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Danny Willett: „Auch wenn du eine Acht schießt, lächelt Dich Dein Kind an“

Im Rahmen des European-Tour-Turniers in der Schweiz bei seinem Sponsor Audemars Piguet traf Golf Post den Masters-Sieger 2016 zum Interview.

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23. Sep 2017
Golf Post traf Danny Willett in der Schweiz zum Interview. (Foto: Audemars Piguet)


Drei Tage vor dem Auftakt des Omega European Masters in Crans Montana konnte Golf Post Redakteur Robin Bulitz den Masters-Champion Danny Willett zu einem exklusiven Interview treffen und über die hervorragenden Ergebnisse in der Saison 2015/2016, die Geburt seines ersten Kindes und den anschließend steinigen Weg auf der Tour sprechen. Im Headquarter von Willetts Sponsor Audemars Piguet in Le Brassus wurde in entspannter Atmosphäre über Sponsorenbeziehungen, den Weg aus der kleinen Krise und seine Auftritte im kommenden Jahr in Deutschland gesprochen.

Danny Willett im Interview: "Die Zeit mit der Familie ist momentan das Wichtigste"

Golf Post: Schön, dass du Zeit gefunden hast, auf dem Weg nach Crans-sur-Sierre. Spielst Du Crans Montana (den Platz des Omega European Masters, Anm. d. Red.) gerne?

Willett: Ja, meine Bilanz dort ist sehr, sehr gut. Ich glaube, ich bin jetzt zum siebten oder achten Mal in Folge da. Ich habe dort ziemlich viele Top-5- und Top-10-Platzierungen erreicht – ich freue mich, dorthin zurückzukehren.

Golf Post: Tut es gut, dorthin zurückzukehren nach einer doch eher schwierigen Zeit?

Willett: Es ist immer schön, zu Turnieren zurückzukehren, bei denen man gute Wochen spielt. In letzter Zeit lief es nicht so rund, da ist es immer schön, an Orten zu spielen, wo man auch wirklich spielen will.

Golf Post: Könntest Du uns erklären, wie es sich anfühlt, als Golfprofi harte Zeiten durchzumachen? 2015 hattest Du ein fantastisches Finish, 2016 der Masters-Sieg - es war so eine verrückte Zeit. Du wurdest zum ersten Mal Vater, alles schien perfekt...

Willett: ...ja, alles passierte gleichzeitig!

Golf Post: War es vielleicht ein bisschen zu viel?

Willett: Es wurde schon alles sehr arbeitsreich. Ich nahm mir eine Auszeit, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen, gleichzeitig gab ich Interviews und machte andere Sachen, die ich noch zu tun hatte. Dann begann ich wieder mehr Turniere zu spielen – man will ja sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa eine gute Figur machen - und am Ende der Saison ist man dann einfach müde und ausgebrannt, mental und körperlich.

Wenn man dann in der freien Woche nach Hause kommt, will man natürlich seine Familie sehen, früh morgens schon mit dem kleinen Mann spielen... Ich glaube, es hat sich einfach immer weiter aufgetürmt und dann war der Übergang in dieses Jahr fließend. Meine körperliche Verfassung war nicht gut, ich habe mich ein wenig verletzt, habe nicht so gut geschlafen und trainiert wie sonst. Jetzt hatten wir eine schöne Weile frei und hoffen, dass wir diese Saison jetzt stark beenden können und dann eine schöne Weihnachtspause haben, sodass wir richtig gut ins Jahr 2018 starten können.

Golf Post: Wie wichtig sind denn Freunde und Familie, aber auch Sponsoren in guten Zeiten, aber auch gerade in solchen, wo es nicht so gut läuft und verschiedene Medien und Menschen von außen ein wenig an einem zerren?

Willett: Die Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite, sind alle fantastisch. Audemars Piguet war so großartig in den letzten drei Jahren, in guten Zeiten ebenso wie in schlechten. Man kann zu den Leuten hingehen und sich normal mit ihnen unterhalten oder sie um Rat fragen, sie geben sehr gute persönliche Ratschläge, weil es eben nicht nur eine Geschäftsbeziehung ist, die man hat, sondern auch eine persönliche. Ich habe sehr viel Glück mit meinen Sponsoren.

Wenn ich nach Hause komme, ist es dasselbe: Ich habe großartige Freunde, eine großartige Familie, mit denen ich ganz normal reden kann, die mich umarmen, wenn ich das brauche, die mir aber auch mal in den Hintern treten, wenn sie denken, dass ich nicht hart genug arbeite. Ich habe also eine sehr gute Balance. Leider kann man nicht jede Woche gut spielen, aber wir arbeiten hart daran, wieder besser zu werden als wir waren.

Golf Post: Was von diesen drei Dingen wäre denn 2018 das Wichtigste für dich: Wieder im letzten Flight beim Masters zu sein, es zum zweiten Mal in Folge ins Ryder-Cup-Team zu schaffen oder so viel „Quality Time“ wie möglich mit deiner Familie?

Willett: Ehrlich gesagt, die Zeit mit der Familie. Ich bin jetzt seit neun Jahren auf der Tour. Wir haben Majors gewonnen, wir haben andere Turniere gewonnen, ich hatte das Glück, bei einem Ryder Cup zu spielen und es wird noch viele Chancen geben, Majors zu gewinnen und noch viele Ryder Cups, bei denen ich spielen kann, aber die Kinder aufwachsen zu sehen... Selbst wenn du eine 8 schießt, dann gehst du nach Hause und weißt, dass du von ihm trotzdem immer ein Lächeln bekommst. Das ist schön.

Golf Post: Um auf den Ryder Cup zurückzukommen: Erzähl uns davon, letztes Jahr hast Du es ins Team geschafft.

Willett: Die Europäer sind in einer schwierigen Situation, das amerikanische Team ist sehr, sehr stark und wird wahrscheinlich auch für die nächsten paar Jahre noch stark sein. Sie sind durch diese Übergangsphase gegangen, die jungen Spieler erstmals einzubeziehen und spielen zu lassen und von jetzt an haben sie mindestens die halbe Mannschaft, die regelmäßig gemeinsam Golf spielt, weil sie alle nah beieinander in Florida wohnen. Sie bauen gerade das auf, was die Europäer aus amerikanischer Sicht mal hatten. Die Topspieler aus Amerika hatten alle ein fantastisches Jahr. Ich glaube, die Ryder Cups werden von jetzt an sehr gut werden, aber für Europa sehr schwierig zu gewinnen.

Golf Post: Ist das europäische Team ein wenig zu alt?

Willett: Nein, aber ich denke, wir werden das durchmachen, was das amerikanische Team auch durchgemacht hat, als es Furyk verloren hat und Woods, Mickelson wird auch zu alt, um zu spielen und ich denke, wir haben dasselbe mit Westie (Lee Westwood, Anm. d. Red.), Luke Donald und anderen erfahrenen Spieler. In den nächsten Jahren wird es spannend zu sehen, wie sich beide Teams entwickeln.

Golf Post: Du hast eben erwähnt, dass du jetzt schon drei Jahre mit Audemars Piguet zusammenarbeitest – wie entwickelt sich so eine Zusammenarbeit? Schaust Du nach Sponsoren oder dein Manager oder kommt Audemar Piguet zu Dir?

Willett: Audemars Piguet versucht, groß in den Golfmarkt einzusteigen. Also verfolgen sie ein paar junge, talentierter Typen und ich hatte offensichtlich das Glück, vor ein paar Jahren von ihnen ausgesucht zu werden und von da an haben sie mich unterstützt. Dann habe ich mit ihrer Unterstützung das Masters gewonnen, was für sie als Unternehmen natürlich toll ist.

Golf Post: Das muss hart gewesen sein für Rolex!

Willett: Es ist eine dieser Sachen. Natürlich ist es ihr Ziel, dafür zu sorgen, dass Leute die Marke sehen und die Uhren tragen. Wir als Golfer versuchen natürlich, die Marke so gut wie möglich zu promoten. Die anderen sehen dich diese Uhr tragen und werden dann vielleicht auch eine kaufen. So läuft das, auf der Tour wollen alle schöne Dinge haben. Und als Marke sind sie (Audemars Piguet) fantastisch, die Besten.

Golf Post: Du hast schon erzählt, dass es mit Audemars Piguet und auch mit Callaway ziemlich persönlich ist. Sind solche Sponsoren wichtig, um Dich frei zu fühlen und auf dem Platz Dein Bestes zu geben?

Willett: Ja, ich denke, wenn sie sich für dich als Person interessieren, spielst du tatsächlich besser. Eine der ersten Nachrichten nach meinem Masters-Sieg waren Glückwünsche von Audemars Piguet und Callaway. So wünscht man sich die Zusammenarbeit: Du bemühst dich, die Marke mit Stolz zu tragen und bekommst dafür die volle Unterstützung. Und wie ich schon sagte, ist das eben nicht nur eine Kommunikation auf geschäftlicher, sondern eben auch auf freundschaftlicher Ebene.

Golf Post: Erinnerst du dich an ein spezielles Event mit Audemars Piguet, das besonders herausragend war?

Willett: Hier in der Firmenzentrale zu sein, ist schon etwas ganz Besonderes. Ich hatte schon Audemars-Piguet-Events auf der ganzen Welt, aber hier zu sein, das Museum und die Fabrik zu besichtigen und zu sehen, wieviel Zeit es kostet, etwas so Schönes wie eine solche Uhr zu produzieren, das ringt einem mehr Anerkennung dafür ab, wie das Unternehmen tatsächlich als Macher von Uhren funktioniert und nicht nur als Marke. Das ist eine tolle Erfahrung.

Golf Post: Bevor du mit Audemars Piguet in Kontakt kamst, hattest du bereits mit Uhren zu tun...

Willett: ...ja, ich habe Uhren schon immer gemocht. Wie schon gesagt, kam Audemars Piguet zu einem glücklichen Zeitpunkt. Vorher habe ich mir immer ein paar verschiedene Uhren gekauft, um mir etwas zu gönnen, jetzt füttert Audemars meine kleine Uhrensucht (lacht).

Golf Post: Die Schweiz ist ja unmittelbar neben Deutschland, wo es dieses Jahr drei Turniere gab und auch nächstes Jahr wieder drei geben wird. Wir hoffen, dass du bei mindestens zwei davon an den Start gehst?

Willett: (lacht) Ich hoffe, dass ich definitiv die BMW International spielen kann...

Golf Post: ...zum 30. Jubiläum!

Willett: Genau. Dort haben wir damals unser erstes European-Tour-Event gewonnen (2012, Anm. d. Red.), also denke ich, dass wir dahin zurückkehren, doch noch steht nichts fest. Wir sind auch noch unsicher, was die Porsche European Open angeht, wegen des Datums, an dem sie stattfindet (zwischen WGC – Bridgestone Invitational und Open Championship, Anm. d. Red.). Es hängt alles davon ab, wie sich der Turnierplan entwickelt.

Golf Post: Also Du machst jetzt eine Top-10-Platzierung beim Omega European Masters und spielst dann 2018 wie 2016?

Willett: Das ist der Plan. Ich spiele fünf der nächsten sechs Wochen, um es im Race to Dubai nach vorne zu schaffen und die Final Series zu spielen. Man muss nur dafür sorgen, dass auf dem Kurs und außerhalb davon alles an seinem Platz ist, dann kann man sehr viel leichter spielen.

Golf Post: Wir wünschen Dir alles Gute!

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Robin Bulitz

Robin Bulitz - Redakteur bei Golf Post

Robin ist im Alter von 22 Jahren aktiv zum Golfsport gekommen und seitdem Feuer und Flamme. Durch seine sportlichen Erfahrungen im Handball und Tennis konnte er sich schnell mit der kleinen, weißen Kugel arrangieren und hat das Single-Handicap inzwischen sicher auf dem Blatt. Ab Februar 2016 zunächst als Werkstudent, mischt Robin seit August im Tagesgeschäft mit und testet besonders das umfangreiche Equipment auf Herz und Nieren.

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