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Zwei Sportarten, eine Maxime: Spiel dein Spiel und lass dich von nichts beeinflussen

Golf und Darts haben nichts gemein! Oder doch? Sportkommentator Elmar Paulke erklärt im Golf Post Interview die Parallelen und bewertet ihren "Party-Faktor".

Elmar Paulke ist die Stimme des Darts in Deutschland, kommentiert für SPORT1 aber auch Golf bei der BMW International Open.
Elmar Paulke ist die Stimme des Darts in Deutschland, kommentiert für SPORT1 aber auch Golf bei der BMW International Open. (Foto: Getty/SPORT1/Rupp)

Im zweiten Jahr in Folge dürfen sich die Golffans während der BMW International Open auf Übertragungen im Free TV bei SPORT1 freuen. Kommentiert wird das Geschehen in München-Eichenried von Elmar Paulke − bekannt geworden als die deutsche Stimme des Darts. Im exklusiven Golf Post Interview erklärt der leidenschaftliche Hobbygolfer, warum Darts und Golf sehr ähnlich sind, Golf dennoch komplexer daherkommt und was der Sport mit den kleinen Pfeilen dem mit den weißen Bällen noch voraus hat. Also: "Schönes Spiel und Game on!"

Elmar Paulke kommentiert Darts und Golf.

Elmar Paulke kommentiert Darts und Golf. (Foto: SPORT1/Rupp)

Golf Post: Herr Paulke, gibt es Parallelen zwischen den beiden vermeintlich konträren Sportarten Darts und Golf?

Elmar Paulke: In England wird beim Darts vom "Golf der Arbeiterklasse" gesprochen und es gibt den Leitsatz: "Play the Dartboard". Er bedeutet soviel wie "kümmere dich nicht um die Fans, kümmere dich nicht um den Gegner, spiel dein Spiel und lass dich von nichts beeinflussen". Das ist auch eine Maxime, die Golfprofis haben. Parallelen gibt es also vor allem im mentalen Bereich. Der Golfsport ist jedoch komplexer als Darts.

Golf Post: Weil das Spiel mit den Pfeilen so einfach aussieht?

Paulke: Beim Darts bist du immer in einer Halle mit identischen Bedingungen. Das macht es auf den ersten Blick leichter. Der Faktor Eigenverantwortung wird dafür größer. Der Spieler ist schuld, wenn er nicht trifft. Im Golf gibt es immer ein paar Ausreden. Und trotzdem ist Golf bedingt durch verschiedene Spielsituationen sowie seine anspruchsvollen Bewegungsabläufe viel komplexer, beim Darts geht alles auf das Mentale. In beiden Sportarten wird allerdings viel mit Visualisierung gearbeitet. Der Dartprofi sieht seinen Pfeil im Ziel, schon bevor er dort steckt. Damit arbeiten auch Golfer. Sie stellen sich die Flugbahn des Balles vor und ahnen, was passieren wird.

Golf Post: Wie verläuft die "Flugbahn Ihres Balles" als aktiver Golfer?

Paulke: Ich spiele zwar schon seit zehn Jahren Golf, habe aber leider nicht allzu viel Zeit. Ich komme eigentlich aus dem Tennis und war ein einigermaßen guter Spieler. Dadurch habe ich das Gefühl für Schläger und Ball. Auch wenn sich mein Golfkönnen in Grenzen hält, versuche ich mir die Schläge vorzustellen. Im Training oder bei der Proberunde geht das, unter Druck ist das eine ganz schwierige Situation. Ich halte es mit dem fünfmaligen Dartsweltmeister Eric Bristow. Der hat mal gesagt, Darts sei wie vier Stunden Elfmeterschießen. Das sieht so einfach aus, ist aber ganz große Kunst, den Elfmeter vor Millionen Zuschauern im entscheidenden Moment zu verwandeln.

Golf Post: Als Sportkommentator haben Sie mit vielen verschiedenen Sportarten zu tun. Was macht Golf dabei für Sie besonders?

Paulke: Ich bin jemand, den Mentalsportarten faszinieren − der Kampf mit sich selbst, der Umgang mit eigenen Fehlern, aber auch der Flow, wenn Selbstvertrauen da ist. Ich war mal vier, fünf Tage mit Bogenschützen zusammen. Deren Kampf mit Perfektion ist auch im Golf ein entscheidender Faktor. Es gibt Momente, in denen man nah an die Perfektion herankommt, sie aber nie erreichen wird. Das ist die Faszination und der Suchtfaktor. Dieser Moment, in dem man den Ball so trifft, wie man ihn treffen möchte. Und beim nächsten Mal klappt es wieder nicht. Auch das ist für mich eine Art der Faszination.

Golf Post: Die Faszination ist während der BMW International Open auch wieder im Free TV bei SPORT1 zu sehen. Wie wichtig sind solche Übertragungen für den Golfsport?

Paulke: Es haben viele Sportarten gezeigt, dass Free-TV-Präsenz nötig ist, um einen Sport populär zu machen. Fernsehen ist häufig der einzige Weg, um kleinere Sportarten überhaupt groß zu machen. Im Darts war es ganz extrem. Die Gesellschaft hat sich zu einer Event-Gesellschaft entwickelt, deshalb passen Darts-Events perfekt in unsere Zeit, denn die Konkurrenz ist verdammt groß. Auch der Golfsport kann sich davon etwas abgucken.

Golf Post: Was genau?

Paulke: Ein Pluspunkt des Darts ist, dass die Matches alle relativ kurz sind und es gibt alle zwei Minuten eine Entscheidung. Wenn man nicht wirklich Golffan ist, wird es hingegen schwer, auf die Entscheidung zu warten. Vier Tage mit jeweils 18 Löchern verlangen viel Geduld und Hingabe.

Golf Post: Gibt es Ansätze, bei denen Organisatoren von Golfturnieren ganz konkret vom Darts lernen können?

Paulke: Ich habe natürlich kein Allheilmittel. Ich sehe, was die Dartfans begeistert und sie anspricht. Ein Geheimnis für den Erfolg ist, dass die Fans ein Teil der Show sind. Das schafft Darts so gut wie keine andere Sportart. Der Golfzuschauer soll ruhig sein, er soll am Rand stehen und darf hinterherlaufen − mehr nicht. Vielleicht sollte auch der Golfsport überlegen, wie man den Fan mehr integrieren kann. Der Nichtgolfer begreift doch gar nicht, was das Tolle am Golf ist. Der kann nicht nachvollziehen, dass ein gelochter Putt aus zehn Metern oder ein Abschlag mit dem Driver ein super Gefühl erzeugt, welches man immer wieder haben möchte. Das muss vermittelt werden und da gibt es sicher noch Potenzial.

Golf Post: Apropos Potenzial, fehlt Golf aktuell noch der "Party-Faktor" vom Darts?

Paulke: (lacht) Die Faszination Darts lebt viel von Kontrasten und ein Kontrast ist der, dass man eine Mentalsportart hat und zum Spielen in eine mit tausenden, lauten, am Rad drehenden Leuten geht. Das ist eine unglaubliche Herausforderung. Der Dartsverband verwendet darüber hinaus bei jedem Major-Turnier einen leicht anderen Modus. Vielleicht könnte es auch ein Golfturnier geben, bei dem die Musikboxen am Rand stehen. Dann hätte man ein anderes Event. Mit Variationen macht man Golf attraktiver, denn es muss mehr werden, als nur gelochte Putts und gute Abschläge.

Golf Post: Vielen Dank für das nette Gespräch und die interessanten Vergleiche.

(Das Interview führte Lars Kretzschmar)


SPORT1, Deutschlands führende 360°-Multimedia-Sportplattform, bietet zur BMW International Open 2017 umfangreiche Berichterstattung aus dem Golf Club München-Eichenried an. Neben einem kostenfreien Livestream der vier Runden auf der Homepage gibt es Highlightsendungen und am Samstag, 24. Juni, live ab 16:30 Uhr und am Final-Sonntag live ab 15:00 Uhr sogar Liveübertragungen der entscheidenden Phase im Free-TV.

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