bag des Tigers zieren. Er spielte seither bloß acht Events über die volle Distanz. Und es ist nicht absehbar, wann die nächsten folgen werden.

David Feherty: „Tiger Woods ist stur“

Die missglückte Vorstellung Mitte Mai beim Medientag zur „Quicken Loans“ bestärkte allenfalls Skeptiker. Drei Mal schaffte Woods es mit dem Wedge nicht über gut 90 Meter aufs Grün, drei Mal klatschte der Ball ins Wasser, der Schwung wirkte unrund und gebremst. Dennoch fiel wieder das Wort „Rückkehr“, der Gastgeber stellte einen Start beim Turnier zugunsten seiner Stiftung in Aussicht. Schlagzeilen machte gleichwohl das Wedge-Debakel.

Kultmoderator David Feherty, einst Pro und Ryder-Cup-Spieler, heute in Diensten von „NBC“ und „Golf Channel“, glaubt jedenfalls, dass Woods gar nicht mehr zurückkommt. Er habe ihn in phänomenaler körperlicher Verfassung erlebt, definiert wie eh und je. Aber das Problem sei halt nicht muskulär, sondern ein Nerv in seinem Rücken. „Tiger ist zu stur, um es nicht zu versuchen“, mutmaßt Feherty. „Aber ob er die richtige Motivation findet…“

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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