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Brooks Koepka: Mit Hilfe von Dustin Johnson zum Triumph

Fünf Jahre zwischen erstem Profisieg und dem Majortitel. Dennoch kommt beim US-Open-Champion oftmals Baseball noch vor Golf.

19. Jun 2017
US-Open-Sieger Brooks Koepka (r.) und der Weltranglistenerste Dustin Johnson sind nicht nur gute Freunde, sie trainieren auch regelmäßig zusammen. (Foto: Getty)


Ricky Elliott lieferte das Statement des Abends. Was er sich vom zehnprozentigen Anteil am Preisgeld seines Chefs denn leisten wolle, immerhin über 200.000 Dollar? „Ich kaufe mir einen Zwölferpack Bier“, antwortete Brooks Koepkas Caddie, nannte als Marke allerdings nicht den Sponsor seines Chefs. Im Augenblick des Triumphs dürfte es egal gewesen sein. Niemand weiß besser als Elliott, wie unzufrieden Koepka immer war, mit nur zwei Erfolgen auf den beiden großen Profitouren, trotz des so offensichtlichen Potenzials. „Er glaubte, er müsse jede Woche gewinnen, wo doch selbst jüngere Kollegen sehr erfolgreichen waren“, sagt Elliott. „Underachiever“ nennen sie das in den USA, es kommt einem Versager sehr nahe.

Tiger Woods als Magnet

So sah sich auch Koepka, doch diese Hybris ist er seit gestern los. Fünf Jahre nach dem ersten Sieg als Profi auf der Challenge Tour und nach fünf US-Open-Teilnahmen darf sich der 27-Jährige nun auch Majorsieger nennen, dank einer beeindruckend souveränen und nervenstarken sowie - mit Ausnahme des Bogeys auf der Zehn - fehlerlosen Finalrunde bei der 117. US Open.

Ja, Challenge Tour. Nach perspektivreichen Jahren im Uni-Team der „Florida State“ ließ Koepka sich nämlich den ungewohnten Wind der europäischen Circuits um die Ohren wehen. Um sein Spiel zu vervollkommnen. Wohl auch, weil er dachte, dass es bezüglich der Karriere hier schneller voran gehe. Bruder Chase geht übrigens seit diesem Jahr den selben Weg. In Europa habe der Jungprofi jedenfalls gelernt, mit Golfplätzen wie Erin Hills umzugehen, befand Trainer-Legende Butch Harmon. Den Platz kannte Koepka freilich schon von der US Amateur Championship 2011.


Vom Winde verweht - Finaltag bei der US Open

Dabei wäre der 1,83-Meter- und 84-Kilo-Mann ohnehin lieber Baseball-Crack geworden, Großonkel Dick Groat war ein Star. Pitcher wie Vater Bob, um genau zu sein - also der Werfer. Golf fand er früher eher langweilig, als Zuschauer selbst heute noch. Und wenn Tiger Woods nicht gewesen wäre, vielleicht hätte während der Uni alles einen anderen Verlauf genommen. „Tiger war der Magnet, der mich beim Golf gehalten hat“, gestand Koepka: „Ich will nicht lügen: Es war cool, ihn gewinnen zu sehen, und nur deswegen spiele ich.“

Brooks Koepka knabberte an magerer Bilanz

Der Schützling von Butch Harmons Sohn Claude III gewann zwischen September 2012 und Juni 2013 vier Mal auf der Challenge Tour, qualifizierte sich für die European Tour, obwohl er zwischendrin gar mit Golf aufhören wollte, und wurde dank des Erfolgs bei der Turkish Airlines Open 2014 „Rookie des Jahres“. 2015 holte er sich bei der Phoenix Open den ersten und vor Erin Hills auch einzigen Sieg auf der PGA Tour.

Brooks Koepka gibt die US-Open-Trophy nicht mehr her.

Brooks Koepka gibt die US-Open-Trophy nicht mehr her. (Foto: Getty)

Koepka knabberte an dieser mageren Ausbeute: „Ich mag es nicht, zu verlieren. Ich denke, dass ich mehr gewinnen müsste. Hier in den USA erst einmal gewonnen zu haben, ist fast unerträglich.“ Er sah sich auf Augenhöhe mit Twens wie Jordan Spieth, Rory McIlroy und Jason Day, der damals gerade die PGA Championship gewonnen hatte. Nur das Major fehlte zum Eintritt in diese U30-Bruderschaft. Daran änderte auch die Berufung ins US-Ryder-Cup-Team für Hazeltine 2016 nichts.

Als der Modellathlet gestern Abend dann mit der namenlosen US-Open-Trophäe auf dem 18. Grün stand, verglich ihn „Golf Digest“ in einem schriftlichen Augenblick der Sentimentalität sogar mit Arnold Palmer: „Ein ganzer Kerl mit dem Rücken eines Footballspielers und den Armen eines Schmieds.“

Zwei-Minuten-Telefonat und Siegerfaust

Brooks Koepka zeigt "Emotionen" nach dem Sieg.

Brooks Koepka zeigt "Emotionen" nach dem Sieg. (Foto: Getty)

Viel wichtiger als diese Ausstattung war aber vielleicht das psychologische Rüstzeug. Und das kam von Dustin Johnson, mit dem Koepka eng befreundet ist und trainiert, mit dem er am Samstag Abend für beider Verhältnisse zudem lange und ausführlich telefoniert hat. „Das Gespräch dauerte etwa zwei Minuten“, schätzte Koepka grinsend. „D. J.“ habe ihm gut zugeredet, seine Ungeduld zu zügeln, gelassen zu bleiben und während der Runde nicht zuviel auf einmal zu wollen.“

Derart eingestimmt egalisierte Koepka mit -16 fürs Turnier die US-Open-Bestmarke gegen Par von McIlroy aus dem Congressional Country Club 2011 und wurde zum siebten sowie jüngsten Major-Erstsieger in Folge. Seine Statistiken sind imposant: Erster des Felds mit 62 regulär getroffenen Grüns, 49 von 56 Fairways getroffen (4.), 294 Meter durchschnittliche Drive-Länge (7.),  21 Birdies (T2) und durchschnittlich 1,17 Putts.

Den Triumph freilich quittierte der eher stoische Typ („Ich muss an allem weiter arbeiten, ich werde nie zufrieden sein“) nach dem Par-Putt ins 72. Loch mit fast Kaymer‘scher Emotionalität: „Habt Ihr meine gepumpte Faust gesehen!“

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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