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Brauchen Frauen anderes Golftraining als Männer?

Autor:

07. Okt 2016
Müssen Frauen anders trainiert werden als Männer? Es ist nicht so sehr die Frage nach Frau oder Mann, findet Esther Poburski. „Für mich braucht jeder Schüler ein individuelles Training."
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Golftraining für Frauen ist vielerorts auf dem Vormarsch – warum? Benötigen Frauen wirklich ein anderes Golftraining als Männer?

In Deutschland steigt die Zahl der Golfspielerinnen und liegt mit 40 Prozent aller Golfspieler im internationalen Vergleich relativ hoch. Klar, dass sich daraus die Frage ergibt, ob Frauen auch ein anderes Training brauchen.

Stefan Quirmbach hat bereits vor rund 20 Jahren damit begonnen, in seiner Golfschule in Hardenberg Golfkurse nur für Frauen anzubieten. „Frauen schätzen ihre spielerischen Möglichkeiten meiner Meinung nach realistischer ein. Während es Männern meist um die Schlagweite geht, interessiert die Frauen eher das Gesamtergebnis.“ Der Grund dafür ist nach Auffassung des Präsidenten der PGA of Germany einfach: „Männer suchen immer den Wettbewerb, Frauen sind mehr miteinander.“


„Männer suchen Wettbewerb, Frauen Gesellschaft“

Stefan Quirmbach, PGA of Gemrany

Stefan Quirmbach, Präsident der PGA of Germany

Genau das macht ein fokussiertes Training sinnvoll. Derweil die Herren eher an der Schlagtechnik interessiert sind, ist es bei Frauen wichtig, die anatomischen Voraussetzungen beim Schwung zu berücksichtigen. „Gemeint ist nicht nur die Oberweite, die eine andere Bewegung erforderlich macht, es ist auch die Muskulatur, die sich beispielsweise im Beckenbereich unterscheidet und somit eine andere Schwungstrategie erfordert“, so der Stefan Quirmbach. „Mir geht es bei jedem Training vor allem um das biomechanische Optimieren“, so der Pro. Gemeint ist die Mechanik des Bewegungsapparates abgestimmt auf die individuellen Anatomie.

Angepasstes Gendertraining?

Das sieht auch Anja Kratzer so. Sie ist Proette in Golf Club St.Leon-Rot und bestätigt, „es ist eine Frage der Statur, die das Training bestimmt“. Doch auch die strategische Ausrichtung unterscheide sich, wenn Männer oder Frauen am Abschlag stehen. Während die männlichen Longhitter ihre Bälle wieder einmal im Unterholz suchen, setzen Frauen gern präzise den zweiten Schlag mitten aufs Fairway – ihr Schlag ist ja auch nicht so lang und somit einfacher zu platzieren. Genau an dieser Stelle die Strategie ins Kalkül zu ziehen, ist ein weiterer Punkt, der für ein angepasstes Gendertraining zu sprechen scheint.

„Jeder braucht individuelles Training – ob Mann oder Frau“

„Ich habe mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ob ich Frauen anders trainiere als Männer“, berichtet hingegen Esther Poburski, „für mich braucht jeder Schüler ein individuelles Training, das die persönlichen Stärken und Schwächen berücksichtigt“. Die 44-Jährige, die selbst sechs Jahre als Playing Professional international unterwegs war, ist nach einigen Stationen als Proette auch Landestrainerin beim Hamburger Golfverband.

Esther Poburski, Landestrainerin beim Hamburger Golfverband

Esther Poburski, Landestrainerin beim Hamburger Golfverband

„Wenn ich allerdings weiter darüber nachdenke, so unterrichte ich im Privattraining mehr Frauen als Männer.“ Ist also eine Frau eher als Trainerin für eine Frau geeignet? „Ich möchte das nicht pauschalisieren. Ein Training abgestimmt auf die persönlichen Bedürfnisse der Schüler in einer Lern-Atmosphäre, die Raum für die eigene Leistungsentwicklung schafft, ist nach meiner Erfahrung besonders erfolgreich“, so das Rezept der Hamburger Proette.

Esther Poburski bestätigt, dass männliche Schüler meist eher technisch orientiert sind. Bei Frauen ist die richtige Form der Kommunikation ein weiteres Argument für ein frauengerechtes Training. Wer kennt das nicht aus dem täglichen Leben. Bereits beim Training der Kinder und Jugendlichen beobachtet sie: „Die Mädchen müssen zu Beginn des Unterrichts erstmal zehn Minuten erzählen, bevor es losgeht, bei den Jungs geht es gleich los, sich messen, Wettkampfsituationen aufbauen, das ist deren Zielrichtung“. Schon früh fängt der Unterschied an.

Von 1.800 PGA Pros nur 128 Frauen

Von den rund 1800 PGA Pros sind nur 128 Frauen. Diese Relation spiegelt sich in den Trainerberufen vieler Sportarten wieder. Klar, wenn schon im Kinderalter mehr Jungs als Mädchen dabei sind. Esther Poburski hat einen plakativen Vergleich: „Wer könnte sich schon eine Frau als Trainerin in der Fußball-Bundesliga vorstellen?!“

Und warum gibt es überhaupt weniger Proetten? Die Ursache liegt vermutlich in der Geschichte, wenn auch nicht nur beim bis vor kurzer Zeit ausschließlich Männern vorbehaltenen, in vielen Golffragen tonangebenden Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews. Dort dürfen nach 260 Jahren erst seit September dieses Jahres Frauen Mitglied werden, eine kleine Sensation. In anderen englischen Clubs gilt noch heute ‚No dogs, no women’. Auch wenn sich das in Deutschland langsam ändert, die Historie hat offenbar lange Schatten vorausgeworfen.

Was denken Sie: Halten Sie angepasstes Gendertraining für sinnvoll?

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Imke Kuhlmann

Imke Kuhlmann - Freie Autorin für Golf Post

Imke Kuhlmann ist freie Journalistin. Golfspielen fand sie zuerst doof, bis sie zum ersten Mal selber einen Schläger in die Hand nahm. Das Handicap ist eher durchschnittlich, die Leidenschaft zum Golfsport deutlich überdurchschnittlich.

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