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Ben Crane und die British Open – Hoffnung stirbt zuletzt!

18. Jul 2014
Ben Crane war zum zweiten Mal Nachrücker für die British Open und verpasste die Teilnahme nach 2012 erneut. (Foto: Getty)
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24-Stunden-Anreise für den Open-Start bleibt am Ende vergebens. Ben Crane ist trotzdem der glücklichste Pechvogel des Majors.

Das Leben kann schon verdammt hart sein! Für den US-Amerikaner Ben Crane muss es sich am ersten Tag der British Open 2014 noch härter angefühlt haben. Zum zweiten Mal nach 2012 war er Nachrücker im Feld, für den Fall einer kurzfristigen Absager eines anderen Spielers – und zum zweiten Mal ging Crane leer aus! In diesem Jahr ist seine Geschichte jedoch umso bemerkenswerter.

„Ich bin froh, dass ich hergekommen bin“

Ben Crane blickt auf großen Einsatz zurück, um an der British Open teilnehmen zu können, und einen noch größeren Anreisestress, alles nur um ohne ein einziges gespieltes Loch wieder die Heimreise anzutreten. Der 38-Jährige erreichte Hoylake vor den Toren Liverpools am Donnerstag gerade einmal fünf Stunden vor Beginn der Auftaktrunde. Als erster Nachrücker wartete er anschließend gut zehn Stunden und stand am Ende doch mit leeren Händen da, als bis zum letzten Flight kein weiterer Spieler zurückzog.


Unter Berücksichtigung der Geschehnisse von vor zwei Jahren, war es die Strapazen aber wert. Selbst nach einer 24-Stunden-Anreise von Portland/Oregon in den Nordwesten Englands, mit nur wenigen Stunden Schlaf und ohne jede Möglichkeit sich auf der Range aufwärmen zu können, sah man Ben Crane trotzdem am Donnerstagvormittag freudestrahlend vor dem Clubhaus. „Selbst wenn ich nicht reinkomme, ich bin so froh, dass ich hergekommen bin“, sagte der Amerikaner, während die ersten Flights zur Auftaktrunde aufteeten. „Es ist für meine Seele gut, einfach hier zu sein. Das alles zu sehen ist inspirierend.“

Verwirrung wurde Ben Crane zum Verhängnis

Vor zwei Jahren im Royal Lytham & St. Annes war Ben Crane schon einmal erster Nachrücker, konnte sich allerdings nicht entscheiden überhaupt anzureisen, da die British Open in jenem Jahr von Spielern regelrecht überflutet war. Zwei Spieler mussten damals zurückziehen, bevor Crane überhaubt zum Zuge gekommen wäre. Es folgte allgemeine Verwirrung. Die R&A wurde zu einem Zeitpunkt darüber informiert, dass er nicht anreisen würde, als Crane noch nach Flügen suchte.

Zu seinem Pech zogen tatsächlich zwei Spieler zurück, bevor Senior-British-Open-Champion Russ Cochran mit Rückenbeschwerden ebenfalls noch absagte. Michael Thompson – der zweie Nachrücker hinter Ben Crane – bekam schließlich seinen Platz. „Ich hatte die ganze Woche ein Loch im Bauch“, berichtete er. „Ich konnte es einfach nicht glauben. Ich habe nicht erwartet, dass sich noch so viel verschiebt. Ich möchte gerne Major gewinnen, zu Hause sitzend funktioniert das aber nicht“.

Voller Einsatz für einen British-Open-Start

Ein denkwürdiger Tripp ist es allemal für Crane, der im Vormonat die St Jude Classic gewinnen konnte. Am Dienstagnachmittag spielte er noch zusammen mit seinem Vater im Portland Golf Club, darauf wartend, Seung-Yul Noh aus Südkorea zu erreichen, um zu erfahren, ob der nach England fliegen werde. Noh war bei den Nachrückern vor Crane platziert. „Es ist 16:30 Uhr und ich bin auf dem Golfplatz, 30 Minuten entfernt vom Flughafen“, erzählt der US-Amerikaner seine Geschichte. „Ich warte darauf, dass Seung-Yul No in Korea endlich aufwacht. Um 17:00 Uhr, erfahre ich, dass er nicht fliege. Ich hatte schon gepackt, renne also nach Hause, springe in ein Auto, mein Vater fährt mich zum Flughafen und dann verpasse ich den Flug.“

Ein Anruf bei einem Freund bei Delta Airlines verhalf ihm zu der Info über einen späten Flug via Seattle. Er nahm also einen Innlandsflug nach Seattle, von dort nach New York, ein weiterer Aufenthalt bevor das Ziel London hieß. Zu allem Überfluss gab es dann keinen Flug in die Gegend von Liverpool. Stattdessen nahm er sich ein Auto und erreichte Hoylake nach dreieinhalb Stunden Fahrt um 1:00 Uhr Donnerstagmorgen.

Keine Heimreise ohne eine Runde Links-Golf

Trotzdem steht Ben Crane da und hört nicht auf zu lächeln, ein bemerkenswerter Charakter. „Unglaublich. Es ist so aufregend“, berichtet Crane. „Was für eine großartige Chance. Aber ob man es glaubt oder nicht – ich kann keine Bälle schlagen. Der Verantwortliche sagte mir, dass ich fünf Minuten hätte, um zum Abschlag zu kommen, wenn jemand ausfällt. Die Range ist mit dem Auto jedoch sieben Minuten entfernt. Und ich habe seit Dienstag im Portland Golf Club keinen Ball mehr geschlagen.“

Aus Ermangelung anderer Aufwärmmöglichkeiten steht Crane chippend auf dem Putting Grün, um ja nicht zu weit weg zu sein, wenn seine Chance kommen sollte. Viele Spieler sind sich seiner Misere garnicht bewusst, kommen vorbei und wünschen viel Erfolg für die Woche. So auch Curtis Strange und Mike Tirico, die für ESPN arbeiten. „Wann ist deine Startzeit?“, fragt Strange. Als schließlich um 16:06 Uhr (Ortszeit) der letzte Flight abschlägt, hat Ben Crane keine Tee Time erwischt.

Der Heimflug war für Freitagvormittag gebucht, nicht aber ohne zumindest irgendwo einmal Golf gespielt zu haben. Er zückt sein Telefon und sucht sich eine Liste der möglichen Plätze. Vor halb zehn würde es nicht dunkel werden – ausreichend Zeit also für eine 18-Loch-Runde.

Lars Kretzschmar

Lars Kretzschmar - Leitender Redakteur bei Golf Post

Lars ist Diplom-Sportwissenschaftler und sein großes Faible ist der Turniersport. Er schlägt sich für seine Leser gerne mal die Nächte um die Ohren, um die neusten Infos der PGA-, European- und LPGA-Tour liefern zu können. Sie finden Lars Kretzschmar auch unter Google+.

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