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Blutsauger FedExCup – An den Grenzen des Möglichen

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16. Sep 2014
Auch Henrik Stenson als Titelverteidiger musste Federn lassen - und schied bereits vor dem Finale des FedExCup aus. (Foto: Getty)
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Der Rücken schmerzt, die Beine sind schwer, die Hüften träge und der Kopf ist müde. Was nach einem harten Eishockey-Match klingt, war in Wahrheit die körperliche und geistige Verfassung der meisten Pros während der FedExCup-Finals. Viele gestandenen Spieler äußerten sich kritisch. Das diesjährige Schedule, also die Turnierplanung, des FedExCup fordere so viele Resourcen ein, dass die, die können, nach der Serie länger pausieren – für die Besten steht mit dem Ryder Cup erst das eigentlich Highlight 2014 an. Am Ende standen zwei Spieler an der Spitze der Saisonwertung, die über den Großteil des Jahres unter dem Radar flogen. Mindestens mitverantwortlich dafür ist die enge Turnierplanung der PGA Tour.

FedExCup – Martin Kaymer und der Golf-Marathon

Am 31. August begann das Bridgestone Invitational, als World Golf Championship ein Must-Play-Event für jeden Profi, in Akron, Ohio. Anschließend folgten die PGA Championship, die Wyndham Championship und schon gingen die FedExCup-Playoffs los, die 2014 in vier aufeinanderfolgenden Wochen angesetzt waren. Bis zur Tour Championship in Atlanta hatten die Pros also mindestens sechs Turniere (wenn man berücksichtigt, dass die meisten die Wyndham Championship ausgelassen haben) in sieben Wochen auf dem Programm. Wir haben nachgerechnet: Spieler, die alle sieben Turniere spielten, legten von Akron bis Atlanta allein über 8000 Kilometer an Reise-Distanz zurück.


Da ist es also kaum verwunderlich, wenn sich Kommentare zur körperlichen und psychischen Fitness in den letzten Wochen häuften. Martin Kaymer schrieb beispielsweise vor der Tour Championship bei Facebook, er sei fast durch mit seinem „Marathon“ und will im letzten Turnier sehen, was noch im Tank drin steckt – nicht besonders viel, verständlicherweise, er beendete das Finale bei +8 auf T23 und verlor nochmal zwei Plätze im FedExCup, den er auf Platz 16 abschloss.

Zwischen Pflichtgefühl und Erholungsdrang

Die klarsten Worte fand Phil Mickelson. Im Vorfeld der Deutsche Bank Championship, dem zweiten Turnier der Finalserie, dachte „Phil the Thrill“ darüber nach, das Turnier auszulassen. Für ihn begann der Marathon schon vor der Open Championshship bei der Scottish Open, wo er seinen Titel verteidigen wollte. Die vier Finals eingerechnet hätte Mickelson neun von elf Turnieren gespielt – ein wahnwitziges Pensum.

Doch aufgrund der moralischen Verpflichtung, einem der größten Sponsoren der PGA Tour mit seiner Anwesenheit zu unterstützen, spielte Phil die Deutsche Bank Championship – ohne eine einzige Proberunde. Das letzte Mal hätte er einen Schläger in der Hand gehabt, als er die Woche vorher am Cut scheiterte, sagte der Publikumsliebling. „Ich bin in einer Art Zwickmühle. Die vier, fünf größten Events des Jahres gehören nicht zur PGA Tour, genauso die Majors und der Ryder Cup. Die FedExCup-Playoffs sind unsere Flaggschiff-Events. Als Spieler, der der Tour so viel zu verdanken hat, ist es obligatorisch dort zu spielen.“ Nach dem zweiten Tag der BMW Championship gab Mickelson auf, beendete das Turnier vorzeitig und nahm sich seine wohlverdiente Pause.

Rory McIlroy – Ein Königreich für das eigene Bett

„Ich stand am Montag unter der Dusche und dachte: Warum fährst du heute nach Denver? Also ging ich nach Florida, um eineinhalb Tage Zuhause zu sein. Es ist erstaunlich, was eine Nacht in deinem eigenen Bett für eine Wirkung haben kann.“ Rory McIlroy hatte vor dem letzten Turnier der PGA-Tour-Saison seine eigene Erholungstaktik. Nur hielt sie leider nicht lange genug an – 36 Löcher konnte McIlroy die Pace aufrecht erhalten, bis er am sechsten Loch in Runde drei der Tour Championship mit einem Doppelbogey einen Fehler machte, den er nicht mehr korrigieren konnte. „Das war einfach ein müder, fauler Schwung“ sagte McIlroy später, und sinnierte, ob er doch hätte ein Turnier auslassen sollen. Auch Jim Furyk meinte, zu viel Golf ist schlecht, um gut Golf zu spielen. „Wenn du so viel Zeit mit dem Spiel verbringst, wirst du müde, ausgelaugt, und du machst blöde Fehler.“

PGA Tour mit Einsicht, für den Ryder Cup gilt: Vorsicht!

Am Ende schneidet sich die PGA Tour ins eigene Fleisch. Den vier wichtigsten Turnieren des FedExCup fehlt es an Qualität, da die Profis nicht mehr in der Lage sind, ihre beste Leistung zu zeigen. Bei der Deutsche Bank Championship gab es in diesem Jahr mit 93 Spielern das kleinste Feld der Geschichte – 100 wären spielberechtigt gewesen. Größen wie Sergio Garcia oder Justin Rose nahmen sich frei. Immerhin zeigt die PGA Tour sich einsichtig. Tour-Commissioner Tim Finchem gab am Dienstag vor der Tour Championship zu: „Vier in Reihe – das klappt nicht wirklich.“ Für die nächsten Jahre sei stets eine Woche Pause eingeplant.

Zusätzlich steht ja mit dem Ryder Cup nur zwei Wochen später das absolute Saison-Highlight an. Die Amerikaner, durch einige prominente Ausfälle (z.B. Tiger Woods und Dustin Johnson) sowieso schon gebeutelt, sind aktuell wenig optimistisch. Ein ausgebrannter Phil Mickelson oder Jim Furyk werden die Chancen des US-Teams kaum steigern. Sollte es eine deutliche Niederlage geben, fällt die Frage nach der Schuld am Ende vielleicht sogar auf Finchem & Co. zurück. Und der Schedule für 2015 lässt nichts Gutes erahnen.

Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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