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Die Bewerbung um den Ryder Cup 2018 – Eine vertane Chance?

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02. Sep 2012
Die Bedeutung des Ryder Cups auch auf Seiten der Medien waren ein Grund für eine Bewerbung des DGV. (Foto: Getty)
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Der Ryder Cup hätte 2018 in Deutschland stattfinden können. Die Bewerbung scheiterte aufgrund massiver Versäumnisse.

Mit einer überwältigten Mehrheit von 96 Prozent hatten sich die Mitglieder des Deutschen Golf Verbandes (DGV) beim außerordentlichen Verbandstag im November 2010 für den Ryder Cup ausgesprochen: 2018 wollten sie ihn nach Deutschland holen, zum ersten Mal in seiner dann über 100-jährigen Geschichte.


Ryder Cup als Motivator für den Nachwuchs

An der Spitze der Bewerbung stand die deutsche Golfikone Bernhard Langer. Die Bedeutung und mediale Reichweite des Events, der Prestige-Charakter und die beim Ryder Cup so große Emotionalität der sonst so verhaltenen Golfer beeindruckten die Verantwortlichen des DGV, die darin auch eine Chance sahen, der nur langsam wachsenden Mitgliederentwicklung im DGV entgegenzuwirken.

So überraschte es auch kaum, dass der Deutsche Golf Verband (DGV) bereit war, die Bewerbungskosten in Höhe von 1,2 – 3 Millionen Euro ohne weiteres zu bezahlen. Um sich gegen die starken Wettbewerber aus Schweden, Portugal, Frankreich und den Niederlanden durchzusetzen, wurde im Oktober 2008 die Ryder Cup Deutschland GmbH  gegründet. Mitgesellschafter der DGV-Tochter war die die PGA of Germany und die Langer Golf GmbH der Brüder Bernhard und Erwin Langer. Sechs Plätze erklärten sich bereit, dieses Großereignis auszurichten.

Die Bedeutung des Ryder Cups auch auf Seiten der Medien waren ein Grund für eine Bewerbung des DGV. (Foto: Getty)

Dies waren die bestehenden Anlagen GreenEagle in Winsen, Gut Kaden bei Hamburg, A-Rosa Scharmützelsee in Bad Saarow und Golfvalley in Holzkirchen. Zwei Betreibergesellschaften planten neue Anlagen für den Wettbewerb zu bauen. Dies waren zum einen die Domäne Beberbeck in Kassel und der Wittelsbacher Ausgleichsfond in Neuburg bei Ingolstadt.

Keine Unterstützung durch die öffentliche Hand

Nach Prüfung durch die RCD Deutschland und mit Hilfe von Golfexperten der Prüfungsgesellschaft KPMG entschied sich das Gremium zur Überraschung vieler für den Wittelsbacher Ausgleichsfond als Austragungsort. Der Platzbau wurde mit ca. 20 Millionen Euro veranschlagt und sollte durch Gelder des Fonds und dessen Sponsor Audi abgedeckt werden. Für Peter Schwarzenbauer, Marketing Vorstand bei Audi, war es eine Herzensangelegenheit, ein Zeichen für die Region zu setzen.

Als weiterer Partner wurde die VCG, die Vereinigung clubfreier Golfer gewonnen. Die Einbeziehung der Politik erwies sich als schwierig, nach anfänglichen positiven Signalen aus Berlin und München wurde deutlich, dass die geforderten Mittel für Infrastruktur und Lizenzgebühren nicht von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt wurden.

Am Ende entscheidend: Die Finanzen

In Frankreich indes hatte der Staat eine Zusage über 35 Millionen für den Ausbau des Verkehrsnetzes zugesagt. Zudem wurde die von der Ryder Cup Europe geforderte Lizenzgebühr in Höhe von 18 Millionen Euro durch eine Beitragserhöhung der French Golf Federation abgedeckt. Nachdem die Bundesregierung eine finanzielle Beteiligung an der Bewerbungsgebühr für den Ryder Cup 2018 in Deutschland absagte, hatte auch die Bayerische Staatsregierung im Oktober 2010 ihre in Aussicht gestellte Unterstützung in Höhe von 9 Millionen Euro zurückgezogen. Sie hatte ihre mögliche Unterstützung daran gekoppelt, dass auch der Bund sich finanziell beteiligt.

Das Verhalten der deutschen Politik und fehlender finanzieller Mittel für die Lizenzgebühr wurden natürlich in London sehr kritisch beobachtet. Weiterhin war die Regelung der Quellensteuer – RC Europe sollte den Gewinn in Deutschland versteuern – noch ungeklärt.

Den Zuschlag für die Ausrichtung des Wettbewerbs im Jahr 2018 erhielt im April 2011 im Wentworth Club im englischen Virgina Water das favorisierte Frankreich. Ohne entscheidende Signale und Zusagen aus der Politik, der Bevölkerung und der Sponsoren sind solche Großveranstaltungen in Deutschland nicht zu realisieren – München weiß noch von der Olympiabewerbung ein Lied davon zu singen. Aus diesem Grunde halten sich die Verantwortlichen des Deutschen Golfverbandes auch sehr bedeckt wenn es um die Frage einer erneuten Bewerbung geht. Ob es eine vertane Chance war, sei dahin gestellt. Die nächste Möglichkeit den Golfsport in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken ist nicht mehr weit: Golf ist wieder olympisch – 2016 in Rio de Janeiro.

Das Video zur deutschen Ryder-Cup-Bewerbung 2018

Peter Ruecker

Peter Ruecker - Freier Autor für Golf Post

Peter Rücker ist Unternehmensberater und journalistisch als freier Autor rund um alle Themen des Golf- und Sportmanagements tätig. Sie finden Peter Rücker auch unter Google+
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