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„Revolte“ auf der PGA Tour: Caddies wollen 50 Mio. Dollar

05. Feb 2015
Keine Lust mehr, als unbezahlte "Litfaßsäule" herumzulaufen: Die Caddies verklagen die PGA Tour auf 50 Millionen Dollar. (Foto: Getty)
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Sie müssen auf ihren Bibs für Sponsoren werben – ohne finanzielle Beteiligung. Nun wollen die Caddies ihren Anteil einklagen.

Auf der PGA Tour hängt der Haussegen schief: Die Tour-Caddies verlangen eine Beteiligung an den Einnahmen, die durch Sponsoren- und Werbelogos auf ihren Leibchen generiert werden, und haben die Tour verklagt. Während in Torrey Pines der „Westcoast Swing“ beginnt, muss sich das Management um Commissioner Tim Finchem mit einer Forderung von 50 Millionen Dollar beschäftigen.

Der Vorgang kommt einer kleinen Revolte gleich. Nachdem sich die „Bag-Men“-Gilde schon seit Jahren in vielerlei Hinsicht benachteiligt fühlt, machen 81 US-Caddies jetzt ernst: „Das Leibchen“, so heißt es in der Klageschrift, „stellt bei Turnier-Übertragungen nach den Werbeblöcken das wertvollste Marketinginstrument dar.“ Eugene Egdorf von der beauftragten Kanzlei „The Lanier“ ergänzt: „Über Jahre hinweg haben die PGA Tour und ihre Sponsoren davon profitiert – und wir reden über hunderte Millionen Dollar –, dass die Caddies ohne jedwede Gegenleistung die bedruckten Leibchen tragen.“ Im Klartext, die Männer an den Taschen der Pros laufen kostenlos Reklame und verlangen nun ihren Anteil am Kuchen!


Auf eigene Werbeeinkünfte angewiesen

Wortführer der Kläger sind Kenny Harms, „Looper“ von Kevin Na, sowie der mittlerweile pensionierte Mike Hicks, einst Caddie für Payne Stewart und Greg Norman. „Die Leibchen schränken uns dabei ein, eigene Sponsoren zu finden und zu repräsentieren“, verdeutlicht Harms. Letztlich sei die Mehrzahl aller Caddies auf solche Einkünfte angewiesen, beispielsweise um Kranken- und Rentenversicherungen zu finanzieren.

Aber niemand gebe Geld für einen Werbeschriftzug aus, der ständig von einem Lätzchen verdeckt werde: „Das Leibchen gehört uns, es ist auf unserem Körper. Wir sorgen für Profit und kriegen nichts dafür!“ Geschätzt 50 Millionen Dollar kassiert die Tour jährlich dafür, dass die Caddies als unbezahlte Litfaßsäulen herhalten.

Rückendeckung von Kevin Na für seinen Caddie

Vom Chef gibt‘s volle Rückendeckung. „Ich stehe hundertprozentig hinter Kenny Harms“, betont Kevin Na. „Er macht das für die Jungs, die nicht bei einem Groß- oder Gutverdiener arbeiten und sich keine Absicherung im Krankheitsfall oder Altersvorsorge leisten können.“

In den Regularien der PGA Tour findet sich übrigens keine konkrete Direktive bezüglich der Leibchen. Eine Verweigerung jedoch kommt für Harms und Co. nicht in Frage: „Damit würden wir bloß unseren Spielern schaden.“

Das Thema ist schon seit geraumer Zeit auf dem Tableau. Bereits Ende 2013 hatte sich „APTC“, die Vereinigung der professionellen Tour-Caddies, gegründet; bei der Phoenix Open 2014 saß man erstmals in Sachen Werbe-Vergütung zusammen. Konstruktive Lösungsvorschläge indes gab es bislang keine. Stattdessen sollen Tour-Offizielle bei Spielern nachgefragt haben, ob die bereit wären, ihre Caddies im Fall eines „Leibchen-Boykotts“ zu feuern.

Tim Finchem fühlt sich scheinbar nicht recht zuständig

In der Klage kocht freilich noch allerlei anderer Unmut hoch. Die Caddies fühlen sich als „Akteure zweiter Klasse“, die auf der Runde keinen Zutritt zu den Toilettenhäuschen haben, sich mit „Dixis“ begnügen und Parkplatzgebühren blechen müssen, deren Angehörige sich während Regenpausen nicht mal in der Spielerlounge unterstellen dürfen. Tour-Pro Pat Perez hat noch ein Beispiel parat: „Warum müssen die Jungs ihr Lunch selbst bezahlen? Für die Tour mit all ihrem Geld wäre es ein Klacks, den Caddies das Mittagessen zu spendieren.“

Nun ist die PGA Tour am Zug. Tim Finchem hat sich im Vorfeld der Farmers Insurance schon geäußert: „Die Caddies sind Angestellte der Spieler und nicht der PGA Tour. Wir denken, dass das ein gutes System ist, an dem wir festhalten sollten.“ Das klingt, als fühle sich der Commissioner nicht so recht zuständig und wolle den „schwarzen Peter“ an die Professionals weiter reichen. „Im Lauf der vergangenen 15 Jahre wurde eine Menge für die Caddies getan“, immerhin würden sie ja auch von den deutlich gestiegenen Preisgeldern profitieren. „Aber sicherlich können wir manches noch besser machen“, sagt Finchem wolkig. Derweil feilen seine Juristen im Hintergrund an der Klageerwiderung.

Vorbereiten, beraten, unterstützen: Die Arbeit der Tour-Caddies

Selbstvermarktung der Caddies, Beteiligung – oder etwas ganz anderes? Was wäre aus Ihrer Sicht eine gute Lösung für den Konflikt?

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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2 LESER-KOMMENTARE

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  1. Eugen Pletsch

    Kaum sonstwo zeigt sich das Klassendenken unserer „westlichen Zivilisation“ deutlicher als im „Herr und Diener“ – Verhältnis der Tour.

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  2. Und falls es mit dem Caddy mal nicht so richtig klappt, einfach mehr Spin auf das Wedge 😉 http://www.morespin.de

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