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Der Augusta-Krimi: Leere Kassen, hohe Ansprüche

08. Apr 2016
Vor dem Mythos gab's viele weltliche Probleme. Die Entstehung des legendären Masters in einem spannenden Roman. (Foto: Michael F. Basche/Getty)
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Zum Masters-Jubiläum: Die dunkle Seite von Augusta verpackt in einen dreiteiligen Roman. Tauchen Sie ein in ein weiteres Stück Golfgeschichte.

„Sie wollen alles über Augusta National wissen? Nun ja, alles weiß ich sicher nicht. Nur das, was mein Großvater Bowman Milligan mir aus seiner Zeit als Steward im Clubhaus erzählt hat. Er erlebte reiche und einflussreiche Männer, Wirtschaftsmagnate, sogar einen US-Präsidenten als Dauergast. Augusta National ist voller Glanz und Gloria, allerdings ging es hinter den anfangs gar nicht so prächtigen Fassaden stets um Macht und Lobbyismus.“

Notorisch klamm

Auf der ersten Einladung zum Turnier in Augusta war von "Masters" noch keine Rede. (Foto: Michael F. Basche)

Auf der ersten Einladung zum Turnier in Augusta war von „Masters“ noch keine Rede. (Foto: Michael F. Basche)


Der Kaffee dampft unbeachtet in den Bechern. „Ich bin ganz Ohr“, sagt mein Gast, der Journalist. „Was mich besonders interessieren würde: Wie war das mit Bob Jones, dem Golfer, und Clifford Roberts, dem Macher?“ Also erzählte ich weiter.

„Sie haben es schon ziemlich genau erfasst. Jones war der Präsident, ihm ging es um Golf und seinen Platz. Roberts sicher auch, demungeachtet war er in erster Linie ein Machtmensch. Als Vorstand von Augusta National hatte er endlich einen Hebel, ein Pfund, mit dem er wuchern konnte.“

„Aber Sie sagen, der Club war notorisch klamm, wenn nicht gar arm?“, wirft der Journalist ein.

„Ja, das stimmt. Doch Roberts stilisierte Augusta National und das Masters, mit Jones‘ Namen im Rücken und dessen Duldung, zu einer Art heiligem Gral. Denken Sie nur an die Firmierung ,Masters‘. Das zeigt schon den überhöhten Anspruch. Ursprünglich wollten sich die beiden mit ihrem neuen ,nationalen‘ Platz um die Austragung der US Open bewerben. Die USGA mochte aber ihren Juni-Termin nicht ändern, bei uns in Georgia hingegen ist es dann schwül und feucht. Also machen Jones und Roberts aus Trotz ihr eigenes Turnier. Es sollte direkt Masters heißen. Jones fand das überheblich und bestand auf einem ,Annual Invitation Tournament‘. 1939 dann setzte sich Roberts durch.“

Mitglieder stifteten Preisgeld

Mein Gegenüber schaut mich mit einem nachdenklich wirkenden Blick an. Bevor er sich wieder seinem Notizblock widmet, gibt er mir gestikulierend das eindeutige Zeichen, mit den Erzählungen fortzufahren.

„Der Club hatte dabei nicht mal genug in der Kasse, um das Preisgeld aus eigener Kraft zu stemmen. Roberts musste bei den Mitgliedern mit dem Hut herum gehen, hat mir ,Gran‘pa‘ Bowman verraten. Ein gewisser Bart Arkell stiftete die Siegprämie von 1.500 Dollar, Jay Monroe übernahm den 800-Dollar-Scheck für Platz zwei. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Masters konstant mit 5.000 Dollar dotiert, die auf die zwölf besten Pros verteilt wurden. Und ohne die ,Augustians‘, die Bevölkerung von Augusta, wäre das Turnier recht schnell eingegangen. Bei der Premiere kamen die Leute in Scharen, um Nationalheld Bob Jones noch mal spielen zu sehen. 1930, nach dem Grand Slam, hatte er seinen Rücktritt verkündet, ließ sich jedoch von Roberts beknien und nahm am Masters teil. Die einstige Brillanz indes war weg.“

„Augustians“ hielten Masters am Leben

Dünkelhaft, opportunistisch, selbstherrlich: Clifford Roberts war die treibende Kraft hinter Augusta National. (Foto: Michael F. Basche)

Dünkelhaft, opportunistisch, selbstherrlich: Clifford Roberts war die treibende Kraft hinter Augusta National. (Foto: Michael F. Basche)

Ich nippe an meinem Kaffee und gebe dem deutschen Reporter einen Moment Zeit, das gehörte sacken zu lassen.

„Jones ging zwölf Mal an den Start, allein, der 13. Platz von 1934 blieb sein bestes Ergebnis. Die Leute waren enttäuscht, das Interesse erlahmte. Wenigstens die ,Augustians‘ blieben dem Masters treu, gelockt durch günstige Preise. Zwei Dollar kostete eine Tageskarte, 5,50 das Wochenticket. Die Leute kauften mehr ,Badges‘, als sie überhaupt brauchten und verköstigten anfangs sogar die Masters-Teilnehmer, es war eine Frage der Bürgerpflicht. Roberts wiederum beschönigte die Zahl der ,Patrons‘ schamlos, und Ihre damaligen Kollegen beim ,Augusta Chronicle‘ druckte alles brav ab.“

Mein Gast blickt von seinen Notizen auf. „Ja, darüber habe ich dieser Tage an andere Stelle auch schon was gelesen: Anfangs war es wohl so, dass die Familien in Augusta fast schon gebeten wurden als Zuschauer zu kommen. Und wie war das nun mit der Macht?“, lenkt er das Gespräch in eine neue Richtung.

„Ja, Augusta National war mächtig. Und setzte diese Macht auch ein. Als Coca-Cola 1957 im Hauptquartier in Atlanta die Hälfte der Belegschaft entließ und einige Betroffene sogar Selbstmord verübten, sorgte Strippenzieher Roberts dafür, dass die lokale Zeitung kein Wort darüber verlor: Er bot dem Herausgeber William Morris Sr. einfach die Mitgliedschaft in Augusta National an.“

Eisenhower ins Weiße Haus gebracht

Enge Beziehungen bis hin ins Weiße Haus: Dwight D. Eisenhower (Mitte) war häufig zu Gast in Augusta. (Foto: Michael F. Basche)

Enge Beziehungen bis hin ins Weiße Haus: Dwight D. Eisenhower (Mitte) war häufig zu Gast in Augusta. (Foto: Michael F. Basche)

Ich registriere aus dem Augenwinkel ein irritiertes Kopfschütteln, lasse mich jedoch nicht beirren und fahre mit den Ausführungen der Golfhistorie Augustas fort.

„Das beste Beispiel ist gleichwohl Dwight D. Eisenhower. Jeder weiß, dass ,Ike‘ ein leidenschaftlicher Golfer war, Augusta National liebte und zahllose Golfurlaube hier verbrachte. Die wenigsten wissen freilich, dass es letztlich Augusta National und seine Clique waren, überdies die enge Verbindung mit Coca-Cola, die den beliebten General 1953 als 34. US-Präsidenten ins Weiße Haus brachten und 1956 auch seine Wiederwahl förderten. Roberts war jahrzehntelang Eisenhowers Finanzberater, vielleicht gar sein engster Vertrauter. Obwohl er nie ein offizielles Amt bekleidete, ging er im Weißen Haus ein und aus, der ,Red Room‘ galt als sein Gästezimmer. Aber das ist eine andere Geschichte.“

Der Journalist grinst: „Da muss ich nächstes Jahr wohl nochmal wiederkommen!“ Dann schaut er auf die Uhr: „Hoppla, wie die Zeit vergeht!“

„Ja“, sage ich, „es ist spät geworden. Wollen wir morgen weiter machen? Dann berichte ich Ihnen von dem Coup, mit dem sich Augusta National aller finanzieller Sorgen entledigte und den Grundstein für das legte, was der Club heute ist.“

(Fortsetzung folgt)

Hier finden Sie den ersten Teil des Augusta-Krimis

Von Ausbeutung bis Corn Whiskey: Ein Augusta-Krimi

(Erzähler und Journalist sind fiktiv, das Erzählte jedoch entstammt diversen Quellen, z. B. Clifford Roberts‘ Autobiographie)

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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