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Golf-Phantom Anthony Kim: Karriere-Ende mit 26 Jahren?

10. Nov 2015
Anthony Kim galt als großes Golftalent, bevor er 2012 quasi spurlos verschwand und zum Golf-Phantom wurde. (Foto: Getty)
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Die US-Hoffnung spielte 2012 seine letzte Turnierrunde und ist seither abgetaucht – wegen Millionen-Versicherung?

Erinnern Sie sich an Anthony Kim? Das ist jener Golfer mit den sehr auffälligen Gürtelschnallen, gerne in glitzersteinbesetzter Form seiner Initialen „AK“, der 2008 Sergio Garcia im Eröffnungseinzel des Ryder Cup mit 5&4 abfertigte und maßgeblich zum einzigen US-Erfolg in diesem Jahrtausend beitrug, Sohn koreanisch-amerikanischer Eltern, eine große Hoffnung des multikulturellen Golf-Amerika.

Im Mai 2012 spielte Kim bei der Wells Fargo Championship eine Auftakt-74 und gab anschließend verletzungsbedingt auf, es war sein bislang letztes Golfturnier. Seither bleibt Kim der PGA Tour fern, auf der er zwischen 2008 und 2010 drei Mal gewonnen hat, ist völlig von der sportlichen Bildfläche verschwunden.


Gerüchte, Spekulationen, Klatsch

Es hat was von Edgar Wallace. Kim ist ein Phantom. Mal soll er als Obdachloser auf den Straßen von Las Vegas gesichtet worden sein, mal in seiner Stammkneipe „So & So‘s“ im heimischen Dallas, andere wollen den gebürtigen Kalifornier als langhaarigen Aussteiger an einem Strand in Belize erkannt haben. Es wird gar spekuliert, das Feier-Biest sei wegen Drogentests abgetaucht. Auch ist die Rede von einer hoch dotierten Berufsunfähigkeitsversicherung. Angeblich darf Kim nicht mehr erwerbsmäßig golfen, weil damit der Leistungsanspruch erlischt.

Gerüchte, Vermutungen, Klatsch. Golf.com hat sich nach Konkretem umgehört. Clarke Jones vom Management-Riesen IMG hat indes kaum Kontakt mit seinem Klienten, weiß bloß, „dass er nicht unter einer Brücke schläft“. „Habt Ihr was von ihm gehört?“, antwortete Phil Mickelson mit einer Gegenfrage. „Lefty“ war einst Kims Mentor, „aber seit anderthalb Jahren ist der Kontakt abgebrochen“. Selbst Kumpel Colt Knost hat keine Telefonnummer: „Es ist, als wolle er sich verstecken.“ Laut Knost hat Kim im Frühjahr eine Spaßrunde mit Casey Wittenberg gespielt. „Kein Kommentar“, sagt Letzterer dazu, „Anthony ist mein Freund, ich sage dazu nichts.“

Versicherung vs. mögliches Preisgeld?

Wegen der Versicherung? „Golf.com“ spricht von knapp 20 Millionen US-Dollar, steuerfrei, und rechnet vor, dass der mittlerweile 30-jährige Kim im Fall eines Comebacks mindestens 35 Millionen Dollar machen muss, um diese Summe mit Golf zu verdienen. Klar, das erscheint machbar für einen, den sein Ryder-Cup-Skipper Paul Azinger als „emotionalen Koloss mit Killer-Instinkt“ bezeichnet; von dem Mickelson sagt, „der ,AK‘ von 2008 hatte vor nichts und niemandem Angst. Sowieso beherrschte er jeden Schlag“. Aber es ist dennoch ein Risiko, „das Kim sehr genau abwägt“, zitiert Golf.com einen anonymen Freund.

Nicht zuletzt, weil die einstige große US-Hoffnung, vom Vater allerdings auch „ziemlich brutal gedrillt“ (O-Ton Kim), stets verletzungsanfällig war. 2010 wurde er mit einem lädierten Daumen Dritter beim Masters, anschließend laborierte er wegen der Schonhaltung an einer Sehnenentzündung im linken Handgelenk, im Juni 2012 dann Achillessehnen-OP, später eingeklemmte Bandscheibe und Schulterprobleme, dazu das sogenannte „Thoracic-outlet-Syndrom“, bei dem durch gequetschte Gefäßnervenbündel Lähmungserscheinungen im Arm auftreten: Bei derart fragiler Physis kann man mit 26 Jahren schon mal die Lust am Golf verlieren.

„Golf ist eine liebevolle Erinnerung“

Doug Ferguson von Associated Press gebührt das Verdienst, Anthony Kim Ende September ausfindig gemacht und nachgefragt zu haben. Ja, er habe sich „vom Golf entfernt, um meinen Körper wieder zusammen zu setzen. Ich hatte sechs oder sieben Operationen“. Und ja, er erhalte „monatliche Zahlungen von der Versicherung, für die ich immerhin sechsstellige Summen eingezahlt habe“. Die bislang verdienten 12,2 Preisgeld-Millionen hat er übrigens in eine „vielversprechende und florierende“ Firma für Service in der Gesundheitsfürsorge investiert.

Ob er jemals wieder zum Golfschläger greift, das vermochte Kim im ersten Interview seit drei Jahren freilich nicht zu sagen. „Golf ist derzeit eine liebevolle Erinnerung. Ich vermisse den Wettbewerb ein bisschen, und Burschen wie Jordan [Spieth] bringen mich dazu, wieder Golf anzuschauen. Aber ich werde gewiss nicht gegen diese Jungs antreten, so lange ich nicht völlig gesund bin!“ Es bleibt dabei: Nichts Genaues weiß man nicht…

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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