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Adi Dünßer – Golf-Pro mit Vergangenheit

06. Aug 2013
Adi Dünßer im Ottobeurener Golf Club: Als ehemaliger Speedski-Weltmeister ist er zum Golf gewechselt um Pro zu werden. (Foto: Stephan Schöttl)
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Erst Weltmeister, jetzt Golf-Pro. Adi Dünßer ist Golftrainer der etwas anderen Art und weiß: „Die Technik macht auch vor Golf nicht Halt.“

Adi Dünßer ist ehemaliger Weltmeister im Skisport, hat seine Karriere jedoch an den Nagel gehangen um mit Golf sein Geld zu verdienen. Der Adrenalinjunkie, der jahrelang  mit über 242 Stundenkilometern bei 100 Prozent Gefälle wie ein Blitz auf Skiern den Berg hinunter gerast war, suchte nach neuen Herausforderungen. 1996 noch der schnellste Mann der Welt, wechselte Dünßer 1998 in die Ausbildung zum Diplom-Golflehrer der PGA of Germany.


Ein Golf-Pro muss stets auf das Ergebnis seiner Arbeit warten

Die Ausbildung absolvierte er unter anderem bei Carlo Knauss, dem ehemaligen Golf-Nationaltrainer und heutigen Sky-Moderator. „Ich wollte einen Job, der abwechslungsreich ist, bei dem ich mit Menschen zu tun habe und in der Natur unterwegs bin“, erläutert Dünßer seine Entscheidung. Diese Erwartungen, meint er weiter, hätten sich letztlich auch erfüllt. „Es ist und bleibt eine Herausforderung, meine Kunden zu verbessern – ganz egal, mit welchem Handicap sie zu mir kommen.“ Einziger Nachteil: Während etwa ein Maurer am Ende des Tages tatsächlich ein Ergebnis seiner Arbeit sieht, wisse ein Golf-Pro eben nicht, ob er seinem Gegenüber zu einem besseren Spiel verholfen hat.

Dünßer sieht sich dabei gleichermaßen als Trainer wie auch als Lehrer. „Man muss beides sein. Bei einem Anfänger zum Beispiel ist man eher Lehrer, denn der braucht noch sehr viele Informationen“, sagt der 48-Jährige. Je besser der Spieler ist, desto mehr sei man Trainer. Einer, der begleitet und unterstützt. Die Gefahr, zu viel auf den Kunden einreden zu wollen, sei jedoch immer gegenwärtig.

Der komplizierteste Kunde: die „gefrustete Ehefrau“

Manchen stört das weniger, den anderen mehr. Dünßer bringt in diesem Zusammenhang das Beispiel der „gefrusteten Ehefrau“ ins Spiel. Die sei nämlich der komplizierteste Kunde, den man sich vorstellen kann. „Sie wird vom Ehemann zum Golfen genötigt, hat aber selbst gar keine Lust darauf. Und während er mit seinen Kumpels auf die Runde geht, wird sie beim Pro geparkt“, erzählt er. In der Schweiz, in Österreich und Italien war er bereits tätig, bevor er 2012 in die Heimat zurückgekehrt ist. Sein Fazit: „In jedem Land haben die Golfer andere Vorstellungen von der Arbeit eines Pros und andere Erwartungen an den Unterricht.“


Adi Dünßer

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Ein Golf-Pro werde immer mehr zum Dienstleister. Sechs Tage die Woche, zum Teil zwölf Stunden am Tag. „Vor dem technischen Fortschritt darf man sich deshalb nicht verstecken und muss auch mal etwas Geld investieren“, sagt er. Bei seinem Heimatclub, dem Allgäuer Golf- und Landclub in Ottobeuren, stieß er damit auf offene Ohren. Seine Golfschule arbeitet mit modernen Hilfsmitteln, etwa dem „Track Man“, einem Radar-Messgerät zur Ermittlung der Ballflugdaten, oder dem „Balance Lab“, mit dem die optimale Gewichtsverteilung beim Schwung gemessen werden kann. Man müsse sich ständig neu positionieren. Gerade in dieser Zeit, in welcher sich der Golfsport in einer finanziellen Schieflage befinde. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker. Die Zeiten sind auch für uns wirtschaftlich schwierig“, sagt Dünßer. Ein Beispiel: Der Kunde lässt sich vor dem Kauf eines neuen Schlägers ausgiebig vom Pro beraten, sucht sich schließlich aber im Internet das günstigste Angebot.

„Keine der beiden Sportarten ist beherrschbar“

Die Wintermonate, wenn auf den Plätzen nichts zu verdienen ist, nutzen viele Golf-Professionals, um sich weiterzubilden. Der eine gibt Trainerstunden in Portugal, der andere bietet Golfreisen nach Nordafrika an und der nächste besucht ein Seminar in Florida. Dünßer nutzt den Winter größtenteils für Skitouren in den Bergen, lässt die Golfschläger aber auch von November bis März nicht unangetastet in der Ecke stehen: „Man muss immer wieder auch selbst spielen. Es ist wichtig, ein gewisses Niveau zu halten, denn der Kunde will schon sehen, dass ihm der Pro den einen oder anderen Schlag vormachen kann.“

Inzwischen ist Dünßer seit 15 Jahren Golf-Professional und sein deutscher Rekord über 242 Stundenkilometer im Speedski hat immer noch Bestand. Golf, sagt er, sei seine Art Gegenentwurf zum Speedski. Auf der einen Seite Adrenalin bis in die Zehenspitzen, auf der anderen die innere Ruhe. In all den Jahren als aktiver Golfer hat er allerdings auch eine Gemeinsamkeit ausfindig gemacht: „Keine der beiden Sportarten ist beherrschbar.“

Adi Dünßer 1996 bei der Speedski-Weltmeisterschaft

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Stephan Schoettl

Stephan Schoettl - Freier Autor für Golf Post

Den Sport- und Touristikmanager hat es nach einer Zwischenstation beim Radio als Redakteur zu den Printmedien verschlagen. Er ist im Allgäu daheim und dreht dort auch am liebsten seine Runden. Er schlägt die Golfbälle aber nicht nur gerne, sondern freut sich auch über besondere Exemplare für seine Sammlung. Sie finden Stephan Schöttl auch unter Google+
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