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Golfprofi werden – Wie geht das eigentlich?

27. Sep 2014
US-Amerikanerin Stacy Lewis (li.) während einer Golf-Klinik 2013. Lewis war Studentin der University of Arkanas und erlangte 2008 dort nicht nur den Abschluss in Finanzwirtschaft. Lewis ist seither auch erfolgreiche Proette auf der LPGA Tour. (Foto: Getty)
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Wer Profi werden will, hat die Wahl: Deutsches Fördersystem oder auf’s College in die USA. Golf Post hat zwei Stipendiaten getroffen.

Die schulische Ausbildung und die sportliche Karriere unter einen Hut bringen? Bei vielen deutschen Fußballvereinen funktioniert dies längst. Bestes Beispiel dafür ist der FC Bayern München. Im vereinseigenen Internat sind etwa die Nationalspieler Philipp Lahm und Thomas Müller groß geworden.

Modell USA: Gemeinsames Trainieren am College

Auf dem Weg zu einer erfolgreichen Profikarriere steht bei talentierten Golfern hingegen immer öfter ein Studium in den USA auf dem Programm. Über 500 Universitäten, Colleges oder Business Schools stellen – aufgeteilt in verschiedene Leistungsklassen – Golfteams, die an Turnieren und Meisterschaften teilnehmen. Neben einer erstklassigen Ausbildung können sich die Schüler dort täglich mit den Besten messen. Wie beispielsweise Carolin Westerberg. Die 18-Jährige zählt mit Handicap 1,8 mittlerweile zu den besten 150 Golferinnen in Deutschland. Über ein Stipendium hat sie an der Shorter University in Rome, etwa eine Autostunde von Atlanta entfernt, begonnen, Business Management zu studieren und im Einklang dazu ihre Golfkarriere zu forcieren. „In Deutschland ist das auf hohem Niveau nur bedingt möglich“, sagt sie.


Carolin Westerberg

Carolin Westerberg (Foto: S. Schöttl)

Carolin Westerberg an der Shorter University

Den Sportlern werden die nötigen Freiräume gewährt. Sprich: Unterricht von 8 bis 13 Uhr, nachmittags vier Mal pro Woche ab 15 Uhr Training. „Dazu kommen pro Semester vier Turniere, für die man zwischen drei bis fünf Tage vom Unterricht befreit ist“, erzählt Westerberg. Die 18-Jährige meint: „Sport wird in den USA im Allgemeinen viel größer geschrieben als in Deutschland. Die Jugendförderung ist riesig. Ich sehe als großen Vorteil gegenüber Deutschland, dass die Jugendlichen ihren Sport an der High School oder dem College in der Mannschaft gemeinsam betreiben.“ Und dennoch werde jeder für sich ganz speziell gefördert.

Bei Westerberg hat sich dies ausgezahlt: Sie wurde zum Beispiel aufgrund ihrer starken Leistung als erste Golf-Studentin der Shorter University von der nationalen Sport-Vereinigung NCCAA zur „Athletin der Woche“ gewählt. Die Zeit in Amerika, sagt sie, habe sie auf jeden Fall weitergebracht. „Vor allem durch das Spielen auf extrem schweren Plätzen und das gemeinsame Training im Team“, sagt sie.

Golfinternate in Deutschland selten

In Deutschland hingegen sind solche Golfinternate oder die kombinierte Ausbildung Schule/Golf noch Mangelware. Auch wenn die Sportart bei der Jugend immer beliebter wird, bleibt ausgiebig Zeit dafür meistens nur am Wochenende. Die Zinzendorfschulen in Süddeutschland sowie die Privatgymnasien St. Leon-Rot und Waren an der Müritz sind derzeit die einzigen, die mit ihrem golferischen Engagement werben.

Raphael Geißler

Raphael Geißler vom Golfclub St. Leon-Rot. (Foto: GC St. Leon-Rot)

Raphael Geißler besucht das renommierte Privatgymnasium in St. Leon-Rot und gehört mit einem Handicap von aktuell +1,1 nicht nur zu den größten Talenten des dortigen Golfclubs, sondern auch zum ambitionierten deutschen Nachwuchs. Er hat die Schule ganz bewusst gewählt – weil bekannt ist, dass Lehrer und Schulleitung den Golfsport unterstützen und somit die vielen Fehlzeiten besser kompensiert werden können. „Zudem liegt die Schule auch nur sieben Minuten vom Golfclub entfernt“, erzählt der inzwischen 17-Jährige.

„Der Unterricht geht von 7.50 bis 16 Uhr. Ohne Golf“

Die Schüler werden für Turniere oder Trainingslager vom Unterricht freigestellt, der Lernstoff wird nachgereicht. In den Freistunden steht den Jugendlichen zudem ein Kraftraum zur Verfügung. Das spiegelt sich in den Ergebnissen der Schulmannschaft wider: Jährlich beim Bundesfinale von „Jugend trainiert von Olympia“ sind die Jungen und Mädchen aus St. Leon-Rot ganz vorne dabei. Und dennoch ist das Bildungssystem mit dem in den USA nicht zu vergleichen, trotz aller Kooperation und allen Verständnisses.

„Der Unterricht geht von 7.50 bis 16 Uhr. Ohne Golf“, erklärt Geißler. Sprich: Für seine sportliche Laufbahn investiert er quasi seine ganze Freizeit. Denn nach der Schule folgen fast täglich bis in den Abend hinein Trainingseinheiten auf dem Platz und im Kraftraum des Golfclubs. „Am Wochenende trainiere ich durchschnittlich fünf Stunden pro Tag beim Golfclub St. Leon-Rot“, sagt der Schüler. Und die Hausaufgaben sind dann noch nicht gemacht.

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Stephan Schoettl

Stephan Schoettl - Freier Autor für Golf Post

Den Sport- und Touristikmanager hat es nach einer Zwischenstation beim Radio als Redakteur zu den Printmedien verschlagen. Er ist im Allgäu daheim und dreht dort auch am liebsten seine Runden. Er schlägt die Golfbälle aber nicht nur gerne, sondern freut sich auch über besondere Exemplare für seine Sammlung. Sie finden Stephan Schöttl auch unter Google+
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