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Das „Spel metten Kolven“ aus den Niederlanden

09. Sep 2013
Das Wappen prangt auf dem Balkon des Kennemer Golf and Country Club in Zandvoort, Niederlande - Austragungsort der diesjährigen KLM Open. (Foto: Getty)
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Golf kehrt mit der KLM Open an den Ursprung seiner Entstehung zurück: Holland. Über die Geburtsstunde einer weltweit populären Sportart.

Ohne Umschweife: Die Holländer sind‘s gewesen. Als Erste. Sorry, werte Schotten! Das ist amtlich. Am 26. Februar 1297 fand in Loenen aan de Vecht ein Wettspiel statt, bei dem es galt, einen Lederball mit möglichst wenigen Schlägen in einem entfernten Ziel unterzubringen. Klingt ziemlich bekannt und kam vielleicht einem Golfturnier schon ziemlich nahe.

Fakt ist: Als in den Highlands noch der berühmte William „Braveheart“ Wallace zur Revolte gegen England aufrief, haben sie in den „low countries“, den „niederen Landen“, nachweislich schon das „Spel metten Kolven“ [Spiel mit dem Schläger] betrieben. Vornehmlich im Winter, auf zugefrorenen Seen und Kanälen, aber auch entlang von Landstraßen oder im Gelände.



Wie Golf entstand

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Import aus dem Krieg macht Furore

Zugegeben: Was die Holländer da in ihrer Freizeit trieben, sieht eher nach Hockey oder Eishockey aus. Aber es war das „Kolven“ oder „Colf“, das „Chole“ aus Flandern, das schottische Soldaten während der Schlacht von Baugé bei ihren französischen Bundesgenossen abschauten und nach Hause mitnahmen. Sogar die Namen sind bekannt: Hugh Kennedy, Robert Stewart und John Smale. Im März 1421 war das, während der zweiten Phase des hundertjährigen Kriegs zwischen England und Frankreich. Der Import machte in Schottland derart Furore, dass König James II. später „gowf“ und „futeball“ verbot und das Training mit Pfeil und Bogen anmahnte, weil er im Zwist mit den Engländern um die Wehrhaftigkeit seiner Untertanen fürchtete.

Der entsprechende Parlamentsbeschluss von 1457 gilt den Schotten als offizieller Beginn ihrer Golf-Zeitrechnung. Sie müssen sich über die 160 Jahre Vorsprung der Holländer indes kaum grämen. Auch die haben Golf nicht erfunden. Die Menschheit amüsiert sich von jeher mit Ball- und Stockspielen: „Hurley“ in Irland, „Shinty“ in Schottland, „Cambuca“ in England. Es gab „pele mele“ in Italien, aus dem die Franzose ihr „jeu de mal“ und die Engländer ihr „Pall Mall“ machten. Krocket und Baseball sind so entstanden, auch Exoten wie Lacrosse und das baskische „Pelota“.

Schon die Chinesen schlugen Bälle in Löcher

Archäologen haben Fragmente mit Spielszenen aus vorchristlichen Zeiten zu Tage gefördert. Seit 1351 zeigt das berühmte Ost- oder Crécy-Fenster der Kathedrale von Gloucester in einer Scheibe eine Figur mit Schläger und Ball. Und vor weit über 1.000 Jahren spielten schon die Chinesen der Tang-Dynastie ein golfähnliches Spiel namens Chuiwan mit mehreren Schlägern.

In chinesischen Archiven findet sich übrigens der Hinweis auf einen Tang-Würdenträger, der seine Tochter angewiesen haben soll, als Ziel ein Loch zu graben. Professor Ling Hongling von der Universität Lanzhou hat flugs die These gebastelt, dass Chuiwan im Spätmittelalter von mongolischen „Touristen“ nach Europa gebracht worden sei und Golf begründet habe. Dafür gibt es aber ebenso wenig Beweise wie für eine Beteiligung des großen China-Reisenden Marco Polo.

Mitbringsel wurde in Schottland zum Welterfolg

Wo auch immer im Nebel der Vergangenheit die Ursprünge liegen: Aus dem „Kolven“ der Holländer, ihrer Bezeichnung für den Schläger, die Keule, den Kolben, wurde in Schottland letztlich Golf. Ungeachtet der buddelnden chinesischen Tochter reklamiert man selbst die Erfindung des Lochs im Boden für sich. Und erzählt zum Beweis gern die Mär vom einsamen Schäfer auf den Links, der aus Langeweile mit dem krummen Ende seines Hirtenstabs Kieselsteine in Karnickellöcher gedroschen hat.

Mag sein. Jedenfalls kultivierten und verbreiteten die Schotten das einstige Kriegs-Mitbringsel, verpassten ihm Regeln und machten einen Welterfolg daraus. Sie sind die Schöpfer des Spiels, so wie wir es heute kennen.

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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